Wiener Pfleger gehen für fairen Lohn auf die Straße

Um mehr Bewerber in Pflegeberufe zu locken, hat die Stadt Wien deren Gehaltsschema ordentlich aufgefettet. Die bestehende Belegschaft ist sauer. Sie sieht davon keinen Cent.

In Wien demonstrierten am Dienstag hunderte Pflegekräfte für faire Arbeitsbedingungen. "Wir haben definitiv immer weniger Zeit für die Patienten", schildert ein Teilnehmer des Demonstrationszugs gegenüber Puls 4. Was das heißt, erklärt eine andere Teilnehmerin: "Dann ist die Gefahr größer, dass Fehler passieren ... es wird einfach gefährlich."

Um den chronischen Personalmangel auf vielen Stationen der Wiener Krankenhäuser in den Griff zu bekommen, hatte die Stadt Wien mit 1. Jänner 2018 ein neues, attraktiveres Gehaltschema verabschiedet – allerdings nur für Neueinsteiger. Sie bekommen im Jahr um bis zu 6.000 Euro mehr. Der Haken: Bereits in den Gesundheitseinrichtungen beschäftigte Pfleger profitieren nicht davon.

Pfleger fordern Möglichkeit zum Umstieg

"Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" war deshalb am Dienstag auch auf den Plakaten zu lesen. "Es ist unfair, wenn ich zehn Jahre Erfahrung habe, bei gleichen Dienstzeiten aber weniger verdiene, als die Person, die ich vor drei Monaten noch selbst eingeschult habe", so ein junger Mann im Gespräch mit dem TV-Sender: "Unsere Leistung und Erfahrung – und Erfahrung ist in unserem Bereich etwas Wichtiges – wird einfach nicht wertgeschätzt".

Wiener Pflegekräfte demonstrieren am 7. Mai 2019 für fairen Lohn (Bild: PULS4 via Glomex)

Die Pflegern fordern deshalb eine Möglichkeit zum Umstieg in das neue Gehaltsschema. Die Stadt Wien hat das aber bisher nicht zugelassen. In einer Reaktion erklärte ein Sprecher, dass es bereits vergangene Woche ein vermittelndes Gespräch des Stadtrats mit Vertretern der Initiative gegeben habe, das "konstruktiv" verlaufen sei: "Wir werden uns weiter bemühen, zu einer für alle zufriedenstellenden Lösung beizutragen."

Auch Spitalsärzte "am Limit"

Auch die Wiener Spitalsärzte klagen über schlechte Arbeitsbedingungen und zu wenig Zeit für ihre Patienten, wie eine Umfrage der Ärztekammer unter 1.612 Medizinern zeigt. Am Dienstag wurde das Ergebnis unter dem Titel "Hilferuf der Ärzteschaft in Wiens Spitälern" vorgestellt.

Man habe schon im Vorfeld mit einem schlechten Ergebnis gerechnet, "in dieser Ausprägung haben wir es nicht erwartet", wird Wolfgang Weismüller in einem Bericht des "ORF" zitiert. Weismüller ist Vizepräsident der Kammer und Obmann der Kurie der angestellten Ärzte.

"Die Kollegen sagen, sie arbeiten am Limit", klagt der Vizepräsident der Kammer und Obmann der Kurie der angestellten Ärzte weiter: "Das ist ein echtes Alarmsignal." Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Fehler passieren. Sollte die Politik hier nicht gegensteuern, warnt Weismüller vor Konsequenzen: "Bevor wir zusehen, dass das Gesundheitssystem komplett den Bach runtergeht", könnte es auch zu Kampfmaßnahmen kommen.

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(rcp)

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