Es waren bange Minuten am Sonntagnachmittag auf der Formel-1-Rennstrecke in Silverstone. Nur wenige Sekunden nach dem Start war im Fernseher zu sehen, wie ein Alfa-Sauber-Auto auf dem Kopf durchs Kiesbett flog.
Das Rennen wurde umgehend unterbrochen. Die Wiederholungen ließen zunächst 20 Minuten auf sich warten, dann Formel-1-Fans den Atem stocken. Der chinesische Alfa-Pilot Guanyu Zhou wurde von Mercedes-Fahrer George Russell touchiert, das Auto überschlug sich, schoss kopfüber von der Strecke und über den Reifenstapel in die Fangzone.
Wie durch ein Wunder überstand er den beängstigenden Unfall ohne schwere Verletzungen.
Doch die Formel-1-Fans sind nicht nur begeistert und froh, dass es Zhou gut geht – sie feiern auch Mercedes-Pilot George Russell. Dieser stoppte nämlich umgehend sein Fahrzeug, sprang aus dem Rennwagen und rannte im Vollsprint durchs Kiesbett, um dem verunfallten Zhou zu helfen. Als "Held" bis zum "fairsten Sportler der ganzen Formel 1" wird der britische Lokalmatador Russell gelobt. "Ehrenmann! Schon jetzt die beste Aktion der Saison", fasst beispielsweise ein Twitter-User zusammen. Russell selbst sagte nach dem Crash: "Es war schrecklich, diesen Unfall zu sehen, deshalb bin ich sofort aus dem Auto gestiegen, um Zhou zu helfen."
Verschiedene Medienberichte ziehen gar den Vergleich mit Formel-1-Legende Ayrton Senna. Der dreifache Weltmeister, der während eines Rennens 1994 selbst tödlich verunglückte, stieg beim Grand Prix von Belgien im Jahr 1992 ebenfalls aus dem Auto, um dem damals schwer verunfallten und bewusstlosen Erik Comas zu helfen. Senna rettete dem Franzosen mutmaßlich das Leben.
So groß die Bewunderung und das Lob für Russells Aktion am Sonntag auch ist, so groß ist die Enttäuschung über die anschließende Entscheidung des Weltverbands Fia. Weil Russell sein Auto verließ und anschließend nicht aus eigener Kraft zur Box zurückfahren konnte, wurde er vom Rennen disqualifiziert.
TV-Bilder zeigten, wie Russell versuchte, die Fia-Verantwortlichen zu überreden. Doch ohne Erfolg. Russell erklärte die Situation gegenüber Bezahlsender "Sky" wie folgt: "Als ich zum Auto zurückkam, konnte ich es aus irgendeinem Grund nicht starten." Er rannte zur naheliegenden Box, um sich Rat von der Mercedes Crew zu holen. "Ich bat die Streckenposten, das Auto stehenzulassen, und als ich zurückkam, stand das Auto auf dem Transporter, sodass ich nicht mehr starten konnte." Das Wichtigste sei jedoch, dass es Zhou gut gehe.