Wien verdoppelt Bettenanzahl für Corona-Patienten

Stadtrat Peter Hacker (SPÖ), Evelyn Kölldorfer-Leitgeb (Generaldirektorin des Gesundheitsverbundes) und Primarius Manfred Greher bei der Pressekonferenz am Donnerstag.
Stadtrat Peter Hacker (SPÖ), Evelyn Kölldorfer-Leitgeb (Generaldirektorin des Gesundheitsverbundes) und Primarius Manfred Greher bei der Pressekonferenz am Donnerstag.Denise Auer
Im Schulterschluss mit den Ordensspitälern bereitet sich die Stadt auf den "Corona-Herbst" vor. Ingesamt sollen es über 1.000 Spitalsbetten geben.

"Wir haben mit einem Anstieg der Corona-Infektionen im Herbst gerechnet und uns dementsprechend darauf vorbereitet", erklärte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ), heute, Donnerstag. Die Stadt habe daher den bisherigen Covid-Versorgungsplan über den Sommer überarbeitet und adaptiert. Gemeinsam mit den Gemeinnützigen Ordensspitälern in Wien ist so ein neuer Covid-Versorgungsplan enstanden, der auch bei weiteren Anstiegen genug Bettenkapazitäten in den Spitälern sicherstellen soll. In den Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes und den acht Standorten der Ordensspitäler stehen so über 1.000 Betten bereit.

Stadt mit viermal so viel Betten, wie derzeit benötigt

Bis dato waren in den Kliniken des Gesundheitsverbundes 550 Betten verfügbar, informierte Hacker. "Steigt der Bedarf, so kann diese Anzahl nun verdoppelt werden". Möglich wird das durch die enge Kooperation mit den sieben Ordensspitälern. Diese übernahmen schon bisher Normal-Patienten, also Patienten ohne Corona-Infektion. Künftig bieten sich auch Platz für Corona-Erkrankte. Auch wenn die Infektionszahlen steigen, bewege sich die Zahl der Spitalspatienten mit einer Corona-Erkrankung in einer "konstanten Auf- und Abbewegung". Im Durchschnitt sind es pro Tag um die 250 Patienten, die im Spital behandelt werden müssen. "Mit dem neuen Versorgungsplan schaffen wir das Vierfache der benötigten Betten", hielt Hacker fest.

Insgesamt kann die Stadt also auf über 1.000 Betten zurückgreifen: "Im Bereich des Gesundheitsverbundes sind das 752 Normalbetten und 159 Intensivbetten", erklärte die Generaldirektorin des Gesundheitsverbundes Evelyn Kölldorfer-Leitgeb. Bei den Ordensspitälern kommen nocheinmal rund 320 Betten dazu, "das kann bei Bedarf aber verdoppelt werden", ergänzt der Sprecher der Ordensspitäler, Primarius Manfred Greher. 

"Haben bei Behandlung und Therapie enorm viel gelernt"

Daneben sei an dem raschen Austausch von Wissen gearbeitet worden, wurde betont. So habe Christoph Wenisch, Leiter der Infektionsabteilung an der Klinik Favoriten, Wege gefunden, Normalbetten mit Geräten so gut auszustatten, dass nur wenige Patienten tatsächlich ein Intensivbett benötigen. "Wir haben in der Behandlung und Therapie enorm viel gelernt. Der heutige Therapiestandard hat die Heilungschancen schwer Erkrankter massiv erhöht und die Aufenthaltsdauer verkürzt", so die Generaldirektorin. So könnte etwa die Beatmung mit Hochfluss-Sauerstoff in vielen Fällen eine Intensivbehandlung vermeiden.

Regelversorgung in Spitälern soll weiter möglich bleiben

Durch die enge Kooperation soll nicht nur die Versorgung von Corona-Patienten in den Wiener Spitälern gesichert, sondern auch Behandlungen und Operation jenseits der Pandemie gewährleistet werden. Noch im März mussten viele Spitäler auf "Notbetrieb" herunter gefahren werden, viele elektive Eingriffe wurden verschoben. Durch die Planung der Stadt soll das nun weitgehend vermieden werden. "Ehe planbare, aber nicht zeitkritische Operationen verschoben werden müssen, springen ab sofort die kooperierenden Häuser ein und übernehmen Patientinnen und Patienten", so Kölldorfer-Leitgeb. 

Daneben neben die Ordensspitäler bereits seit vergangener Woche auch Covid-Patienten auf, den Anfang machte das "Göttlicher Heiland Krankenhaus" (Hernals). Derzeit stehen rund 90 Covid-Betten bereit, in einem zweiten Schritt werden es über 160 sein, so Greher. Um das Angebot aufrecht zu erhalten, bat Greher aber im Namen der Ordensspitäler um einen raschen Abschluss der laufenden Verhandlungen zu einer neuen Finanzierungsvereinbarung: "Die Ordensspitäler sind gemeinnützig, nicht-gewinnorientiert und daher auf die finanzielle Absicherung angewiesen". Die aktuelle Finanzierungsvereinbarung mit der Stadt Wien laufe Ende dieses Jahres aus. Eine neue sei unumgänglich, um die Leistungen der Ordensspitäler auch in den nächsten Jahren weiter erbringen zu können. 

Hacker fordert Rettungspaket für Wiener Gesundheitswesen

Dem Gesundheitsstadtrat ist die Dringlichkeit bewusst, er sieht aber ein weiteres finanzielles Problem auf das Wiener Gesundheitswesen zukommen. "Schon im August haben wir gewarnt, dass die wirtschaftlichen EInbußen Konsequenzen auf das Gesundsheitssystem haben. Denn finanziert wird dieses durch Steuergelder und Sozialversicherungsbeiträge", so Hacker. Beide seien aber durch die Corona-Krise zurückgegangen. Daher richtet der Gesundheitsstadtrat einen dringenden Appell an den Finanz- und den Gesundheitsminister, rasch ein Rettungspaket zu schnüren.

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