Wiens größtes Sportjuwel reift in Simmeringer Gärtnerei

Tischtennis-Supertalent Julian Rzihauschek: "Die Chinesen sollen kommen."
Tischtennis-Supertalent Julian Rzihauschek: "Die Chinesen sollen kommen."Helmut Graf
Julian Rzihauschek gewann mit 12 Jahren ein Champions-League-Match. Das Tischtennis-Supertalent reift in einer Wiener Gärtnerei. "Heute" besuchte ihn.

Wien ist hier ein Dorf. Die Häuser im tiefsten Simmering sind niedrig, Felder reihen sich an Gewächshäuser. Am Areal der Gärtnerei "Rizi" dringt lautes Stöhnen aus der offenen Tür einer umgebauten Lagerhalle.

Hier reifen nicht Pelargonien, sondern Wiens größtes Ball-Talent: Julian Rzihauschek, zwölf Jahre alt, ein Tischtennis-Juwel. Für Furore sorgte er im Dezember, als er für SPG Walter Wels ein Champions-League Match gewann. Er schlug den Franzosen Antoine Doyen nach 0:2-Satzrückstand mit 3:2. Nie war ein Champions-League-Sieger jünger. "Nur weil mir der Direktor frei gab, kam es dazu", grinst Julian im "Heute"-Gespräch.

Julian Rzihauschek am Gärtnerei-Gelände vor der umfunktionierten Trainingshalle: "Lockdown gab es hier nie."
Julian Rzihauschek am Gärtnerei-Gelände vor der umfunktionierten Trainingshalle: "Lockdown gab es hier nie."Helmut Graf

Der Boden in der Halle ist von der WM 2019 in Budapest

Mehr als 100 Nachrichten bekam er in den Stunden und Tagen nach der Sensation. "Schöner war aber der Sieg selber", sagt er. Als Wunderkind sieht er sich nicht. "Nein, es ist harte Arbeit." So sieht es auch aus, wenn er in der vom Papa umgebauten Halle übt. "Die Halle stand leer. Irgendwann hatte ich die Idee, das wäre etwas für den Julian. Ich habe den Boden von der WM 2019 in Budapest gekauft und reinverlegt. Einen Lockdown gab es für Julian trotz Corona-Pandemie hier nie“, erzählt der Vater und Chef der Gärtnerei.

Mit drei Jahren spielte Julian erstmals im Keller der Oma Tischtennis. Der Papa, ein Hobbyspieler, wollte eigentlich mit Julians Schwester üben, die war damals fünf. Julian ging dazwischen. "Er traf sofort alle Bälle", erinnert sich der Vater.

"Julian hat genau beobachtet und die Schläge der Besten entschlüsselt"

Ab sofort besteht die Welt für Julian vor allem aus einer Celluloidkugel. Mit vier trainiert er zwei mal pro Woche in Schwechat. Die heimischen Größen Stefan Fegerl und Daniel Habesohn werden früh aufmerksam auf ihn. Mit fünf spielt er Turniere – auch im Ausland. Er schaut bei der EM im Multiversum Top-Spielern auf die Finger und kann die Schläge danach kopieren. "Er hat genau beobachtet und die Schläge der Besten entschlüsselt", erzählt sein Vater. "Diese Fähigkeit hilft im Tischtennis enorm."

"Erwachsene verlieren nicht gerne gegen Kinder"

Bald duelliert er sich mit Größeren. Er erlebt, dass Schläger auch tief fliegen können und in seine Richtung. "Erwachsene verlieren nicht gerne gegen Kinder", weiß er. Heuer hat er in Österreich das Turnier der zehn besten U15-Spieler gewonnen. Bei den Erwachsenen hat er eine positive 16:13-Bilanz in der Bundesliga – mit zwölf Jahren. "Ich will Weltmeister werden", sagt er. Und das klingt irgendwie selbstverständlich.

"Ich weiß nicht, ob ihm das Training in China gefallen wird"

Ist es aber nicht. Im Tischtennis heißt Weltmeister werden: Die Chinesen schlagen. So wie Werner Schlager 2003. "Die Chinesen können ruhig kommen", sagt Julian. Auch Trainings in China sind bereits eingeplant. "Der Spaß ist dort geringer. Den braucht er", sagt sein Vater. "Ich weiß nicht, ob ihm das gefallen wird." Nachsatz: "Bis heute hatte er immer Spaß. Wir machen das praktisch ohne Pause seitdem er ein Kind ist."

Umgeben von Profis

25 Stunden trainiert Julian pro Woche. Umgeben ist er von Top-Trainern. Dimitrij Levenko, der Vater von U21-Weltranglistenleader Andreas Levenko, feilt seit Jahren an Julians Waffen und Verteidigung. Er ist knapp 60 Jahre alt und spielt selbst noch Bundesliga. Die Olympia-Fünfte und neunfache Europameisterin Valentina Popova gehört ebenso zum Trainer-Team wie Tibor Kun, der langjährige Nachwuchs-Cheftrainer in Schwechat.

Auch in der Schule in der Wittelsbachstraße trainiert Julian. In der Nähe der Jesuitenwiese im Wiener Prater drückten auch die ÖFB-Teamkicker David Alaba oder Aleks Dragovic die Schulbank. Julians liebstes Fach: "Sport." In der Schule übt er am Vormittag mit Li Quiangbing, zweifache Olympia-Teilnehmerin und Tochter des ehemaligen chinesischen Nationalteam-Trainers. Das Homeschooling fand er ganz okay. "Ich konnte da viel mehr trainieren, weil der Schulweg weggefallen ist. Abgegangen sind mir aber die Treffen mit meinen Freunden."

"Wichtig ist es, Talente zu fördern und nicht auf den Fehlern herumhacken"

Sein Vorbild? "Dominic Thiem. Es war witzig, nach ihm in den Nachrichten zu sein nach meinem Sieg in der Champions League“, gibt er zu.

"Dieser Sieg hat ihn null verändert", sagt Vater Karl. Dem ist eine Botschaft wichtig: "Jedes Kind hat Talente. Wichtig ist, sie zu fördern und nicht auf den Fehlern herumhacken. Deutschprofessor wird der Julian sicher keiner."

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