Österreich

Wer Geld hat, bekommt schneller OP-Termin

Heute Redaktion
14.09.2021, 00:48

Wer eine Zusatzversicherung hat, kriegt schneller einen OP-Termin. Diese "Zwei-Klassen-Medizin" wird jetzt von AK-Präsident Kalliauer scharf kritisiert.

Wer zahlt, schafft an! So ein altes Sprichwort.

Das gilt auch in der Medizin. Sprich: Wer Geld und eine Zusatzversicherung hat, bekommt schneller einen OP-Termin. Und zwar viel schneller. Viel, viel schneller.

Ein Vergleich unter Spitälern (Beispiel: Knieprothese) in Oberösterreich zeigt etwa: Ohne Zusatzversicherung wartet man bei den Barmherzigen Schwestern in Linz bis zu 20 Wochen (!), mit bekommt man einen Termin in vier bis sechs Wochen. Ähnlich auch im Gespag-Krankenhaus in Kirchdorf: Ohne Sonderklasse dauert es bis zu 20 Wochen, mit geht's in elf Wochen. Drittes Beispiel: das Gespag-Spital in Steyr. Ohne Zusatzversicherung dauert's 27,5 Wochen (!) bis zum OP-Termin, Sonderklasse-Patienten bekommen einen in 16 Wochen.

AK-Präsident Johann Kalliauer prangert jetzt diese "Zwei-Klassen-Medizin" an, für ihn ist das absolut inakzeptabel: „Wir brauchen ein standardisiertes Dringlichkeitsschema mit Maximalwartezeiten, das unabhängig vom Versicherungsstatus angewendet wird.", fordert er. Neben medizinischen sollen auch soziale Kriterien (wie etwa die Arbeitsplatzsituation) zum Tragen kommen.

Kalliauer: Spitalsreform schuld an Entwicklung

Eine Ursache für diese negativen Entwicklungen sieht die AK in der 2011 beschlossenen oberösterreichischen Spitalsreform. „Dass Einsparungen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro nicht ohne Auswirkungen bleiben, liegt auf der Hand", sagte Kalliauer Montag bei einer Pressekonferenz.

Eine Befragung von 600 Mitgliedern der AK Oberösterreich ergab übrigens, dass die Mehrheit nicht davon ausgeht dass es besser wird: 64 Prozent der Befragten rechnen damit, dass sich die Qualität der Gesundheitsversorgung in Zukunft verschlechtern wird, 86 Prozent rechnen mit (noch) längeren Wartezeiten.

Die Beschäftigten im Gesundheitswesen – befragt wurden 500, ohne Ärzte/-innen – teilen die Befürchtungen der AK-Mitglieder: 71 Prozent meinen, dass sich die Spitalsreform negativ auf die Qualität der Patientenversorgung auswirkt. 66 Prozent sehen negative Auswirkungen auf ihre Arbeitsbelastung. 88 Prozent rechnen mit längeren Wartezeiten.

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