Viele Gehsteige in Wien gleichen Hindernisparcours

Für Martin Ladstätter von "Bizeps" sind die zu engen Wiener Gehwege alle paar Meter mit Hindernissen gespickt.
Für Martin Ladstätter von "Bizeps" sind die zu engen Wiener Gehwege alle paar Meter mit Hindernissen gespickt.Sabine Hertel
Ein Drittel der Wege in Wien erfüllen nicht die Mindestbreite. Wie schwer es Menschen im Rollstuhl haben, zeigt Martin Ladstätter für "Heute" vor.

Laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) erfüllen ein Drittel der Gehwege nicht die Mindestbreite von zwei Metern. Im Zuge des ab 1. März gültigen Parkpickerls, fordert man den frei gewordenen Platz für eine Gehwegoffensive zu nutzen, Fußgänger sollen mehr Platz bekommen. Wie schwer das Fortkommen für Menschen im Rollstuhl auf Wiens schmalen Wegen ist, zeigt Martin Ladstätter, Obmann vom "Bizeps“.

"Heute" macht sich mit Ladstätter in der Grundsteingasse (Ottakring) auf den Weg. Kaum aus der Tür stößt man auch schon auf die erste Problemstelle: Ein Fassadengerüst versperrt plötzlich den ohnehin engen Weg, Fußgänger sollen auf die andere Straßenseite wechseln. Über die drei Treppen kann Ladstätter mit seinem Rollstuhl nicht ausweichen. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als zurückzuschieben und den Rückweg anzutreten.

Schrägparker und E-Scooter versperren den Weg

Besonders ärgerlich sind für Ladstätter Schrägparker, die mit ihrer Stoßstange auf den Gehsteig ragen: "Das sollte wirklich nicht mehr erlaubt sein. Aber ich sehe keine Bemühungen der Stadt, die Situation zu verbessern", kritisiert er. Auch ein Verbot für das Abstellen von E-Scooter am Gehweg würde die Situation für Rollstuhlfahrer verbessern. Zu oft müsse man den nachlässig abgestellten Rollern ausweichen, wie Ladstätter erklärt. Das selbe gelte für Fahrräder, die quer über den Gehweg an Verkehrsschildern festgemacht sind.

Tägliche Wege als ständige Unbekannte

Der kurze Spaziergang ist für Ladstätter ein einziger Hindernisparcours: An Hydranten, Poller und bei Ladetätigkeiten kommt er im 70 Zentimeter breiten Rollstuhl kaum vorbei. "Dass ich auf meinen täglichen Wegen plötzlich anstehe, umdrehen und eine andere Route suchen muss, kommt immer wieder vor", schildert er.

Als positives Beispiel für Verbesserungen nennt Ladstätter die benachbarte Thaliastraße, die teilweise bereits umgestaltet wurde. Aber: "Die Stadt solle sich bei der Planung nicht nur auf Einkaufs- und Durchzugsstraßen konzentrieren. In den Nebengassen wird überhaupt nichts getan." Um das zu demonstrieren, reicht ein nur 15-minütiger Spaziergang.

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