Wiens Privat-Kindergärten streiken am 12. Oktober

Die Wiener Privat-Kindergärten sind am 12. Oktober bis 12.30 Uhr geschlossen.
Die Wiener Privat-Kindergärten sind am 12. Oktober bis 12.30 Uhr geschlossen.Getty Images/iStockphoto (Symbol)
Gemeinsam fordern Kinderfreunde, KIWI und Co mehr Geld und bessere Rahmenbedingungen. Am 12. Oktober gehen sie dafür auf die Straße.

Alle reden über die Schulen – aber die Kindergärten sind von der Corona-Pandemie ebenso, wenn nicht sogar noch mehr, betroffen: Weder können die Kleinkinder geimpft werden, noch ist ihnen das stundelange Tragen von Masken zuzumuten. Auch Abstand halten ist für Kinder und ihre Pädagogen unmöglich: Wickeln, trösten, umziehen – ohne Kontakt geht das alles nicht. Und so reißt den Privat-Kindergärten jetzt der Geduldsfaden. Am 12. Oktober wird demonstriert.

Die Betriebsversammlung wurde von Gewerkschaften und Betriebsräten am 12. Oktober von 06 Uhr bis 12.30 Uhr angesetzt. Während dieser Zeit bleiben private Kindergärten und Horte in Wien mit Ausnahme von Betriebskindergärten geschlossen. Die Eltern erhalten am Dienstag entsprechende Informationen, in denen auch darauf hingewiesen wird, dass die nicht verfügbare Betreuungseinrichtung als Dienstverhinderung laut §8 AngG gilt, heißt es in einer gemeinsamen Aussendung von Diakonie Bildung, Kinderfreunde Wien, KIWI-Kinder in Wien und der St. Nikolausstiftung am Dienstag.

Pädagogenmangel in ganz Österreich

In Salzburg und Oberösterreich werden die ersten Gruppen geschlossen, in der Steiermark gibt es einen Crashkurs für die Ausbildung zur Pädagogin im Ausmaß von 30 Wochenstunden(!) und in Wien werden Pädagogen mit Nachsicht eingestellt, damit der Betrieb aufrechterhalten werden kann. Die Pandemie verschärfte die Situation entscheidend, es gab kaum Schutzmaßnahmen für die Mitarbeiter und die Verordnung seitens der Bundesregierung zum Schutz aller kleine Gruppen zu führen, ist mit einem Pädagogen- und Raummangel nicht möglich, so die Betreiber.

"Unzureichende Rahmenbedingungen"

"Der eindringliche Appell, die Rahmenbedingungen in der ersten Bildungseinrichtung Kindergarten anzupassen, wurde politisch über Jahre ignoriert. 2009 wurde der ,Bundesländerübergreifende BildungsRahmenPlan’ für elementare Bildungseinrichtungen in Österreich“ eingeführt. Ein wichtiger und längst notwendiger Schritt in der Qualitätsentwicklung im Bereich der frühkindlichen Bildung. Nur wurde vergessen, dass für eine qualitätsvolle Umsetzung vor Ort im Kindergarten auch die Rahmenbedingungen korrelieren müssen. Kinder in ihrer individuellen Entwicklung zu begleiten, zu fördern, ihre Entwicklungsschritte zu dokumentieren und den Bildungsalltag zu planen, ist mit dem aktuellen Personalschlüssel nicht möglich. Die Vorbereitungszeit von 5 Stunden im Rahmen einer Vollzeitanstellung ist eine Zusatzleistung der privaten Träger, da sie in Wien gesetzlich nicht vorgeschrieben ist. Zum Vergleich: In der Volksschule ist ein Pädagoge in Vollzeit mit max. 24 Stunden im Kinderdienst, der Rest dient zur Vorbereitung", wird in der Aussndung betont.

"Spielball zwischen Bund und Ländern"

Allen Kindern eine gute und chancengerechte Bildungslaufbahn zu ermöglichen, klinge in der Theorie gut, könne aber in der Praxis nicht gelebt werden. "Der Bund ist für die Ausbildung der Elementarpädagog*innen zuständig. Seit vielen Jahren weisen wir darauf hin, dass diese Ausbildung grundlegend verändert werden muss, da die Berufsentscheidung mit 14 Jahren viel zu früh ansetzt. Tatsächlich steigt nur ein kleiner Teil der BAfEP-Absolventen in den Beruf ein, viele werfen wegen der Rahmenbedingungen bald das Handtuch", heißt es weiter.

Weiters würde der "Fleckerlteppich an gänzlich unterschiedlichen Rahmenbedingungen" die Durchsetzung von qualitätsvollen Arbeitsbedingungen enorm erschweren. Gruppengröße, Gehalt, Öffnungszeiten, Urlaub, Vorbereitungszeit, Fördergeld usw. sind in jedem Bundesland individuell geregelt. Alle diese Faktoren, die zu unterschiedlichen und unzureichenden Rahmenbedingungen führen, seien u.a. für den Pädagogenmangel verantwortlich. "Im Endeffekt sind die Kinder die Leidtragenden, auch ihnen gegenüber fehlt jede Wertschätzung der politisch Verantwortlichen", so die privaten Kindergartenbetreiber.

Die Forderungen: #kindergartenbraucht

Alle politisch Verantwortlichen in Ländern und Bund sind jetzt dazu aufgefordert, gemeinsam und langfristig ein Budget für die Elementarpädagogik über Legislatur-perioden hinweg zu fixieren, das die Verbesserung der Rahmenbedingungen in Kindergärten und Horten ermöglicht. Konkret bedeutet das, statt bisher 0,64% sofort mindestens 1% vom BIP für elementare Bildung zur Verfügung zu stellen.

Eine qualitätsvolle und rasche Ausbildungsoffensive für Elementarpädagog*innen muss sofort gestartet werden.

Zudem ist ein Stufenplan für die Reduzierung der Gruppengröße auszuarbeiten, damit diese in spätestens fünf Jahren der wissenschaftlich empfohlenen Fachkraft-Kind-Relation entspricht – und dies österreichweit einheitlich. Qualitätsvolle Arbeit, die dem BildungsRahmenPlan entspricht, würde etwa einen Fachkraft-Kind-Schlüssel von 1:7 in der Altersgruppe der 3-6 Jährigen benötigen. Dass im Kindergarten dennoch so hochwertige Bildungsarbeit geleistet wird, erfordert höchstes Engagement.

Die Länder und Gemeinden sind auch aufgefordert, öffentliche und private Betreiber*innen finanziell gleichzustellen. Denn jedes Kind und jede Mitarbeiter*in sind gleich viel wert.

Betriebsversammlung: 12. Oktober 2021, 06:00 – 12:30 Uhr

Abschließend betonen die Kiga-Träger: "Trotz alledem begleiten und fördern die Mitarbeiter*innen in den Kindergärten und Horten alle Kinder mit großem Engagement und hoher Kompetenz. Sie waren auch während der Lockdowns stets für die Kinder und Eltern da. Die privaten Wiener Trägerorganisationen Diakonie Bildung, Kinderfreunde Wien, KIWI-Kinder in Wien und St. Nikolausstiftung, die seit letztem Jahr bildungspolitische Forderungen gemeinsam im Netzwerk ,Träger*inneninitiative Elementare Bildung Wien’ vertreten, ersuchen nun alle Eltern, die Kindergarten- und Hort-Mitarbeiter*innen bei ihrem Appell zu unterstützen."

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