Wie viel Klopapier haben Sie daheim, Herr Stelzer?

LH Thomas Stelzer sprach mit "Heute" über die aktuelle Corona-Krise.
LH Thomas Stelzer sprach mit "Heute" über die aktuelle Corona-Krise.Bild: privat
Per Whats-App-Video-Konferenz sprachen wir mit LH Thomas Stelzer (ÖVP) – über die Klopapier-Krise in der Corona-Krise, über Kurz-Kontakt und wie stark Corona die Wirtschaft gefährdet.
„Heute": Hand aufs Herz, Herr Landeshauptmann, wie viel Klopapier haben Sie daheim?

Thomas Stelzer (lacht): Ich gehe davon aus, dass es genug ist.

"Heute": Haben Sie sich hinreißen lassen – und auch etwas gehamstert?

Stelzer: Wir haben beim Einkaufen für meine Mama mitgedacht, weil die selber nicht einkaufen kann. Für die haben wir zusätzlich eingekauft – und ihr den Einkauf vor die Türe gestellt. Weil wir ja den persönlichen Kontakt leider vermeiden müssen. Aber „gehamstert" würde ich das nicht nennen.

"Heute": Wie hat sich Ihr Alltag seit dem 13. März verändert?

Stelzer: Schon sehr, weil alle geplanten Termine abgesagt wurden. Trotzdem ist der Tag knallvoll. Es gibt wegen Corona sehr viel zu besprechen und zu regeln. Video-Konferenzen, Krisenstabs-Sitzungen. Auch wenn es keine geplanten Termine gibt: Es ist sehr viel los.

"Heute": Arbeiten Sie auch vom Home-Office aus? Wie sieht das aus?

Stelzer: Ich bin natürlich sehr viel im Landhaus, weil dort auch der Krisenstab tagt. Aber von daheim aus über iPhone oder iPad auch immer zugeschaltet, wenn nötig.

"Heute":Wie oft sind Sie seither mit Kanzler Kurz in Kontakt?

Stelzer: Eigentlich täglich. Und manches Mal auch öfter am Tag.

"Man kann keine Maßnahmen ausschließen"



"Heute": Und was wird da besprochen?

Stelzer: Er tauscht sich intensiv mit uns Ländervertretern aus. Darüber, wie wir abgestimmt vorgehen. Informiert uns über internationale Maßnahmen, die gerade auch für Oberösterreich wichtig sind – Stichwort: Grenze. Und manches Mal geht es auch um Einschätzungsfragen. Etwa, wie etwas in der Bevölkerung angenommen wird.

"Heute": Oberösterreich war gestern zwischenzeitlich „Corona-Hotspot" – mit mehr Infizierten als in Tirol. Mit einem Wort gefragt: Warum?

Stelzer: Zwei Gründe: Wir testen sehr viel. Und: Wir haben mehr Einwohner als Tirol.

"Heute": Besonders dramatisch hat sich die Infizierten-Situation im Bezirk Perg entwickelt. Warum hat man sich schlussendlich dagegen entschieden, den Bezirk oder einzelne Gemeinden unter Quarantäne zu stellen – wie es in Tirol der Fall ist? Und: Könnte das noch passieren?

Stelzer: Man kann keine Maßnahmen ausschließen, weil wir ja die Krankheit nicht kennen und wir auch nicht sagen können, wie sie sich entwickelt. Im Bezirk Perg wissen wir, warum dort so viele infiziert sind (viele Mitglieder eines Gesangsvereins haben sich angesteckt gehabt; Anm.). Und die Erkrankten sind auch verpflichtet, daheim zu bleiben. Wir sind der Ansicht, dass die Beschränkungen, die wir derzeit haben, auch im Bezirk Perg reichen. Allerdings: Die Einhaltung wird dort sehr genau kontrolliert.

"Heute": Wie viel „Corona" verträgt unser medizinisches Versorgungssystem in Oberösterreich? Was passiert, wenn ganze Stationen – vielleicht ganze Spitäler – schließen müssen, weil Ärzte, Pfleger, Krankenschwestern infiziert sind?

Stelzer: Unser Ziel ist es, wenn die Krankheit ihren Höhepunkt erreicht, dass wir genügend Betten – und vor allem Intensivbetten – haben, damit jeder, der eine Behandlung braucht, auch behandelt werden kann. Und so, wie sich die Zahlen jetzt entwickeln, schaut es so aus, dass wir dieses Ziel – hoffentlich – erreichen können. Wir schützen deshalb auch die Spitäler besonders durch Zugangsbeschränkungen. Wir haben z.B. überall Zelte vor den Spitälern, wo kontrolliert wird. Um eben unsere wichtigen Mitarbeiter dort bestmöglich zu schützen.

"Heute": Die Corona-Krise ist auch für die Wirtschaft lebensgefährlich. Wird die Wirtschaft nach der Krise wiederbelebt werden können – oder tot sein?

Stelzer: Wir werden alles tun, damit Oberösterreich wieder ein starker Wirtschafts- und Arbeitsplatzstandort wird. Aber es wird sicher ein anderer Standort sein als davor. Denn: Da Corona eine weltweite Krise ist, wird sie mit Sicherheit auch die Art und Weise, wie wir uns international austauschen – Stichwort: Export – ändern. Und deshalb ist es gut, dass wir durch eine solide Finanzpolitik so aufgestellt sind, dass wir auch eine Art Wiederaufbau schaffen. Da wird es darum gehen: Welche Produktionen braucht man dringend vor Ort (etwa medizinische Güter)? Und welche Bereiche sind ausbaufähig?

"Heute": Apropos Änderungen nach der Krise: Sollten jene, die jetzt das System erhalten (z.B. Pfleger, Krankenschwestern etc.), besser bezahlt werden? Könnte das eine Folge der Krise sein?

Stelzer: Zunächst muss man diesen Menschen einmal ein großes Dankeschön sagen, dass sie für uns da sind. Und natürlich wird man das auch gesellschaftlich neu bewerten müssen. Und wir werden uns auch bemühen müssen, dass man für diese Berufe ausreichend Leute findet.



"Heute": Weil es grad die Mutmacher-Kampagne von „Heute" ist: Packen wir das alles?

Stelzer: Wir kriegen das sicher gemeinsam hin. Wir müssen nur wissen: Diese Krise dauert eine Zeit. Und wir werden uns danach auch neu orientieren müssen.



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