Sechs Schubhäftlinge legen Brand in Zelle

Offenbar aus Verzweiflung haben sechs Schubhäftlinge in Wien ihre Zelle in Brand gesteckt. Sie wurden schwer verletzt, das Polizeianhaltezentrum teilweise evakuiert.
Am Freitag um 22.35 Uhr schrillten im Polizeianhaltezentrum am Hernalser Gürtel alle Alarmglocken. Feuer! In einer Zelle im ersten Stock des Gebäudes sollen laut Polizei die sechs dort inhaftierten Schubhäftlinge einen Brand gelegt haben. Damit nicht genug: Offenbar um die Einsatzkräfte zu behindern war die Zellentür von innen mit einem Spind verstellt.

Die einschreitenden Polizeikräfte konnten die Zellentür öffnen, wobei einer der Häftlinge bereits reglos unmittelbar hinter der Türe vorgefunden und von den Beamten sofort aus dem Gefahrenbereich gebracht wurde. Aufgrund der starken Rauchentwicklung war das Betreten der Zelle für die Beamten nicht möglich.

Die restlichen fünf wurden in weiterer Folge von der Berufsfeuerwehr Wien, die mit insgesamt 70 Mann vor Ort war, gerettet. Weitere 40 Häftlinge mussten teilweise in andere Stockwerke, teilweise in den Innenhof evakuiert werden.

Sehen Sie hier die Bilder der verwüsteten Zelle >>>

Suizidgedanken? Holen Sie sich Hilfe, es gibt sie.

In der Regel berichten wir nicht über Selbsttötungen - außer, Suizide erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.

Wenn Sie unter Selbstmord-Gedanken, oder Depressionen leiden, dann kontaktieren Sie die Telefonseelsorge unter der Nummer 142
täglich 0-24 Uhr
Alle sechs schwer verletzt

Der Brand konnte unter Einsatz von Atemschutz rasch abgelöscht werden. Alle sechs Männer, darunter fünf Afghanen (18, 19, 19, 31 beziehungsweise 33 Jahre alt) sowie ein Iraner (30 Jahre alt), wurden schwer verletzt. Sie wurden vor Ort notfallmedizinisch versorgt und danach in die Intensivstationen von drei Spitälern gebracht, 14 weitere Personen mussten aufgrund des Verdachts der Rauchgasvergiftung vor Ort medizinisch behandelt werden. Der Katastrophenzug und 20 Rettungsteams der Berufsrettung Wien standen im Einsatz.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Die Wiener Polizei war mit rund 50 Bezirkskräften, 20 Beamten der Bereitschaftseinheit sowie – da die genaue Situation anfangs unklar war – 20 Beamten der Sondereinheit WEGA im Einsatz. Zwei Polizistinnen und ein Polizist erlitten leichte Rauchgasvergiftungen und konnten ihren Dienst nicht fortsetzen.

Der Gürtel musste zwischen der Laudongasse und der Alserstraße vorübergehend gesperrt werden.

Wie kam es dazu?

Brandermittler des Landeskriminalamts gehen davon aus, dass die Männer Matratzen und Bettzeug in Brand gesetzt hatten. Die Zelle und das Inventar wurden vollkommen zerstört. Die Ermittler fanden außerdem einen Abschiedsbrief, der von allen sechs Tatverdächtigen unterzeichnet wurde. Darin beklagen sich die Verfasser über ihre bevorstehenden Abschiebungen und teilen mit, dass ihre Geduld zu Ende sei.

Der Großeinsatz konnte um 01.40 Uhr beendet werden. Die sechs Verletzten werden in Spitälern von Beamten der Wiener Polizei bewacht. Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen hinsichtlich der Brandlegung sind im Gange.

Die Bilder des Tages

(red)

Nav-Account heute.at Time| Akt:
NewsWienBrandstiftungPolizei Wien

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen