Szene

Wettergott schwemmte Bon Jovi aus der Krieau

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:57

Nach dem missglückten Tourauftakt in Sofia gaben die Rocklegenden von Bon Jovi am Freitagabend in Wien richtig Gas. Sie versuchten es zumindest - einsetzender, teils heftiger Regen machten einer richtig großen Party einen Strich durch die Rechnung. Viele der 55.000 Fans verließen das neue Konzertgelände auf der Wiener Trabrennbahn Krieau noch vor Halbzeit der Mega-Show.

Nach dem missglückten Tourauftakt in Sofia gaben die Rocklegenden von Bon Jovi am Freitagabend in Wien richtig Gas. Sie versuchten es zumindest - einsetzender, teils heftiger Regen machten einer richtig großen Party einen Strich durch die Rechnung. Viele der 55.000 Fans verließen das neue Konzertgelände auf der Wiener Trabrennbahn Krieau noch vor Halbzeit der Mega-Show.

Nicht umsonst fragte Bon Jovi laufend "Are you still with me?". Er spürte, dass er an diesem Abend alles und mehr geben musste, um zu überzeugen. Doch was wäre ein Bon Jovi-Open Air eigentlich ohne den obligaten Regen? Beim Konzertversuch auf der Pferderennbahn des Magna Racino in Ebreichsdorf (NÖ) schwemmte es 2008 sogar Autos von den verschlammten Parkplätzen, tausende Fans kamen sogar zu spät zur Show.

Um exakt 20.15 Uhr, zeitgleich mit dem einsetzenden Nieselregen, betrat Bon Jovi 2013 die gigantische Bühne in der Wiener Krieau und eröffnete mit dem wohl einzig passenden Song: "That's what the water made me" aus ihrem aktuellen Album "What about now".

Show ohne Stimmprobleme

Was folgte, war eine ausgelassene Show ohne Stimmprobleme, wie sie Frontman Jon Bon Jovi vor wenigen Tagen beim Europa-Auftakt der "Because we can"-Tour in Sofia aufgrund eines Allergie-Anfalls vorzeitig von der Bühne getrieben hatten. Wind und Wetter beeinträchtigten allerdings ein wenig die Akustik, obwohl diese im Vergleich zu früheren Shows im hallenden Happel-Stadion dennoch überzeugte.

Wegen seiner Allergie zeigte sich der 51-Jährige Lead-Sänger von der Pferderennbahnen in der Krieau letztlich sogar begeistert: "Noch nie habe ich mich so über Regen gefreut!"

Zweieinhalb Stunden Show

Zum 20-jährigen Österreich-Jubiläum gab die um den Gitarristen Richie Sambora verminderte Band im Rahmen des zweieinhalbstündigen Konzerts, das bis zum Ende von starken Regenschauern begleitet wurde, ein buntes Kaleidoskop ihrer zwölf Studioalben zum Besten: Nach einer Aufwärmrunde in den 1980er-Jahren ("You give love a bad name", "Born to be my baby" oder "Raise your hands") rockte Sänger Jon Bon Jovi durch die Nuller-Jahre und brachte die fröstelnden, durchnässten Fans mit Liedern aus den jüngeren Alben und aufmunternden Worten ("Ich dusche gerade mit meinen 55.000 besten Freunden. Kommt näher!") zum tanzen.

Band wurde wie Fans klatschnass

Die in den 90er-Jahren als "Schmuserocker" verrufene Band zeigte, dass sie durchaus noch Tempo machen kann und verzichtete großflächig auf damals in den Charts platzierte Herzschmerz-Balladen wie "Bed of Roses" oder "Always". Stattdessen fegte Jon Bon Jovi, der selbst mangels Bühnenüberdachung klitschnass wurde, über die Bretter, als gäbe es kein Ausrutschen. Dieser besonders enthusiastische Einsatz ist durchaus der Abwesenheit Samboras geschuldet, der die Tour überraschend Anfang April "aus persönlichen Gründen" verlassen hatte. Schließlich wird Bon Jovi nicht müde zu behaupten, dass die Shows dadurch nichts an ihrer Qualität verlieren würden.

Phil X ist kein Richie Sambora

Phil X, der kurzfristig eingesprungene Gittarist, füllt die Lücke musikalisch nur bedingt. Zu rotzig kommen seine Gitarren-Soli daher, Samboras Geschmeidigkeit fehlt besonders bei den älteren Songs. Auch die sich perfekt ergänzenden Stimmen des Duos Bon Jovi/Sambora sowie deren freundschaftliche Gesten während der Auftritte bildeten bisher einen unverzichtbaren Aspekt der Bon Jovi-Konzerte.

Dennoch läuft die "Maschine Bon Jovi" auch so gut geölt weiter, was auch die überdimensionale Frontansicht eines Autos veranschaulichte, die die gesamte Bühne umspannt und zwar für nette Effekte, aber auch Sichtprobleme sorgt, wenn die riesigen LED-Scheinwerfer erbarmungslos ins Publikum blenden.

Unnötige Cover-Versionen

Kraftvollen Cover-Versionen wie etwa dem Rolling Stones-Kracher "Start me up" oder der Status Quo-Hymne "Rockin' all over the World" gefielen den Fans zwar, hat ein Bon Jovi aber nicht nötig. Dass die verwechselbaren Songs von "What about now" im Rahmen der Live-Shows mehr Energie versprühen und sogar Hit-Potenzial entwickeln, ist man bereits von den letzten paar Alben gewöhnt.

Die Mischung aus Optimismus, Flirts mit den Mädchen aus den ersten Reihen und Männlichkeitsposen für "die 10.000 Jungs, die versuchen, eines der 45.000 Mädels zu kriegen" (Bon Jovi) geht am Ende nach wie vor auf. Und so werden die Musiker aus New Jersey sicherlich noch lange weitermachen. Wie auch ihre Fans, die nass bis auf die Knochen den Heimweg antraten.

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