Fenstercafé bringt teuersten Kaffee der Welt nach Wien

Der Gastro-Lockdown wurde für Fenstercafé-Besitzer Sasha Iamkovyi (43) zur Goldgrube. Da er nur Coffee to go anbietet, durfte er offenhalten - und verdiente genug, um ein neues Lokal zu eröffnen.
Der Gastro-Lockdown wurde für Fenstercafé-Besitzer Sasha Iamkovyi (43) zur Goldgrube. Da er nur Coffee to go anbietet, durfte er offenhalten - und verdiente genug, um ein neues Lokal zu eröffnen.Denise Auer
Das Fenstercafé von Sasha Iamkovyi baut aus. Ab April gibt es in einem 600 Jahre alten Haus zum Verkosten die teuersten Kaffeesorten der Welt.

Neben dem Fenstergucker im Wiener Stephansdom zählt das Gassenlokal von Oleksandr "Sasha" Iamkovyi (43) wohl zu den berühmtesten Fenstern der Wiener Innenstadt. Seit Jahren verwöhnt er in seinem Fenstercafé mit seinen Kaffeekreationen to go (etwa der geschmackvolle Cornettoccino oder der Espresso Orange) Einheimische wie Touristen. Dann kam die Coronapandemie.

Während Sasha sein Fenstercafé im ersten Lockdown im März 2020 zusperrte, konnte er im Vergleich zu anderen Gastrobetrieben seither jedoch offenhalten. "Da wir nur Kaffee zum Mitnehmen anbieten, durften wir das", erzählt Sasha gegenüber "Heute". Das hat sich für den Kaffeeliebhaber als Glücksfall erwiesen. Tatsächlich verdiente er seit November 2020 so viel, dass er es sich leisten konnte, zwei neue Geschäftslokale anzumieten und umzuziehen. Statt wie bisher direkt gegenüber vom Griechenbeisl am Fleischmarkt 11, (City) findet sich das Fenstercafé seit November ein Eck weiter, in der Griechengasse 10. 

In einem ehemaligen Souvenirgeschäft, das sich in der Coronakrise die Miete nicht mehr leisten konnte, hat Sasha sein neues Café eingerichtet. Und machte hier das Geschäft seines Lebens: "Wir haben seit November jeden Tag offen. In der Zeit zwischen den Lockdowns haben wir unseren Umsatz vervierfacht. Der Valentinstag am 14. Februar war ein echter Rekordtag: An dem Tag verkauften wir 1.200 Kaffees, das waren 180 Kaffees pro Stunde. Zwei Wochen später haben wir das am 28. Februar wiederholen können", freut sich der gebürtige Ukrainer. Viel zu tun also für das Team des Fenstercafés, weswegen Sasha nun nach neuen Mitarbeitern sucht. Erfahrene Barista braucht er auch für sein neues Projekt, das im April startet soll. 

Mittelalterliches Innenstadthaus wird zum "Start Up des schwarzen Kaffees"

Dann will Sasha in einem anderen ehemaligen Souvenirladen direkt am Fleischmarkt ein "Start Up des schwarzen Kaffees" eröffnen. In dem rund 600 Jahre alten Innenstadthaus plant er sein Stehcafé "SashaCoffee", in dem es ausschließlich schwarzen Kaffee ("ohne Milch und Zucker", erklärt Sasha) geben wird. Der Kaffee kann dort getrunken oder mitgenommen werden. Daneben kann aber auch – und hier wird es für Kaffeefreunde spannend – die große Vielfalt des Kaffees erkundet werden und bei Gefallen Kaffee samt nötiger Maschinen für Zuhause gekauft werden. "Wir bieten hier die besten Kaffeesorten der Welt. Die teuerste kostet rund 5.000 Euro pro Kilogramm", erzählt Sasha.

Um an die edlen Kaffeesorten zu kommen, kauft Sasha direkt bei den Bauern in Panama und Äthiopien ein. "Der beste Kaffee der Welt stammt aus dem Dorf Gescha aus Äthiopien. In seinem Stehcafé bietet Sasha bis zu 15 Sorten des edlen Gescha-Kaffees und damit die wahrscheinlich größte "Sammlung" in Europa. Für seine Kunden ermöglicht das eine Entdeckungsreise in die wunderbare Welt des Kaffees. "Viele, die erstmals einen Gescha-Kaffee probieren, glauben gar nicht, dass sie Kaffee trinken. Das liegt daran, dass die Bohnen – je nach Sorte – nach Saft, Likör, Whiskey oder Tee schmecken. Sie sind wirklich unglaublich köstlich", schwärmt Sasha beim "Heute"-Besuch.

Wie viel eine Tasse Filterkaffee, Mokka oder türkischer Kaffee (im Gegensatz zum Fenstercafé wird dieser im Stehcafé in Porzellantasten kredenzt) kosten wird, steht noch nicht fest, fix ist aber, es soll für die Kunden leistbar sein. "Der Kaffee wird ungefähr so viel kosten, wie sonst auch", verspricht Sasha. 

"Kaffee ist mehr als nur Koffeinzufuhr"

"Mir geht es darum zu zeigen, dass Kaffee Genuss sein kann und nicht nur Koffeinzufuhr", unterstreicht der Kaffeeliebhaber. Das neue Stehcafé soll "schon ein Show-Ding sein", wo die Kunden, unterstützt von einem Barista mit verschiedenen Maschinen selbst ihren Kaffee zubereiten. "Bisher gibt es in Wien nichts Vergleichbares – weder an der Vielfalt der Kaffeesorten, noch was die Kenntnisse und das Konzept eines endlosen Workshops angeht", betont Sasha.

Eine Anmeldung zu den Kaffee-Selbstmach-Workshops ist nicht erforderlich, sobald das Stehcafé offen ist, einfach vorbeikommen und schauen, ob ein Platz frei ist. Wenn das Konzept aufgeht und sein Start Up-Stehcafé aufgeht, will Sasha weiter expandieren. Schon jetzt denkt er über ein rund 400 Quadratmeter großes Lokal nach, wo er Kaffeeträume wecken und erfüllen will.

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