"Seit 2017 bin ich fast jedes Jahr für mindestens drei Monate im Krankenhaus", erzählt Gerhard W. im Gespräch mit "Heute". Der 51-jährige hat eine Odysee hinter sich: Aufgrund einer erblich bedingten schweren Diabetes wurden ihm 2019 bereits zwei Zehen amputiert. Während des Aufenthalts habe er sich einen Krankenhauskeim eingefangen, hatte eine offene Wunde an der Fußsohle. "In wochenlangen Therapien wurde alles probiert, aber das Bein war nicht zu retten."
2020 wurde W. der linke Unterschenkel amputiert. Nachdem er bei einer Therapiestunde auf den Stumpf gefallen war, musste er sogar noch einmal unters Messer. Zwei Jahre später musste auch der rechte Unterschenkel amputiert werden. Aufgrund von Leistenproblemen war der Wiener sogar zehn Tage im Tiefschlaf. "Das alles geht an die Psyche und ist nicht leicht zu verkraften", sagt er.
Gerhard W. lebt alleine, Unterstützung erhält er derzeit von seiner Schwester sowie seiner Mutter: "Die ist auch schon 83 Jahre alt. Ich bin viel allein und bräuchte mobile Pflege. Zuhause sitze ich im Rollstuhl, weil es mit den Prothesen mühsam ist. Aber ich lebe in einem alten Donaustädter Gemeindebau. Ins Bad oder WC komme ich damit gar nicht." W. stellte einen Antrag auf Pflegegeld bei der Pensionsversicherungsanstalt. "Der Arzt kam, war vielleicht fünfzehn Minuten bei mir und füllte rasch einige Blätter aus. Dann meinte er 'Ich weiß alles' und ging."
Als ihn der Bescheid schließlich erreichte, traute der geplagte Wiener seinen Augen kaum. 175 Euro erhält er monatlich. "Ich bekam Pflegestufe 1 und das auch nur begrenzt auf sechs Monate." "Hier wurde vermutlich schwer geschlampt", ärgert sich der zu Hilfe gerufene Alt-Bezirksrat Hans Jörg Schimanek. "Im ärztlichen Gutachten für die Bemessung der Pflegestufe und damit auch im PVA-Bescheid wurde doch glatt die erste Amputation aus dem Jahr 2020 unberücksichtigt gelassen."
Der Behindertenverband riet Gerhard W., Einspruch zu erheben. Im Mai erhob er Klage, das Verfahren läuft aktuell noch. Auf Anfrage bei der PVA bestätigte man dies und erklärte: "Das Verfahren ist derzeit laufend. Die weitere Vorgangsweise und Entscheidung des zuständigen Arbeits- und Sozialgerichts muss daher abgewartet werden. Bitte um Verständnis, dass derzeit keine weiteren Informationen erteilt werden können." Der Elektromechaniker lebt aktuell von der Reha-Pension, weiß nicht weiter: "Die Herrschaften sollten zumindest versuchen, sich in meine Lage zu versetzen. Es ist erniedrigend."