Der "Lieblings-Laden" im dritten Wiener Gemeindebezirk hat erst im September eröffnet. Gyda Federer hatte sich aufgrund des ersten Lockdowns beruflich umorientiert und stand nach 13 Jahren wieder ganz am Anfang. Kurz nach Öffnung ihres Geschäfts kommt nun der nächste Lockdown und bedroht ihre Existenz erneut. Was, wenn sie aufgrund der behördlichen Vorgaben, die am Samstag verkündet werden, ihre Kinder nicht mehr in die Schule, beziehungsweise in den Kindergarten schicken kann? Wer steht dann im neu eröffneten Geschäft und bedient die Kunden?
Bis März dieses Jahres war ihre Profession eine ganz andere – Gyda Federer leitete ein Kurszentrum. 18 Kursleiter haben im 14. Bezirk für Kinder und Erwachsene Kurse veranstaltet. 13 Jahre lang ging das gut. Beim ersten Lockdown sollte sich alles ändern, das Geschäft brach ein. Bis Anfang August versuchte sie es weiter – an ihren Kursen nahmen nur noch 3-4 Menschen teil. Also überlegte sie sich etwas anderes. Zusammen mit einer Kollegin, die sich in der Branche auskennt, besuchte sie Biohöfe, bestellte Ware und Einrichtung für einen Laden, der Ende September eröffnet wurde. "Die ersten drei Wochen waren ein Wahnsinn", erzählt Gyda Federer im Gespräch mit "Heute". Sie habe in dieser Phase keine Zeit gehabt, die Werbetrommel für das Geschäft zu rühren. Das ganze lief über Mundpropaganda – viele Nachbarn aus dem Grätzl kauften bei ihr ein und erzählten ihren Bekannten von dem Laden. Jetzt gehe es bergauf, sagt Frau Federer, seit ein paar Wochen steige das Interesse an ihren Bio-Produkten. Doch am Samstag soll die Regierung den harten Lockdown verkünden.
Das Geschäft dürfe im Lockdown wohl offen halten, meint die Bio-Laden-Besitzerin, aber was, wenn die Schulen schließen? Gyda Federer hat drei Kinder. Die Familie wohnt in Niederösterreich, die Kinder gehen dort in die Schule, beziehungsweise in den Kindergarten. Wenn die Schulen nun schließen, was ist dann mit ihrem Geschäft? Zwar hat sie zwei Mitarbeiterinnen, aber für einen pausenlosen Betrieb des Ladens reiche dies nicht. "Ich wüsste nicht, wovon ich ohne den Laden leben soll", sagt die dreifache Mutter im "Heute"-Interview.