Österreich

Weikendorf lehnt muslimische Familie ab

Heute Redaktion
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Gut integrierte Familie darf kein Haus kaufen: Khalid Abu El Hosna (3. v. re.) mit Frau und vier der neun Kindern.
Gut integrierte Familie darf kein Haus kaufen: Khalid Abu El Hosna (3. v. re.) mit Frau und vier der neun Kindern.
Bild: Kurier/Gilbert Novy

Eine muslimische elfköpfige Familie will von Wien nach Weikendorf (Gänserndorf) ziehen. Doch die Gemeinde blockte ab. Grund: Muslime würden nicht nach Weikendorf passen.

Die palästinensische Familie Abu El Hosna ist seit Jahren auf der Suche nach einer neuen Heimat. Nach Jahren in Wien dachte man laut "Kurier" diese in der Weinviertler 2000-Seelen-Gemeinde Weikendorf (Bezirk Gänserndorf) gefunden zu haben.

Die Familie nahm einen Kredit auf, wollte eine Liegenschaft im Ortsteil Dörfles kaufen (Anm.: Die Marktgemeinde Weikendorf besteht aus Weikendorf, Dörles, Stripfing, Tallesbrunn). Doch mit dem Umzug wurde nichts, denn die Gemeinde habe "kein Interesse" am Zuzug der Abu El Hosnas. Muslime würden nicht nach Weikendorf passen.

"Die unterschiedlichen Kulturkreise der islamischen sowie der westlichen Welt gehen in ihren Wertvorstellungen, Sitten und Gebräuchen weit auseinander", soll Ortschef Johann Zimmermann (VP) betont haben. Die Familie Abu El Hosna empfindet den Ablehnungsgrund als zutiefst diskriminierend.

Anwalt soll Kauf ermöglichen

Die Familie geht jetzt mit einem Anwalt vor. "Wir hoffen auf eine positive Entscheidung der Grundverkehrskommission" so Vater Khalid Mansor Abu El Hosna (43). Aus seiner Sicht habe das Amt der nö. Landesregierung keinen Grund, den Kauf des Grundstückes zu verhindern. "Wir sind 2010 als Flüchtlinge gekommen, haben Asylstatus, zahlen Steuern und haben einen Leumund. Meine Frau, ich und meine neun Kinder sind bestens integriert", so der Gastronom (Anm.: betreibt das orientalische Restaurant "Castle" in der Wiener Laxenburger Straße) zum "Kurier".

Grundverkehrsbehörde

Der Erwerb eines Eigentumsrechtes oder eines Nutzungsrechtes an einem land- und forstwirtschaftlichen Grundstück oder an einem dazugehörigen Wohn- oder Wirtschaftsgebäude bedarf grundsätzlich der Genehmigung durch die Grundverkehrsbehörde.

Kritik kommt vom Wiener SP-Gemeinderat Omar Al-Rawi, der der Familie jetzt helfen will: "Im 21. Jahrhundert glauben, dass unterschiedliche Kulturen in Europa nicht zusammenleben können, ist jenseitig. Offenbar ist die Islamfeindlichkeit von türkis-blau in den kleinsten Winkeln des Landes angekommen. Man sieht, wie gefährlich so eine Politik ist."

"Die Gemeinde wird nun mit dem Schreiben des Anwaltes konfrontiert und muss noch einmal Stellung nehmen", so die Grundverkehrsbehörde. (Lie)