Wie der "Fugen-Ferdl" VW zum Weltkonzern machte

Der Österreicher Piëch war ein begnadeter Auto-Konstrukteur und zielstrebiger Manager. Er machte VW zum Weltkonzern.
Ferdinand Piëch, der Ex-Chef von Volkswagen, ist tot. Der gebürtige Wiener war am Montag abend in einem Restaurant kollabiert und kurz daraufhin einem Spital im bayrischen Rosenheim gestorben. Er war weltweit einer der mächtigsten Auto-Manager. Piëch wurde 82 Jahre alt.

"Burli" gilt als Versager





CommentCreated with Sketch.3 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Gradlinig verlief die Karriere von Ferdinand Piëch nicht. "Burli" wurde der kleine Ferdinand im Porsche-Clan genannt. Seine Mutter war Luise, Tochter des VW-Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche. Das Kind war ein Legastheniker, das sein Lehrer für "zu dumm" zum Studieren hielt. Bei seiner ersten Probefahrt mit einem Auto blieb der zehnjährige Bub mit der Stoßstange an der Garagentür hängen, eine Schande bei den Porsches. Auch seine Schulnoten sind miserabel.

"Finstere Zeit" im Internat





Eine "finstere Zeit der Erziehung" habe er dann in einem "Abhärtungsinternat" erlebt, schreibt Piëch später im Buch "Auto.Biographie". Vieles sei "nur im Alleingang möglich, weil man sich nicht verlassen kann" – das habe er im Internat gelernt. Tatsächlich – der Porsche-Zweig verwehrte ihm den Aufstieg im Familienunternehmen, weil aus ihrer Sicht ein Piëch dort nichts zu suchen hatte.



Doch der Mann setzte sich durch. Piëch studiert Maschinenbau und macht den Dipl. Ing. mit einer Arbeit über Formel 1-Motoren. Er steigt bei Porsche ein und entwirft den Porsche 917, einen legendären Rennwagen. 1970 gewinnt dieser 917er die 24 Stunden von Le Mans – viel mehr ging damals nicht. Trotzdem servieren die Porsches Piëch ab. "Ich bin ein Wildschwein, ihr seid die Hausschweine," schreit er im Streit. Und haut den Hut auf Porsche.

1972 fängt Piëch bei der VW-Tochter Audi neu an und baut sie zum Premium-Hersteller um. Permanenter Allradantrieb, Fünfzylinder-Motor, Turbodiesel TDI oder vollverzinkte Karosserie – alles Piëch-Kreationen.





Damals schrieb VW Milliardenverluste. Piëch reißt das Ruder an sich und krempelt die Konzernmutter VW völlig um. Der Kontrollfreak setzt auf präziser Fertigungsqualität. Er kennt keinen Spaß: Höchstpersönlich überprüft er jedes Modell bis ins kleinste Detail. Bei VW nennen sie ihn den "Fugen-Ferdl" – wenn er nicht da ist, eh klar. "Wer nicht spurt oder meine Kreise stört, hat es verspielt", sagt Piëch und beißt Konkurrenten beinhart aus dem Unternehmen.

Der Abstieg





Der VW-Konzern erholt sich und Piëch triumphiert. Nach langen Streitereien und Intrigen schnappt sich VW das Porsche-Unternehmen. Doch dann verzockt sich Piëch, der Diesel-Skandal kommt dazu, und der VW-Patriarch, mittlerweile einer der reichsten Österreicher, steigt aus.

Das Portal "Vermögen Magazin" schätzt das Vermögen von Piëch auf 1,1 Milliarden Euro, das der Familien Porsche und Piëch zusammen auf 37 Milliarden Euro.

Turbulentes Privatleben





Auch privat ließ Piëch wenig aus. Er hatte nach eigenen Angaben zwölf Kinder aus vier Beziehungen, davon drei aus der im September 1984 geschlossenen (letzten) Ehe mit Ursula Piëch. Fünf Kinder stammen aus der ersten Ehe mit Corina Piëch, geb. von Planta. Zwei Kinder sind aus einer zwölf Jahre langen Verbindung mit Marlene Porsche, der später geschiedenen Frau seines Vetters Gerhard Porsche. Zwei weitere Kinder entstammen weiteren Verhältnissen.

(red)

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