Wien

Wiener Geigerin darf wegen Pass nicht in UNO spielen

Kein Himmel voller Geigen für ein Musiker-Ehepaar aus Wien. Weil sie den "falschen Pass" hat, darf eine 33-Jährige nicht in der UNO-City spielen… 

Thomas Peterthalner
Kein Auftritt bei der UNO für eine Wiener Violinistin (33, hier mit Ehemann Michael)
Kein Auftritt bei der UNO für eine Wiener Violinistin (33, hier mit Ehemann Michael)
Helmut Graf, zVg

Dissonanz statt Harmonien für eine Wiener Violinistin (33). Die gebürtige Taiwanesin hätte diese Woche das Publikum auf einem chinesischen Event in der UNO-City mit festlicher Musik erfreuen sollen. Doch statt dem erhofften Wohlklang gab es nichts als Ärger, berichtet ihr Ehemann Michael L. (34) nun im Gespräch mit "Heute"

"Taiwanesin darf UNO nicht betreten"

"Im Vorfeld des Konzerts mussten wir Musiker unsere Passkopien an den Veranstalter übermitteln", erzählt der Cellist. Die "Formsache" nahm eine üble Wendung: die Frau von Michael L. darf nicht auf dem Konzert spielen – angeblich, weil sie den falschen Pass hat. "Wir bekamen die Mitteilung, dass meine Frau als Taiwanesische Staatsbürgerin die UNO nicht betreten und somit nicht mitspielen darf", so Michael L. "Das ist nicht nur abstoßend, sondern allem voran diskriminierend und herabwürdigend."

Das Säbelrasseln der Chinesen gegenüber Taiwan hat also Auswirkungen bis nach Wien. Der Konflikt schwelt schon seit 70 Jahren, doch heuer spitzte sich der Konflikt zu. China spricht der Insel ihre Unabhängigkeit ab, möchte die Provinz wieder zurück haben – Experten halten sogar einen Krieg für möglich. 

"Konflikt hat mit Kultur nichts zu tun"

Das alles habe aber nichts mit Kunst und Kultur zu tun, erklärt Michael L. "Meine Frau wäre als Künstlerin aufgetreten und hat mit Politik nichts am Hut. Sowas passiert vor unserer Haustüre in der UNO in Wien. In der UNO, die sich für Menschenrechte und die Demokratie auf dieser Welt einsetzt. Es ist unfassbar", ärgert sich der Ehemann der Betroffenen. "Es hat mich sehr getroffen, dass so etwas möglich ist." 

Musikerin fällt um Gage um

Laut Michael L. entgeht seiner Frau durch die angebliche Diskriminierung auch Einkommen. "Es ist ein Job, der ihr verwehrt wird. Es geht auch um ein Honorar, von dem sie jetzt nur einen Teil bekommt. Wir haben seit zehn Jahren zahlreiche freiberufliche Auftritte pro Monat, aber so etwas ist uns noch nie passiert."

Anti-Diskriminierungsstelle informiert

Michael L. machte den Fall auch auf Facebook öffentlich – es gibt bereits Dutzende Kommentare und Likes. "Heute" fragte bei der Pressestelle in der Wiener UNO-City um eine Stellungnahme an. Den Mitarbeitern dort wurde nichts von dem Vorfall erzählt. "Soweit uns bekannt ist, wurde jeder, der sich für die Teilnahme an dieser Veranstaltung beworben hatte, angenommen und niemand wurde abgelehnt. Wir haben keine direkte Mitteilung von jemandem erhalten, der berichtet hat, dass ihm der Zutritt verweigert wurde", schreibt eine UNO-Sprecherin an "Heute". Auch die Anti-Diskriminierungsstelle ZARA in Wien wurde von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt. 

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