Niederösterreich

Wiener Skitourengruppe in NÖ von Berg gerettet

Drei Männer und zwei Frauen verloren bei der Abfahrt von der Reisalpe die Orientierung. Die Bergrettung musste helfen.
Erich Wessely
18.01.2021, 10:04

Eine fünfköpfige Skitourengeher-Gruppe aus Wien ist am Sonntagabend von der niederösterreichischen Reisalpe gerettet worden.

Die drei Männer und zwei Frauen hatten am Nachmittag nach Polizeiangaben bei der Abfahrt in Richtung Kleinzell (Bezirk Lilienfeld) im freien Gelände vor einem teils senkrechten Abhang die Orientierung verloren und auf einer Seehöhe von etwa 1.000 Metern per Handy einen Notruf abgesetzt. Verletzt wurde niemand.

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Polizei und Bergrettung im Einsatz

Im Einsatz standen neben Polizei-Bediensteten - an Ort und Stelle war u.a. die Alpine Einsatzgruppe NÖ West - auch fünf Mitglieder der Bergrettung Kleinzell. Der Aufstieg wurde in einer Aussendung als schwierig beschrieben. Gesichtet wurde die Gruppe gegen 19.30 Uhr. Im Anschluss wurden die Freizeitsportler unverletzt ins Tal gebracht.

Dramatisch die Schilderungen seitens der Bergrettung: Die zwei Frauen und drei Männer aus der Bundeshauptstadt zwischen 28 und 57 Jahren waren im Zuge ihrer Abfahrt von der Reisalpe im Bezirk Neunkirchen auf 1.399 Metern Höhe in Richtung der Kleinzeller Hinteralm von der Standardroute abgekommen. Offenbar wurde versucht, das richtige Gelände für eine Tiefschneeabfahrt zu finden, was mit einer fatalen Fehlnavigation endete.

Bei Lawinenwarnstufe 3 gelangten sie ins nordseitige und extrem ausgesetzte Gelände, wonach es bei einer Seehöhe von ca. 1.100 Metern Höhe kein Weiterkommen mehr gab: Unterhalb felsdurchsetztes Steilgelände, nach oben hin zu steil, zu viel Neuschnee.

Notruf gegen 17 Uhr abgesetzt

Gegen 17 Uhr setzte die Gruppe einen Notruf unter dem Bergrettungsnotruf 140 ab, als bereits die Nacht heranbrach. Gleich darauf stiegen die Bergrettung Kleinzell und die Alpinpolizei vom Ebenwald über die Kleinzeller Hinteralm zu den Betroffenen auf. Die Navigation bedurfte der Unterstützung des Gebietseinsatzleiters Robert Salzer und des Ortsstellenleiters Michael Hochgerner vom Tal aus, die die beiden mithilfe des Funkes anleiten und zu der Gruppe navigieren konnte – das war nur möglich, weil die Koordinaten bei abgesetzten Notrufen mitgesandt werden.

Ausrüstung mangelhaft

Nach rund zwei Stunden konnte der erste Sichtkontakt hergestellt werden. Da das Gelände jedoch uneinsichtig ist, gelang es erst beim zweiten Anlauf, die Gruppe zu erreichen. „Von da an hat es größte Kraftanstrengung und Motivation gebraucht, die Patient/innen heil wieder hinunterzubringen, weil sowohl Tourenvorbereitung als auch Ausrüstung mehr als mangelhaft waren“, so Georg Wurth und Ralph Zeller, zwei jener Bergretter, die den Voraustrupp vor Ort gebildet hatten. „Unter anderem verfügten die Sportler/innen über keine Lawinenausrüstung obwohl ‚erhebliche Lawinengefahr‘ bestand.“ Da der Hang in gefährlicher, nordseitiger Exposition liegt, ein Riesenglück, laut den Experten.

Bergrettung im Einsatz
ÖBRD NÖ/Wien

Rettung bei Eiseskälte

Bei rund minus 10 Grad, versorgt mit Stirnlampen der Bergrettung, teils improvisierter Ausrüstung und nach der Erstversorgung mussten die fünf Personen nun in sehr anstrengender und mühseliger Arbeit durch das felsdurchsetzte Gelände gebracht werden, ehe sie zur Forststraße mittels Seilsicherung der Bergretter gelangten. Es dauerte weitere eineinhalb Stunden, die Gruppe sicher zurück zum Ebenwald zu bringen, wo die unterkühlten Personen in der aufgeheizten Bergrettungshütte weiterversorgt und mit Tee aufgewärmt wurden.

Der anschließende Abtransport ins Tal erfolgte schließlich mit dem Einsatzfahrzeug der Bergrettung. „Die Dankbarkeit stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Wir sind heilfroh, dass es ihnen gut geht“, so die beiden Bergetter abschließend.

Appell der Bergrettung

Die Bergrettung NÖ/Wien stellt fest, "dass sich gerade im Lockdown-Winter Skitouren und Schneeschuhwandern immer größerer Beliebtheit erfreuen, ohne dabei die Gefahren und eine entsprechende Vorbereitung im Auge zu behalten. Der Einsatz zeigt einmal mehr, wie wichtig Tourenplanung und Ausrüstung für sicheren Bergsport sind. Die Bergrettung appelliert daher mit Nachdruck, Tourenplanungen mit größter Sorgfalt anzugehen, Ausrüstung mitzuführen und gerade derzeit bei den massigen Neuschneemengen auch die Lawinensituation zu berücksichtigen. Das heißt im Klartext Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS), Schaufel, Sonde und im besten Fall Lawinen-Airbag mitzuführen und den Lawinenlagebericht des Lawinenwarndienstes genau zu lesen".