Europas reichster Mann Bernard Arnault (77) steht offenbar vor einer massiven Zerreißprobe im eigenen Familienimperium. Hinter der glänzenden Fassade des Luxuskonzerns LVMH, zu dem Marken wie Dior und Louis Vuitton gehören, tobt laut mehreren Berichten ein erbitterter Macht- und Nachfolgestreit innerhalb der Familie.
Für zusätzliche Brisanz sorgt ausgerechnet Arnaults Ehefrau Hélène Mercier-Arnault (66), die den internen Konflikt nun überraschend öffentlich gemacht hat. Die 66-jährige Starpianistin galt über Jahrzehnte als diskrete "First Lady" des Luxusimperiums, meldete sich zuletzt jedoch im Rahmen der Promotion ihres Albums "Lost to the World" mit ungewöhnlich offenen Aussagen zu Wort.
Dabei ließ sie tief in das Familienleben blicken und das offenbar ohne Absprache mit der PR-Abteilung des Konzerns. So berichtete sie etwa, ihr Ehemann habe sie "böse angeschaut, nachdem ihn seine Kommunikationsleute alarmiert hatten".
Besonders brisant waren jedoch ihre Aussagen über die Kinder: Sätze wie "Das ganze Geld macht euch schläfrig!", "Ihr hattet eine Gehirnwäsche!" und "Ihr seid Gefangene des Systems!" sorgen nun für heftige Diskussionen.
Hintergrund dieser Aussagen ist ein streng leistungsorientiertes Familienumfeld. Die fünf Kinder aus zwei Beziehungen wurden eigenen Angaben zufolge früh in das Unternehmen eingebunden, bei Ferienjobs im Konzern getestet und systematisch bewertet. Der Nachwuchs stand immer unter Druck, "der Beste zu sein".
Die Folgen dieser Erziehung zeigen sich heute deutlich. Zwischen den Kindern aus erster Ehe und den gemeinsamen Kindern herrsche laut Berichten tiefes Misstrauen. Ein gemeinsames Familienfoto sei inzwischen "völlig undenkbar".
Besonders dieBeziehung von Tochter Delphine Arnault (51, CEO von Dior) mit dem Unternehmer Xavier Niel sorgt für Spannungen innerhalb des Clans. Niel saß in der Vergangenheit unter anderem wegen Zuhälterei und Geldwäsche in Untersuchungshaft. Er steht zudem unter Verdacht, Informationen des Familienzwists an die Medien weiterzugeben. Selbst Hélène Mercier-Arnault soll ihn "El Diabolo" nennen.
Auch unter den Söhnen verschärft sich der Konkurrenzkampf. Antoine Arnault (49) gilt als strategischer Kopf und enger Vertrauter des Patriarchen und ist für die Kommunikation von LVMH verantwortlich, während Alexandre Arnault (34) als CEO von Moët Hennessy tätig ist.
Frédéric Arnault (30) kommt als Künstler und Piano-Liebhaber ganz nach seiner Mutter. Der 30-Jährige darf aber nicht unterschätzt werden, denn um selbst Boss der Luxusmarke Loro Piana zu werden, drängte er den vorherigen CEO auf einen anderen Posten.
Der jüngste Sohn Jean Arnault (27) arbeitet an der Uhrensparte von Louis Vuitton und soll laut Insidern ebenfalls ehrgeizig an seinem Einfluss innerhalb des Imperiums feilen. Laut dem Insider-Blog "La Lettre" hat er sich, ohne das Wissen seiner Geschwister, um die Sanierung der Taschenmarke Moynat gekümmert. Papa Bernard soll von dieser Aktion "sehr beeindruckt" gewesen sein.
In dem ohnehin angespannten Klima kursieren zudem Berichte über interne Drohungen und Misstrauen innerhalb der Familie. Der Nachfolgekrieg scheint inzwischen sogar dem Imperium zu schaden: Die LVMH-Aktie ist in den letzten drei Jahren um rund 50 Prozent gesunken.
Gleichzeitig soll sich der Unternehmer selbst bewusst gegen eine rasche Nachfolgeregelung stellen und stattdessen lediglich auf sich selbst vertrauen. Bernard änderte dazu sogar die Vorschriften und hob das Höchstalter für den Chairman von 80 auf 85 an. Über die Nachfolge könne man "in sieben oder acht Jahren erneut sprechen", so der 77-jährige Patriarch.
Bernard Arnault gilt als extrem diszipliniert, steht früh auf, arbeitet bis spät in die Nacht und kontrolliert zentrale Entscheidungen persönlich. Laut Aussagen seiner Ehefrau "arbeitet mein Mann nur! Er hat kaum etwas vom Leben".
Während das Luxusimperium nach außen weiterhin Stärke demonstriert, wächst intern offenbar die Unsicherheit über die Zukunft der milliardenschweren Dynastie.