Wiener kämpfte sich nach Arbeitsunfall zurück ins Leben

Preisträger Gerhard Hudecek (83) mit Ehefrau Helga.
Preisträger Gerhard Hudecek (83) mit Ehefrau Helga.AUVA/J. Godany
Gerhard Hudecek erlitt 1989 einen schweren Arbeitsunfall. Trotz Querschnittlähmung gab er nicht auf. Dafür erhält erden AUVA-"Back to Life"-Award. 

Gerhard Hudecek war als stellvertretender Geschäftsführer in einer Baufirma beschäftigt. Am 2. Februar des Jahres 1989 fuhr er alleine auf eine Baustelle, die er damals geleitet hat, um schnell ein paar Maße zu nehmen. Um in den ersten Stock zu gelangen, musste er mit der Leiter hinaufsteigen: "Es ging alles sehr schnell. Beim Übergang auf das Gesims begann die Leiter seitlich wegzurutschen und ich fiel fast fünf Meter hinunter", erzählt Hudecek (83). Zum Glück bekam eine Dame, die nebenan wohnte, den Unfall mit und alarmierte die Rettung. Hudecek wurde ins Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus eingeliefert und sofort operiert. Doch durch den Bruch von zwei Lendenwirbeln blieb eine inkomplette Querschnittlähmung als Folge des Unfalls zurück.

Im AUVA-Rehabilitationszentrum Weißer Hof in Klosterneuburg (NÖ) wurde Hudecek sechs Monate intensiv auf das Leben nach dem Arbeitsunfall vorbereitet und lernte trotz Behinderung, selbstständig zu leben: "Die Rehabilitation am Weißen Hof hat mir nicht nur körperlich geholfen, sondern auch psychisch. Ich konnte danach besser mit meiner Situation umgehen", meint Hudecek. Nachdem er nach Hause entlassen wurde, nahm der ehemalige Bauleiter seine letzte Baustelle in Angriff: den barrierefreien Umbau seines Hauses. "Das war für mich ein Auftrieb und eine Beschäftigung. Und es hat mir auch nochmals einen völlig neuen Blick auf das Bauen vermittelt. Vorher habe ich, selbst als Fachmann, vieles nicht bedacht. Ich dachte: 'Was ist schon eine Stufe?'" Mit einem Lift, der fünf Ausstiege hat, kann sich Gerhard Hudecek heute gut durch das Haus bewegen.

"Es ist ein Kampf, der sich jeden Tag wiederholt" - Gerhard Hudecek (83)

Seit 31 Jahren ist Hudecek nun im Rollstuhl: "Es ist ein Kampf, der sich jeden Tag wiederholt", sagt er. Diesen Kampf nimmt er aber immer wieder aufs Neue auf. Im Garten vor dem Haus geht er jeden Morgen eine halbe bis dreiviertel Stunden auf Krücken. Ein anstrengendes Training, da er sein ganzes Gewicht auf den Händen tragen muss. Doch die Stärkung seiner Armmuskeln ist wichtig, damit er sich morgens allein aus dem Bett heben kann. Den Ehrgeiz und den Willen, es aus eigener Kraft zu schaffen, hatte Hudecek schon immer. Vom Maurer arbeitete sich der dreifache Familienvater zum Bauleiter hoch.

Immer an seiner Seite: Ehefrau Helga, mit der er heuer den 60. Hochzeitstag feierte. Die beiden haben drei Kinder. Am Nationalfeiertag erblickte Urenkel Emil das Licht der Welt. "Ohne meine Frau Helga hätte ich das alles nicht durchgehalten. Dank ihr und unserer Kinder sitze ich heute noch so da, wie Sie mich erleben", meint "Hudi", wie ihn Helga liebevoll nennt.

Preis wird im April im Rathaus verliehen

Im April 2021 erhält Hudecek im Rathaus den AUVA-"Back to Life"-Award, der seit 1997 von der AUVA-Landesstelle Wien vergeben wird. Mit dem Award werden Menschen ausgezeichnet, die sich nach schweren Arbeitsunfällen mit einer beispielhaften sozialen und beruflichen Rehabilitation ins Leben zurück gearbeitet haben und damit vielen Menschen Mut machen. Die Auszeichnung mit dem Award ehrt ihn: "Ich freue mich und bin auch ein bisschen stolz, dass man einen, der nicht mehr kann, trotzdem noch auszeichnet“, meint Hudecek bescheiden.

Im Jahr 2019 passierten in Österreich durchschnittlich 244 Arbeitsunfälle am Tag. Hinter diesen Zahlen stecken oft schwere Schicksalsschläge, aber auch beeindruckende Wege zurück ins Leben: "Gerhard Hudecek ist ein Beispiel dafür, dass man auch nach einem schweren Schicksalsschlag sein Leben wieder mit Freude und Energie in die Hand nehmen kann. Seine letzte Baustelle als Bauleiter war der barrierefreie Umbau seines eigenen Hauses. Mit dem Rückhalt der Familie zeigt Herr Hudecek, dass es auch nach schweren Unfällen ein schönes und lebenswertes Leben gibt. Er strahlt so viel positive Energie aus, dass wir ihn heuer als Preisträger ausgewählt haben", meint Peter Engelbrechtsmüller, Vorsitzender der AUVA-Landesstelle Wien, Niederösterreich und Burgenland.

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