Wien ist viel sicherer, als die meisten denken

Eine neue Studie über "Öffentliche Sicherheit in Wien" zeigt, dass die meisten Kriminalfälle im Jahr 2003 vermerkt wurden. So wenig wie 2015 und 2016 gab es zuvor nicht.
Das Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie (IRKS) hat die Kriminalitätsrate von Wien unter die Lupe genommen und im Beobachtungszeitraum von 2002 bis 2016 festgestellt, dass die absolute Anzahl von Anzeigen in Wien trotz des steten Bevölkerungswachstums relativ konstant geblieben ist. Die wenigsten Anzeigen seit dem Jahr 2002 gab es in den Jahren 2015 und 2016 mit 195.000 bzw. 205.000, die meisten 2003 mit 258.000.

Außerdem geht aus der Studie hervor, dass die meisten Straftaten durch die Bevölkerung angezeigt werden, nicht etwa durch die Polizei. "Nur ein kleiner Teil der kriminalstatistisch erfassten Fälle geht auf proaktive Ermittlungstätigkeit der Polizei zurück (z.B. im Suchtmittelbereich) zurück", heißt es in dem Papier. Zudem wird deutlich, dass nur eine kleine Minderheit aller Anzeigen zu gerichtlichen Verurteilungen führt.

Mehr Kriminalfälle im Stadtzentrum

Ein weiterer Teil der Studie betrachtet auch die unterschiedliche Verteilung von Kriminalanzeigen im Stadtraum. Demnach wurden die meisten Kriminalfälle pro Tausend Einwohner in den Bezirken Innere Stadt (1.), Mariahilf (6.), Neubau (7.) und Josefstadt (8.) gemeldet, gefolgt von den Bezirken Leopoldstadt (2.) und Rudolfsheim-Fünfhaus (15.).

Die Konzentration der Straftaten auf die Bezirke dürfen dem Working Paper zufolge nicht als Ausdruck "gefährlicher Hot Spots" verstanden werden. "Meistens gehen sie auf Ebene der Bezirke mit attraktiven urbanen Anziehungspunkten einher, seien es kulturelle und gastronomische Angebote sowie Einkaufsmöglichkeiten (Diebstahl und Körperverletzung) oder gehobene Wohnviertel (Einbrücke). Zum Teil hängt die Verteilung der Anzeigen statistisch aber auch mit dem Vorkommen prekärer Lebensbedingungen zusammen (relative Bedeutung von Körperverletzungsanzeigen und Suchtgifthandel)."

Die "Kriminalitätsrate" ist die Anzahl an offiziell aufgezeichneten Delikten im Verhältnis zur Bevölkerung.
Rückgang vorsätzlicher Tötungen

Hier zeige sich insgesamt eine abnehmende Tendenz: "Das Risiko, in Wien an einem Tötungsdelikt zu sterben, ist seit den 1970er, 80er und 90er Jahren deutlich gesunken. Rückschlüsse auf ein 'abnehmendes Gewaltniveau' wären dennoch spekulativ: Wahrscheinlich kommen in den sinkenden Homizidraten auch technische Fortschritte (Notfallmedizin, Hilferufe durch Mobiltelefone) zum Ausdruck", so die Erklärung.

CommentCreated with Sketch.41 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Abgesehen davon beschäftigte sich die Studie zudem etwa auch mit den Stufen der Kriminalisierung nach Geschlecht und Nationalität, mit Opfer-Täter-Beziehungen, mit der justiziellen Bearbeitung der Anzeigen, sowie dem Zusammenhang von Kriminalität und sozialen Lebenslagen.

Kriminalität hängt oft mit sozialen Lagen zusammen

Hier wird betont, dass etwa der Anstieg von "ausländischen Tatverdächtigen" auf soziale Lebenslagen (etwa Merkmale wie Erwerbstätigkeit und Bildung) zurückzuführen sind. "In Bezug auf die Bevölkerungsteile, die durch die unterschiedlichen Nationalitätengruppen repräsentiert werden, stellen Arbeitslosigkeit und geringere formale Bildung deutliche Risikofaktoren dafür dar, wegen einer Straftat angezeigt zu werden."

2016 ist die Tatverdächtigenrate der ausländischen Wohnbevölkerung um den Faktor 2,6 angestiegen (77 gegenüber 30 Tatverdächtigen pro Tausend der Bevölkerungsgruppe). Diese Überrepräsentation liegt genau im Mittel der letzten fünfzehn Jahre, in denen sie sich zwischen den Werten 2,9 (2005) und 2,2

(2008) bewegt. "Die überproportionale bevölkerungsrelative Zahl an nicht-österreichischen Tatverdächtigen ist somit nichts Neues; sie hat sich in den letzten Jahren trotz Zuwanderung weder vergrößert noch verkleinert", heißt es. Auch Erklärungen hierfür liefert die 62 Seiten umfassende Studie, die Sie hier vollständig nachlesen können.

In der Bildstrecke oben gibt es zudem einen Auszug der Ergebnisse zum Durchklicken.

(red)

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