Wer hat das Loch in die Raumstation gebohrt?

Zwei Kosmonauten gingen dem Rätsel auf den Grund, wie ein winziges Loch in der ISS entstanden sein könnte.

Acht Stunden verbrachten die russischen Kosmonauten Oleg Kononenko und Sergej Prokopjew heute außerhalb der ISS im Weltall. Ihre Aufgabe: Ein Loch in der Internationalen Raumstation – genauer in der Orbitalsektion des angedockten Raumschiffs "Sojus MS-09" – zu untersuchen.

Das nur zwei Millimeter große Loch war heuer im August an einer schwer zugänglichen Stelle entdeckt worden. Es ist zwar winzig, aber sehr gefährlich: Luft entwich, was zu einem Druckabfall in der ISS führte. Mit einem speziellen Detektor konnte es schnell geortet und mit Epoxidharz aus Bordmitteln verschlossen werden.

Ein Loch und viele Fragen

Die beiden Russen sollten heute ein Rätsel lösen: Wie entstand das Loch? Fotos belegen, dass das Leck offenbar dilettantisch und freihändig gebohrt wurde. Der Bohrer muss mehrere Male abgerutscht sein, wie Kratzspuren zeigten. Außerdem müsste der Bohrer nach Ansicht von Experten mindestens 50 Zentimeter lang gewesen sein, um an diese verwinkelte Stelle zu kommen. So lange Bohrer gibt es aber an Bord der ISS nicht. Waren hier Aliens mit einer intergalaktischen Bohrmaschine am Werk? Eher nicht.

Ein Pfusch der Russen?

Das Loch muss also auf der Erde entstanden sein. In diesem Fall, so die Theorie, würde es sich um einen gröberen Pfusch der russischen Hersteller RKK Energija handeln. Das weisen die Russen natürlich hellauf empört zurück. Als Retourkutsche wurde in Moskau medial vermutet, das Loch könnte von einem heimwehkranken ISS-Besatzungsmitglied gebohrt worden sein, um eine rasche Rückkehr zur Erde zu provozieren. Belege dafür gab es nicht.

Hätten die Russen gepfuscht, müsste das Loch mit einem Kleber verschlossen worden sein, der dann auf der Umlaufbahn aushärtete und schließlich durch den Kabinendruck wie ein Sektkorken nach draußen ploppte. Daher sollten die beiden Kosmonauten bei ihrem Raumspaziergang herausfinden, ob es an der Außenhaut der Orbitalsektion noch Reste des Klebers gibt.

Isolierschicht geborgen

Der russische Sojus-Hersteller veröffentlichte ein Video zum Reparaturvorgang. Es zeigt, wie mit einem langen Messer die dicke Isolierschicht der "Sojus"-Orbitalsektion aufgeschlitzt werden muss, um zum Loch im Meteoritenschutz zu gelangen. Ein Stück Isolierschicht, das die Kosmonauten Kononenko und Prokopjew herausgeschnitten haben, wird nun am 20. Dezember zur Erde gebracht. Hier soll es auf Bohr- oder Kleberspuren untersucht werden. Dann wird endgültig klar sein, woher das Loch in der Sojus-Kapsel stammt.

(GP)

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