Über Nacht kommt der Blutregen nach Österreich

In der Luft über Österreich wird aktuell eine hohe Schadstoffbelastung gemessen. Ein Wetter-Experte der Ubimet erklärt, was es damit auf sich hat und was wir beachten müssen.
Heftige Stürme haben im Norden Afrikas tonnenweise Staub aufgewirbelt und bis in höhere Luftschichten verfrachtet. Dieser Sahara-Staub wird nun von großräumigen Luftströmungen in Richtung Österreich geblasen.

Laut den Meteorologen sorgt das Phänomen dafür, dass der Index für die Luftqualität durch die Decke schießt: Spätestens ab Mittwoch ist im ganzen Land mit einer sehr hohen Schadstoffbelastung zu rechnen. "Heute.at" hat bei den Experten der Ubimet nachgefragt, was auf uns zukommt:



Die Luftqualitätsvorhersage (siehe Diashow oben) stellt die zu erwartende Schadstoffbelastung dar. Dabei fließen folgende Schadstoffe in den berechneten Index ein: Stickstoffdioxid (NO2), zwei Sorten Feinstaub (PM2.5 und PM10), Kohlenmonoxid (CO), Ozon (O3) und Schwefeldioxid (SO2). Die Höhe des Luftqualitätsindex richtet sich immer nach dem Schadstoff, für welchen am Boden die höchsten Konzentrationswerte zu erwarten sind.

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Für Mittwoch und die darauffolgenden Tage berechnet die ZAMG nahezu in ganz Österreich die höchste Belastungsstufe 5. Ruft man sich in Erinnerung, dass die höchsten Belastungen durch Ozon an extrem heißen Sommertagen erreicht werden und jene durch Feinstaub/Schwefeldioxid/Kohlenmonoxid zum Großteil bei stabilen Inversionslagen im Winter, so kann es jetzt im April eigentlich nur eine logische Schlussfolgerung für die berechneten hohen Werte geben. Der Grund liegt im Sahara-Staub, der sich seit Dienstag in nennenswerten Mengen in der Atmosphäre über Österreich befindet.



Der Sahara-Staub beschäftigt uns noch bis einschließlich Freitag, dann zieht eine kräftige Kaltfront über uns hinweg. Dahinter strömen am Wochenende deutlich kühlere, dafür aber auch sauberere Luftmassen vom Atlantik nach. Staub aus der Sahara ist dann kein Thema mehr.



Der Sahara-Staub ist in erster Linie in der Atmosphäre aktiv und betrifft uns eigentlich kaum. Sich bei einer Wetterlage mit Sahara-Staub draußen aufzuhalten ist nicht gefährlicher, als im Sommer einen staubigen Feldweg entlang zu laufen. Allerdings sollten sich Menschen mit einer Vorerkrankung (Pollenallergie/Asthma) schonen, für sie stellt der Staub eine zusätzliche Belastung dar.



Die verursachende Wetterlage ist selten, aber nicht unbekannt und tritt vornehmlich zwischen November und Mai auf. Immer, wenn Kaltluft über Westeuropa weit nach Süden vorstoßt, können sich beispielsweise über Marokko und Algerien kräftige Tiefdruckgebiete bilden.

Diese bringen viel Wind in die Wüste, der die Sandpartikel kilometerhoch aufwirbeln kann. An der Vorderseite solcher Tiefs findet man zumeist starken Südwind, der neben warmer Luft auch den Sandtransport in den Alpenraum bewerkstelligt. Den Prognosen zufolge zieht die Staubwolke sogar über ganz Mitteleuropa und Island bis nach Grönland.



Der Sand in der Luft verändert auch die Lichtfarbe. Sonnenuntergänge werden blass und auch das Himmelsblau nimmt weißliche Züge an, was an der starken Streuung des Lichtes an den Staubpartikeln liegt.

Der Staub kann durch zwei Prozesse aus der Atmosphäre zum Boden gelangen. Durch die sogenannte trockene Deposition und durch Regen. Die trockene Deposition (Ablagerung) ist eher ineffektiv, deutlich wirksamer ist das Auswaschen des Staubes aus der Atmosphäre.



Wenn nun mit dem Regen der Wüstenstaub ausgewaschen wird und den Boden erreicht, kann man bei besonders markanten Lagen auch sogenannten Blutregen beobachten. Durch die enthaltenen Staubpartikel hinterlässt der Regen mitunter rötliche Spuren, Autofahrer dürften schon öfters diese Erfahrung gemacht haben.

Für den Menschen ist der Wüstenstaub übrigens harmlos und die Böden bekommen bei solchen Situationen wertvollen Nachschub an Mineraldünger.

(red)

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