Wie der Mattersburg-Boss die Wirtschaftsprüfer narrte

Ex-Mattersburg-Präsident Martin Pucher.
Ex-Mattersburg-Präsident Martin Pucher.gepa
Martin Pucher stürzt den SV Mattersburg ins Chaos. Die Pleite seiner Commerzialbank zieht weite Kreise. Wie konnte das passieren?

Bundesligist Mattersburg steht vor dem Aus. Martin Pucher führte den Verein einst aus der fünften Liga in die höchste Spielklasse. Dort erreichte der Klub Achtungserfolge, wurde Dritter, spielte zwei Mal im Europacup. Noch im Juli jubelten die Burgenländer über den geschafften Klassenerhalt. Jetzt jubelt keiner mehr.

Bis Freitag muss der Klub der Bundesliga offenlegen, wie es weitergeht. Aktuell herrscht ein Führungsvakuum. Neben Pucher ist auch dessen Vizepräsident Richard Woschitz zurückgetreten. Mit der Commerzialbank ging auch der Hauptsponsor verloren. Weitere Sponsoren dürften sich zurückziehen. Der Zwangsabstieg droht.

Pucher muss sich vor Gericht für den Skandal um die Commerzialbank Mattersburg verantworten. Die Bank ist pleite. Firmenkunden bangen um ihr Geld (nur Einlagen bis 100.000 Euro sind gesichert), Privatkunden um ihr Erspartes. Der 64-Jährige soll mit einer eingeweihten Kollegin Saldenbelege gefälscht haben, so hunderte Millionen Euro Guthaben erfunden haben.

Das flog jüngst auf. Jetzt sickert nach und nach durch, wie Pucher Wirtschaftsprüfer lange hinters Licht führen konnte. Erstaunlicherweise mit recht plumpen Tricks.

Der "Falter" berichtet, dass Pucher rund 400 Millionen Euro Guthaben bei anderen Banken hatte - allerdings nur am Papier. Prüfungen hätten ergeben, dass davon nur ein Bruchteil tatsächlich existiere. Pucher und seine Kollegin hätten Unterlagen gefälscht. Sie hätten auf Briefpapier der anderen Banken Saldenbelege imitiert.

Brisant: So hätte Pucher zwischen 2006 und 2018 die renommierte TPA-Gruppe überlistet. Diese hatte die Commerzialbank in dieser Zeit geprüft, der Skandal blieb dabei aber unentdeckt. Die Wiener Kanzlei dürfte das Guthaben laut "Falter"-Recherchen nicht bei den Banken überprüft haben. Erleichtert wurden die Fälschungen durch "unqualifizierte Aufsichtsräte", wie die Wochenzeitung schreibt. Im Aufsichtsrat sitzen pensionierte Landwirte und Spenglermeister.

Pucher-Anwalt Norbert Wess bestätigt die Vorwürfe gegen seinen Klienten, betont, dass er sich aber nie selbst bereichert hätte. Die Frage nach dem Warum bleibt in Anbetracht der erfundenen hunderten Millionen Euro offen.

Für den SV Mattersburg könnte die Banken-Pleite fatale Folgen haben. Die Commerzialbank dürfte jahrelang Kredite an Unternehmen vergeben haben, die dann als Sponsoring in die Kassen des Fußball-Klubs geflossen seien. Mit Pucher scheint  der (Noch-)Bundesligist also auf einen Schlag seine Geldquelle zu verlieren.

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