Wenn normale Menschen über sich hinauswachsen

Regisseur Clint Eastwood erzählt in "15:17 to Paris" die wahre Geschichte von drei Männern, die zu Helden wurden.

Die Geschichte ging am 21. August 2015 um die Welt. Ein Attentäter wollte im Thalys-Zug 9364 von Amsterdam nach Paris ein Blutbad anrichten. Ayoub El Khazzani stieg mit einem AK-47 Sturmgewehr und einer Luger-Pistole sowie mehr als 300 Stück Munition in Brüssel in den Zug ein.

Dank des beherzten Einsatzes und starker Gegenwehr mehrerer Passagiere war es ihm nicht möglich, mehr als einen Schuss abzugeben. Überwältigt wurde er von drei Freunden aus dem kalifornischen Sacramento, die sich auf einem Backpack-Trip durch Europa befanden.

Der Trailer von "15:17 to Paris":

Gemeinsam und unter Einsatz des eigenen Lebens entwaffneten sie den Terroristen und setzten ihn außer Gefecht. Dabei wurde Spencer Stone, von Beruf Luftwaffensoldat, mit einem Teppichmesser schwer verletzt. Trotzdem leistete er danach dem einzigen anderen Opfer des Anschlags erste Hilfe.

Das selbstlose Trio wurde in den Tagen weltweit als Helden gefeiert. Von Präsident Francois Hollande erhielten sie den "Legion d'Honneur"-Verdienstsorden verliehen.

Keine Schauspieler

Zweieinhalb Jahre später kommt die Geschichte nun als Hollywood-Film in die Kinos. Kein Geringerer als Altmeister Clint Eastwood hat sich um die cineastische Umsetzung gekümmert. Er verzichtet dabei fast vollständig auf bekannte Schauspieler, sondern lässt die echten Protagonisten selber noch einmal die bangen Minuten im Zug miterleben.

Spencer Stone, Aleksander Skarlatos und Anthony Sadler spielen sich in "15:17 to Paris" selbst. Was auf den ersten Blick vielleicht befremdlich wirkt, verleiht dem Film sehr viel Authentizität und macht ihn so zu einem speziellen Helden-Epos. Wo sonst eingeübter Hollywood-Pathos und kitschiger Über-Drüber-Patriotismus zum Tragen kommen, wird durch die drei Laien ein nüchternes Bild gezeichnet, mit dem es sich als Zuschauer leichter identifizieren lässt.

Die Helden erscheinen so als greifbar, real. Eastwood wollte damit wohl glaubhaft vermitteln, dass jeder in bedrohlichen Situationen über sich hinauswachsen kann. Der Fokus des Films liegt auch nicht auf den Geschehnisses des 21. August 2015, sondern beleuchtet die Hintergrundgeschichte des Trios.

Fokus auf die Hintergrundgeschichte

Eastwood zeigt das Kennenlernen der drei Jungs in der Junior High School. Dort waren sie Außenseiter, die sich für das Militär, den Krieg und Waffen interessierten und öfter im Büro des Direktors antanzen mussten. Aus den ganz normalen Kids sind einige Jahre später junge Erwachsene geworden. Während sich Sadler für eine Studium entschieden hat, zieht es Stone und Skarlatos in den Armeedienst.

Als eine Art Wiedersehen planen die drei einen Interrail-Trip durch Europa. Rom, Venedig, Berlin, Amsterdam und dann Paris wollen sich die Freunde im Sommer 2015 anschauen. Eastwood zeichnet auch den Städtetrip an den Originalschauplätzen nach, ehe er sich dem dramatischen Höhepunkt widmet.

Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort

Speziell das Leben von Spencer Stone wird in "15:17 to Paris" eingehender porträtiert. Trotz zahlreicher Rückschläge lässt er sich nicht von seinem Weg abbringen und mausert sich zu einem guten Soldaten. Seine Ausbildung im Nahkampf kombiniert mit dem innigen Wunsch, Menschen helfen zu können, machten aus ihm an Bord des Zuges einen Helden, ohne den wahrscheinlich viele Todesopfer zu beklagen gewesen wären.

Genau das ist auch die starke Aussage des Filmes. Egal, wer du bist und woher du kommst, wenn die Zeit reif dafür ist, musst du an dich glauben und kannst so Unmögliches schaffen.

Fazit

"15:17 to Paris" ist jedem Kinofan ans Herz gelegt, dem eine gute Geschichte wichtig ist, die auch ohne viel Action und Special Effects auszukommen und die Zuschauer zu fesseln weiß.

"15:17 to Paris" startet am 19. April in den österreichischen Kinos.

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