Anlässlich erfolgreicher Ermittlungen gegen eine international agierende kriminelle Gruppierung findet um 10.00 Uhr eine Pressekonferenz statt. Neben Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl kommen auch Oberst Michael Mimra (Stellvertretender Leiter des LKA Wien) und Oberstleutnant Dietmar Berger (Stellvertretender Leiter des Ermittlungsdienstes) zu Wort.
"Trickbetrügereien gibt es so lange, seit es Kriminalität gibt", erklärt Landespolizeipräsident. Egal ob der Installateurs- oder Neffentrick. Meist sind ältere Personen Opfer dieser Trickbetrüger. "Die Menschen verlieren das, was sie ihr ganzes Leben erspart haben. Sie nehmen an, dass jeder Mensch, der sich als Polizist ausgibt, auch ein Polizist ist".
Umso wichtiger sei es, dass die Beamten hier entsprechende Ermittlungen und Analysen machen. "Der Neffen- und Kautionsbetrug kursiert seit langer Zeit", so Michael Mimra. "Wichtig war die internationale Vernetzung. Wir haben auch Fälle in den Beneluxstaaten. Es war ein Puzzlespiel".
"Wir haben dieser Gruppierung 200 Delikte nachgewiesen. Wir reden von einer nachweislichen Schadenssumme von 4,5 Millionen Euro. Die Dunkelziffer dürfte nicht zu unterschätzen sein. Haben vier hochpreisige Pkws und einen Motorroller sicherstellen können", erklärt der stellvertrende Leiter des LKA Wien weiter.
Der Polizei sei wirklich ein Schlag gelungen, es wird aber noch einige Zeit benötigen. "Den Kopf der kriminellen Vereinigung kennen wir. Es ist ein türkischer Staatsbürger, der in der Türkei sitzt. Wir werden da vermutlich keine Auslieferung bekommen", so Mimra. Die Opfer haben teilweise Summen von nachweislich 200.000 Euro bis 300.000 Euro hergegeben.
Die Opfer sind vorwiegend ältere Damen, die Betrüger haben dabei bewusst Namen ausgesucht, die sich älter anhören. Den Damen wurde dann erklärt, dass Täter unterwegs sind, die Listen haben, wo verschiedene Namen draufstehen, unter anderem würde auch der Name des Opfers auf der Liste stehen.
Die Anrufer teilten dann mit, dass die Polizei kommen und das Bargeld bzw. Wertgegenstände zur Aufbewahrung mitnehmen würde. Die Täter kamen dann als "Polizisten" und sammelten das Geld und den Schmuck ein. Das Geld kam dann in die Türkei.
Die Mutter und die Schwester des Haupttäters waren in Wien und sind alle involviert. Am 30. Juni um 5.00 Uhr sind die Beamten dann eingeschritten, sechs Personen wurden festgenommen. Die Aktion war geplant, ein schneller Zugriff war wichtig. Insgesamt gab es acht Hausdurchsuchungen. Es wurde Bargeld im 6-stelligen Bereich, Schmuck, Goldmünzen sowie elektronisches Equipment sichergestellt.
Neben der Mutter und der Schwester war auch eine Familie mit Kindern involviert. Die Täter sind teils Türken, Östereicher und Serben im Alter zwischen 15 und 62 Jahren. Die Ermittlungen dauern noch an. Der Haupttäter befindet sich in der Türkei und ist auf freiem Fuß!