Wiener Cheerleaderin (23) mit Long Covid im Rollstuhl

Die einst sportliche Natalie F. (23) musste ihren Geburtstag im Rollstuhl feiern.
Die einst sportliche Natalie F. (23) musste ihren Geburtstag im Rollstuhl feiern.zVg
Natalie F. (23) infizierte sich im März '21 mit Covid19. Nach einem milden Verlauf leidet die Wienerin nun rund an einem Dutzend Long-Covid-Symptomen.

Natalie F. (23) war bis 2019 Cheerleaderin, machte dann eine Pause und schob die Rückkehr aufgrund der Pandemie immer wieder auf. Nun wird die 23-Jährige vielleicht nie wieder ihren Lieblingssport ausüben können. Denn die Wienerin leidet an Long Covid, sitzt zeitweise im Rollstuhl.

"Ich wurde am 21. März vergangenen Jahres positiv auf die britische/südafrikanische Variante getestet. Ich war damals noch nicht geimpft, weil meine Altersklasse noch nicht an der Reihe war. Mein Verlauf war mild. Ich wollte Biologie studieren und nutzte die Zeit, um mich darauf vorzubereiten. Etwa vier Tage später verlor ich meinen Geschmacks- und Geruchssinn, meine Zunge wurde taub. Ab diesem Zeitpunkt war Covid19 schon in meinem Nervensystem", so Natalie F. zu "Heute"

"Die Ärzte meinten, das Virus war zu viel für mich, und ich muss mich jetzt streng schonen, damit es nicht chronisch wird" - Long-Covid-Betroffene, Natalie F.

Am nächsten Tag hatte die sportliche Wienerin, die gerne im Fitness-Studio trainierte und regelmäßig Laufen ging, zum ersten Mal eine Tachykardie-Episode (Herzrasen) mit einem Puls von bis zu 150: "Die Ärzte meinten, das Virus war zu viel für mich, und ich muss mich jetzt streng schonen, damit es nicht chronisch wird. Das war für mich der absolute Albtraum!"

Natalie F. schonte sich, doch als sie die Infektion überstanden hatte, wurde ihr Gesundheitszustand immer schlimmer: "Ich hatte plötzlich Migräne-Attacken, vertrug eine Zeit lang kein Sonnenlicht und konnte nur noch im Dunkeln liegen. Selbst Schmerzmittel halfen nicht ganz", erzählt die 23-Jährige, die mit ihrer Mutter im 2. Wiener Gemeindebezirk wohnt.

Der Puls schnellt beim Aufstehen auf bis zu 190 hoch

Die Migräne besserte sich, aber noch heute leidet Natalie F. an chronischen Kopfschmerzen. Hinzu kamen Krampf- und Zitter-Anfälle, erst in der Hand, später am ganzen Körper. Auch das posturale Tachykardiesyndrom (POTS) macht der Wienerin schwer zu schaffen – dabei schnellt die Herzfrequenz beim Aufstehen oder schon beim Aufsetzen sprungartig in die Höhe.

"Mein Puls ging innerhalb von Sekunden von 63 auf bis zu 190 hoch. Desto länger man steht, desto stärker werden die Symptome, im schlimmsten Fall kann es sogar zum Herzstillstand kommen. Damit das nicht passiert, reagiert der Körper mit Bewusstlosigkeit, um alle Energie für die Regulation des Herzschlages zu nutzen. Weil ich bis zu zehn Beinahe-Ohnmachtsanfälle am Tag hatte, wurde ich im Juni rollstuhlpflichtig. Im Sommer ging es nicht mehr ohne, sogar meinen Geburtstag habe ich darin gefeiert. Derzeit geht es meist ohne Rollstuhl, ich benötige ihn aber noch."

"Plötzlich reagierte ich allergisch auf Wasser, am nächsten Tag auf Parfum, dann plötzlich auf jegliche Pflaster" - Natalie F.

Zu all den Erkrankungen kommt noch ein Mastzellen-Aktivierungssyndrom: Die Mastzellen sind hyperaktiv und schütten übermäßig viele Botenstoffe aus, was zu allergischen Reaktionen führen kann: "Plötzlich reagierte ich auf Wasser, am nächsten Tag auf Parfüm, dann plötzlich auf jegliche Pflaster. Im Prinzip kann mein Körper auf alles Mögliche reagieren, Lebensmittel, Getränke, Medikamente, Duftstoffe, Stress, Hitze, Kälte oder körperliche Belastung", meint Natalie F.

Auch Konzentrations- und Gedächtnisprobleme ("Brain Fog") treten bei der 23-Jährigen immer wieder auf: "Im letzten Sommer hatte ich das ganz schlimm. Ich war komplett orientierungslos, hatte schwere Wortbildungsstörungen. Das passierte meistens kurz bevor ich umgekippt bin." Im August erhielt Natalie F. schließlich ihre erste Impfung, von einer weiteren rieten ihr die Ärzte ab: "Sie meinten, dass Risiko, dass sich meine Symptome verschlimmern, ist zu hoch."

"Wenn ich rausgehe, dann endet das meist mit einem Rettungseinsatz, weil ich bewusstlos werde" - Natalie F.

Bis Natalie F. wusste, was mit ihr los war, war es ein langer Weg: "Es war ein Ärzte-Marathon bis zur Diagnose. Ich bin beim Wiener Neurologen Dr. Michael Stingl in Behandlung und auch in der neurologischen Abteilung des AKH. Ich muss einige Medikamente nehmen, darunter hoch dosiertes Vitamin B, Anti-Epileptika und etwas gegen meine Schilddrüsen-Überfunktion." Die meiste Zeit verbringt die einst sehr aktive Frau nun zu Hause: "Wenn ich rausgehe, dann endet das meist mit einem Rettungseinsatz, weil ich bewusstlos werde. Daher bleibe ich meist im Bett." 

Während viele die Wärme und den Sommer herbeisehnen, hat Natalie F. Angst davor. Denn die 23-Jährige kann kaum noch schwitzen, ihr Körper kann sich an heißen Tagen daher nicht abkühlen: "Ich fürchte den Sommer sehr, denn dann werden meine Probleme stärker. Ich vertrage die Hitze nicht, darf mich nicht im Geringsten belasten. Sonst kollabiere oder krampfe ich." Um andere über die möglichen Folgen einer Corona-Infektion aufzuklären, berichtet sie auf ihrem Instagram-Account "nanasjourneywithlongcovid" von ihrem Schicksal. 

Comment Jetzt kommentieren Arrow-Right
Nav-Account cz Time| Akt:
GesundheitMedizinCoronavirusLong CovidÖsterreichWien

ThemaWeiterlesen