Weniger Möbelspenden – Teuerung trifft Caritas-Läden

Leere Regale, wenig Spenden, dafür höhere Nachfrage: Davon berichtet Oliver Türkoglu. Er leitet den Bereich Sachspenden und Logistik der Caritas-Secondhand-Läden.
Leere Regale, wenig Spenden, dafür höhere Nachfrage: Davon berichtet Oliver Türkoglu. Er leitet den Bereich Sachspenden und Logistik der Caritas-Secondhand-Läden.Sabine Hertel
Den "Carla"-Secondhand-Läden gehen zusehends die Spenden aus. Es fehlt an Möbel, Spielwaren und Kleidung. Gleichzeitig steigt die Zahl der Kunden.

"Die Teuerung ist mittlerweile im Geldbörserl angekommen und nicht mehr nur in den Medien", fasst Oliver Türkoglu, Leiter des Bereichs Sachspenden und Logistik der Caritas, die aktuelle Lage zusammen. Türkoglu ist in den beiden Secondhand-Läden in Margareten und Floridsdorf tätig. Dort kaufen armutsbetroffene Menschen zu günstigen Preisen ein. Aber auch Schnäppchenjäger seien bei Zeiten hier zu finden, so Türkoglu.

Sachspenden-Rückgang um 30 Prozent

Doch die aktuelle Lage ist prekär: Täglich muss der Leiter sehen, wie die Regale leerer werden, während die Nachfrage steigt. Denn nicht nur Sozialmärkte und Lebensmittelausgaben sind von der Rekord-Inflation betroffen – auch andere Dinge des täglichen Bedarfs zu günstigen Preisen sind derzeit stark gefragt. "Früher war hier alles voll, jetzt kommen nur mehr wenig Spenden rein", klagt auch die langjährige Mitarbeiterin Andrea Schmied.

"Zu Beginn des Ukraine-Krieges herrschte kurzzeitig eine hohe Spendenbereitschaft, doch diese ließ mit der Zeit wieder nach", berichtet der Chef-Lagerist. Im Mai und Juni gab es, im Vergleich zu Jahresbeginn, einen Sachspendenrückgang um 30 Prozent. "Unsere Wahrnehmung ist, dass die Leute weniger Neues kaufen und daher auch weniger zu Spenden haben. Gibt es etwas, wird es online verkauft", so Türkoglu. Dringend benötigt werden Spielwaren, Möbel, Elektrogeräte sowie Kleidung für Herren und Kinder.

"Manche Kunden hätten nie gedacht, einmal hier einzukaufen"

"Wir geben nicht nur Ware an Obdachlose aus", stellt der Logistiker klar. "Immer öfter hören wir Geschichten von Leuten, die nie gedacht hätten, dass sie selbst einmal bei uns einkaufen würden. Hier spielt schon eine gewisse Scham mit, für viele ist die Situation abstrakt." Ein Anstieg an Kunden ist klar zu bemerken – aus allen Milieus, aber vor allem bei arbeitslosen Menschen, Pensionisten oder Alleinerziehenden.

Online-Shop in Planung

Wer bei "Carla" einkauft, zahlt grundsätzlich einen geringen Preis. Weitere Vergünstigungen gibt es mit der sogenannten "Carla Card Plus", für die ein Einkommensnachweis notwendig ist. 70 Prozent Rabatt können damit gewährleistet werden. Aktuell sind dafür 3.000 Personen angemeldet, berichtet der Chef-Lagerist.

"Man sollte nicht auf die Krise vergessen", appelliert Türkoglu und bittet all jene, die es sich leisten können, alte, gut erhaltene Möbelstücke zu spenden statt zu verkaufen. "Die Vorgehensweise ist einfach, man kann entweder zu uns kommen oder größere Produkte abholen lassen." Derzeit wird auch an einem Online-Store getüftelt: "Wir arbeiten daran, das Spenden und Kaufen noch einfacher zu gestalten."

Wer helfen möchte, kann sich auf www.carla-wien.at informieren. Zudem läuft noch bis Ende August die Caritas-Aktion ""#fashionforfuture", bei der alle aufgerufen sind, ihr bestes Kleidungsstück zu spenden. Die gesammelten Kleiderspenden können bei einem Flohmarkt im September im Carla Mittersteig erstanden werden – für den guten Zweck.

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