Wiens Drogenbaron hat kein Auto und kassiert AMS-Geld

Wie erst am Donnerstag bekannt wurde, gelang der Kriminalpolizei ein herber Schlag gegen die Drogenkriminalität. Ein Großhändler (50) sitzt in Haft.

Es klingt wie das Drehbuch des Hollywood-Streifens "Scarface", spielte sich aber mitten in Wien ab. Vor etwa 15 Jahren zog ein mehrfach vorbestrafter Südeuropäer in die Bundeshauptstadt und versuchte sich ein neues, sauberes Leben aufbauen. Wie oft üblich, begann er in der Gastronomie zu jobben. Doch dort kam er schon nach kurzer Zeit in Kontakt mit Drogen.

Nach etwa ein bis zwei Jahren entschloss sich der damals knapp 40-Jährige dazu, seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Suchtmittel zu finanzieren und kündigte als Kellner. Mit seinen alten Kontakten nach Südamerika beschaffte er sich kiloweise reinstes Kokain und verkaufte es anschließend in großen Mengen an dutzende Abnehmer in Wien und Umgebung. Das Geschäft mit Kokain, Cannabis, Speed und LSD florierte etwa zwölf Jahre lang. Mit dem Geld finanzierte er sich seinen aufwendigen Lebensstil, der allerdings nach Außen durch Luxus hin gar nicht sonderlich auffiel. Offiziell lebte der Südeuropäer nämlich vom AMS und wohnte alleine in einer etwa 80 Quadratmeter großen Wohnung in Hernals.

Wendepunkt der Drogen-Karriere

Als Beamte im Mai 2020 kleinere Drogendealer im Bezirk Baden schnappten, plauderten die Männer und gaben Hinweise auf ihren Lieferanten. Es handelte sich um den mittlerweile 50-Jährigen, der vor vielen Jahren als Kellner gearbeitet hatte. Von dem Zeitpunkt an nahm die Kriminalpolizei in Wien die Ermittlungen gegen den Verdächtigen auf. Durch abgehörte Handys konnten die Beamten ausforschen, wo sich der Großhändler regelmäßig aufhielt und wie sein Alltag aussah. Seine Gespräche am Telefon hielt er immer sehr kurz und verabredete sich mit seinen Abnehmern in Cafés oder Restaurants. Dort fanden dann die Deals statt. Unauffällig und diskret. 

Im Zuge akribischer Ermittlungen konnten die Beamten feststellen, dass der Verdächtige mit Taxis immer wieder in die selbe Gegend nach Floridsdorf fuhr. Es handelte sich dabei nie um die gleiche Adresse. "Manchmal war es ein Gasthaus oder ein Café, aber immer im selben Grätzl", so ein Ermittler gegenüber "Heute". Den Kriminalbeamten wurde also klar, dort irgendwo müssen die Drogen zwischengelagert sein. Sie hatte aber nicht mehr viel Zeit und musste schnell handeln, denn der 50-jährige Dealer hatte vor, in Kürze seine Wohnung zu wechseln, um sich den Wunsch eines eigenen Gartens zu erfüllen.

Polizeihund erschnüffelte richtigen Container

Die Kripo konnte in weiterer Folge ein riesiges Containerdorf im 21. Bezirk ausfindig machen. Die Polizei wusste, dass in einem dieser gemieteten Container der sogenannte "Drogenbunker" sein muste. Das einzige Problem: Auf dem Areal befanden sich 800-1.000 Stück davon. Jeden einzeln zu kontrollieren würde eine Arbeit von mehreren Wochen bedeuten. Also zogen die Ermittler den Drogenspürhund "Boy" hinzu, der trotz heißer Temperaturen und erschwerten Bedingungen, innerhalb von 20 Minuten den gesuchten Container erschnüffelte. Im Inneren stellte die Polizei Uhren, erhebliche Summen Bargeld, Schusswaffen und mehrere Kilo Drogen, darunter etwa 1,5 Kilogramm Kokain mit einem Reinheitswert von über 90 Prozent, fest. 

Wohnungen in zwei Bezirken gestürmt

Anfang Juli kam es letztendlich zum Zugriff in der Hernalser Wohnung. Der 50-Jährige wurde an einem Morgen unsaft aus dem Schlaf geholt. Er leistete keinen Widerstand und ließ sich in seinen eigenen vier Wänden in Ruhe verhaften. Parallel dazu wurde in Floridsdorf seine 42-jährige Lebensgefährtin festgenommen. Sie beteurte gegenüber der Polizei, nichts von den Machenschafften gewusst zu haben und befindet sich mittlerweile auf freiem Fuß.

Insgesamt stellte die Polizei im Zuge der Ermittlungen Drogen im Straßenwert von 410.000 und Bargeld in der Höhe 48.000 Euro sicher. Darunter waren 3,3 Kilogramm Amphetamin, 1,6 Kilogramm Kokain, 373 Extasy Tabletten, 4,3 Kilogramm Marihuana, 12 LSD-Trips, 12 Gramm Crack, 2 Gramm Crystal Meth, 20 Gramm Methamphetamin, 3 Faustfeuerwaffen, 3 Stockmesser und ein Teleskop-Schlagstock.

Der 50-jährige Südeuropäer sitzt derzeit in Untersuchungshaft und zeigt sich im Bezug auf den Drogenhandel geständig, hält aber Kontaktmänner, die mit ihm Geschäfte machten, bedeckt. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

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