Wiener nach Krebs – "Habe Angst vor hustenden Kollegen"

Helmut P. ist Risikopatient, seine Kollegen kommen nach dem Quarantäne-Aus trotz Schnupfen und Husten ins Büro.
Helmut P. ist Risikopatient, seine Kollegen kommen nach dem Quarantäne-Aus trotz Schnupfen und Husten ins Büro.Getty Images/iStockphoto (Symbol)
Seit 1. August hat Helmut P. Angst im Büro. Ein Mitarbeiter kam schon mit Covid-Symptomen zur Arbeit, die Sorge des Risikopatienten wurde belächelt.

Das Quarantäne-Aus, das am vergangen Montag in Kraft getreten ist, macht den Arbeitsalltag von Helmut P. (Name geändert) nun untragbar. Der Wiener hat eine Krebserkrankung überstanden, er gilt nach vier Jahren noch als Risikopatient. Seit die Regierung beschlossen hat, dass Corona-Positive weiter ihrem Job nachgehen dürfen, ist die Situation für den 38-Jährigen extrem bedrückend.

Mitarbeiter leugnen schlimme Corona-Verläufe

Er ist einer von etwa zehn Mitarbeitern, die in offenen Büros täglich Kontakt haben. "Meine Kollegen leugnen alle, dass Covid gefährlich ist. Sie sind keine Schwurbler, aber sie waren alle schon positiv und die meisten hatten einen leichten Verlauf. Sie finden mich hysterisch, weil ich aufpasse, nicht krank zu werden", erzählt der Angestellte im "Heute"-Gespräch. Helmut P. hatte bisher noch kein Covid. Er trägt als Einziger eine Maske im Lift und im Gang.

"Die Anderen wissen, dass ich ein Risikopatient bin, aber nicht, dass ich Krebs hatte. Am Montag kam ein Kollege hustend und verschnupft ins Büro. Ich habe wirklich Angst, mich anzustecken", sagt er verzweifelt. Der Wiener steht mit seinen Bedenken jedoch alleine da, alle anderen in der Firma sind froh, dass die Covid-Maßnahmen gefallen sind. "Sie feiern das sogar und lachen über mich."

Kollege nun ins Homeoffice geschickt

Der 38-Jährige arbeitet noch nicht lange im Unternehmen, er war bisher sehr gerne dort. "Ich habe einen inneren Konflikt: Ich mag meine Kollegen, aber ich hätte gerne, dass sie sich regelmäßig testen und eine Maske im Büro tragen, wenn sie Schnupfen oder Husten haben." Auch Helmut P.s Chef hat kein Verständnis für dessen Situation, dieser hatte selbst Covid ohne Symptome und sich damals "sehr über die Quarantäne geärgert." Deshalb hat man dem Wiener nun angeboten, im Homeoffice zu arbeiten. "Aber das will ich nicht, ich mag das Teamwork ja, daheim ist es schon einsam."

Mit dem Ende der Maßnahmen hat sich die Situation aus Sicht des Risikopatienten nun umgekehrt. "Jetzt müssen die, die gefährdet sind, daheim bleiben", bedauert Helmut P. "Mein Wunsch ist, dass die Politik Covid weiterhin ernst nimmt und klare Vorgaben gibt. Zumindest soll sie die Maskendisziplin unterstützen. Meine Kollegen sagen, die Pandemie ist vorbei. Dass Menschen das denken, ist ein Fehler der Politik."

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