Wett-Quoten sprechen für Sieg von Obama

Bild: Reuters

Wetten auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl sind in den USA verboten. Im Internet ergibt sich jedoch ein klarer Trend: Amtsinhaber Obama ist bei vielen Online-Wettbüros der heiße Favorit.

Selbst im US-Wettbüro-Mekka Nevada ist nicht alles möglich: Wetten auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl an diesem Dienstag sind gesetzlich verboten. Wer trotzdem auf den Sieg von Amtsinhaber Barack Obama oder den seines republikanischen Herausforderers Mitt Romney setzen will, muss ins Internet ausweichen. Marketing-Manager John W. hat 100 Dollar auf Obama gesetzt. Seinen vollen Namen möchte er nicht veröffentlicht sehen, weil er mit seiner Wette eigentlich das Gesetz bricht.



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Und viel Gewinn wird er auch nicht einstreichen, egal wie die Wahl ausgeht: Die meisten Online-Wettbüros geben für einen Obama-Sieg eine Quote von gerade einmal 1:4. Vier Dollar Einsatz bringen also nur einen Bonus von einem weiteren Dollar, falls auch der nächste Präsident der Vereinigten Staaten Obama heißt.



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Romney Sieg bringt mehr Geld

Romneys Quote liegt bei 11:4, ist also schon lukrativer: Vier Dollar Einsatz bringen im Falle eines Romney-Triumphs einen Gewinn von elf Dollar. Dazu gibt es den Einsatz zurück. John W. hat sich trotz der miesen Quote für Obama entschieden.

"Ich wette gerne auf Sportergebnisse und treffe meist ganz gut, weil ich Statistiken und Trends studiere und meine Emotionen außer Acht lasse", erklärt er. Genauso sei er bei seiner Wahlwette vorgegangen. "Ich bin mir sicher, dass Obama siegen wird, weil er in den stark umkämpften Staaten seinen Vorsprung hat halten können. Das ist für mich leicht verdientes Geld."

Bart ab bei Obama-Niederlage

Andere Amerikaner wetten mit Freunden und Bekannten, was natürlich nicht verboten ist. Obama-Berater David Axelrod riskiert dabei seinen Oberlippenbart, den er seit 40 Jahren trägt. Er versprach dem konservativen Nachrichtenmoderator Joe Scarborough, sich vor laufender Kamera in dessen Sendung "Morning Joe" zu rasieren, sollte Obama die Staaten Michigan, Minnesota oder Pennsylvania verlieren. TV-Mann Scarborough hingegen will sich einen Schnauzer wachsen lassen, falls Obama in Florida oder North Carolina siegt.

Überhaupt scheint Scarborough ein beliebter Wettgegner zu sein. "New York Times"-Wahlforscher Nate Silver hat dem Moderator seine Wette auf dem Kurznachrichtendienst Twitter angetragen: Gewinnt Romney, will Silver 1.000 Dollar an das Rote Kreuz spenden - bei einem Obama-Sieg soll Scarborough zahlen. Silver hat die Trends in den einzelnen Staaten genau untersucht und schätzt die Wahrscheinlichkeit für einen Triumph Obamas auf 79 Prozent.

Zocker als perfektes Wahlthermometer

Die Online-Wettbüros könnten der Wahrheit näher kommen als viele Umfragen. Leighton Vaughan Williams von der Nottingham Business School in Großbritannien hält Zocker für verlässlichere Wahlpropheten als die Teilnehmer an Wahlumfragen. Für die gebe es nämlich keinerlei Anreiz, den Fragestellern die Wahrheit über ihre Wahlabsichten zu sagen, erklärt der Politikwissenschaftler. Wer jedoch im Wettbüro sein Geld riskiert, trifft wohl gut abgewägte Entscheidungen, die alle vorhandenen Informationen mit einbeziehen.

Williams schätzt, dass die Wetter insgesamt rund 100 Millionen Dollar auf das US-Wahlergebnis setzen werden. Auch erwartet er einen noch klareren Sieg für Obama als die meisten Wettbüros. Dennoch rät er zur Vorsicht: "Umfragen entscheiden nämlich keine Wahlen, und die Wettmärkte tun es auch nicht", schreibt er in seinem Blog. Einzig die Wähler entschieden, wer Präsident wird - und damit sei bis zum letzten Moment alles möglich.

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