Wien

Wir halten für euch am Heiligen Abend die Stellung

Während in den meisten Wohnungen gefeiert wird, halten sie Wien am Laufen. "Heute“ stellt drei Helden des Heiligen Abends vor.
Claus Kramsl
23.12.2021, 16:33

Stille Nacht, heilige Nacht. Alles schläft, einsam wacht:

Caritas-Pflegerin Silvia Schmid

Der 24. Dezember ist für Silvia Schmid (51) kein Arbeitstag wie jeder andere. Seit zehn Jahren meldet sich die Pflegerin freiwillig für den Weihnachtsdienst im Pflegeheim St. Teresa in der Erzherzog-Karl-Straße 129b (Donaustadt): "Auf der Station ist alles viel ruhiger und sanfter. Die Kollegen sind nicht gestresst und jeder hilft den Bewohnern, dass alle hübsch angezogen sind", schildert sie. Es wird Nagellack aufgetragen, die schönste Bluse zugeknöpft und beim Schminken und Schmuck anlegen geholfen.

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Ein Fest wie damals

Nach Keksen und Punsch trägt man gemeinsam aus dem Liederheft vor, das Silvia für alle vorbereitet hat. "Dabei lachen wir ziemlich viel, weil wir alle so falsch singen", erzählt sie glücklich. Dass auch in diesem Jahr keine Angehörigen zu Besuch kommen dürfen, machen Silvia und ihr Team durch viel Weihnachtsstimmung vergessen: "Der Tag ist für uns einfach wunderschön. Eine Dame hat einmal ein paar Tränen verdrückt, weil sie lange kein so schönes Weihnachten mehr erlebt hat und einfach glücklich war. Das Fest erinnert sie an frühere Tage."

Weihnachten im gemachten Nest

Die Arbeit mit ihren Klienten gibt der Pflegerin Energie und Lebensfreude, was auch die Bewohner merken: "Je länger ich den Job mache, desto mehr Begeisterung habe ich für den Beruf. Dafür lebe ich", ist Silvia auch 20 Jahre nach ihrer Ausbildung "überglücklich".

Bedauern, dass sie Weihnachten nicht mit ihrer Familie verbringt, empfindet Silvia nicht: "Meine Kinder sind schon erwachsen und der Vorteil ist, dass mein Mann alles vorbereiten muss. Wenn ich nach Hause komme, ist schon alles aufgeräumt und der Baum geschmückt", so die Pflegerin augenzwinkernd.

Krankenschwester Stefanie Kirnbauer

Auch die Krankenschwester (32) in der zentralen Notaufnahme in der Klinik Ottakring ist trotz ihrer Jugend ein alter Hase, was Dienst am Heiligen Abend betrifft. "Es herrscht schon so etwas wie Weihnachtsstimmung – es ist aber oft auch wirklich viel zu tun. Rund um Weihnachten kommen mehr ältere, oft einsame Menschen, denen es zu den Festtagen psychisch nicht gut geht, was sich dann auch auf den Körper auswirkt", so die Burgenländerin. Auch Heimbewohner, die lange keinen Besuch mehr bekommen haben, gehören zu den Feiertagen zu den "Gästen". "Die Angehörigen bemerken beim Besuch im Pflegeheim, dass es ihren Verwandten nicht gut geht und bringen sie dann zu uns."

Besonders belastend sei, wenn zu Weihnachten ein Patient stirbt. "Es ist gerade zu Weihnachten besonders schwer, Hinterbliebene vom Ableben eines geliebten Menschen zu Informieren", weiß Kirnbauer. Eine Feier unter Kollegen auf der Station gibt es heuer wegen Corona nicht. "Das ist schon immer sehr schön, mit den Kollegen bei Keksen und Kaffee ein bisschen Weihnachten zu feiern. Dass das heuer wieder ausfällt ist schon belastend fürs Team“, so die Diplomkrankenschwester.

Hochspannungs-Dispatcher David Schweitzer

Den ersten Weihnachtsdienst bestreitet heuer Hochspannungs-Dispatcher David Schweitzer (28). In der Steuerungszentrale der Wiener Netze in Simmering hat er das Stromnetz im Blick und alarmiert bei Ausfällen die Störungs-Teams. Am Heiligen Abend geht er "mit einem lachenden und einen weinenden Auge" in den Dienst. "Lachend, weil ich ja eine Verantwortung für unsere Kunden habe und die sehr gerne wahrnehme. Weinend, weil ich am 24. nicht bei meiner Freundin und der Familie sein kann", so Schweitzer. Sein Dienst dauert bis 25. Dezember um 7 Uhr. "Danach geh ich erst einmal schlafen und dann wird nachgefeiert. Es gibt Raclette", freut er sich. 

Die Dispatcher in der Stromsteuerungszentrale der Wiener Netze, einer der weltweit modernsten Leitwarten, überwachen permanent 24 Stunden am Tag die Stromflüsse der Stadt Wien und Umgebung. Sie achten darauf, dass alle Leitungen gleichmäßig ausgelastet sind und leiten Strom – wenn nötig – auf andere weniger frequentierte Leitungen im engmaschigen Wiener Stromnetz um. Auf den raumhohen zwölf Meter großen Bildschirmen überblicken sie in Echtzeit alle Knotenpunkte und Leitungen, die 46 Umspannwerke und rund 1.000 Trafostationen, die sie von der Zentrale aus ansteuern können. Sie koordinieren auch die Einsatzteams, die bei einer Störung hinausfahren, und sorgen dafür, dass bei über zwei Millionen Kunden in der Stadt, die niemals still steht, die Zimmer hell und warm und der Weihnachtsbraten heiß ist.

Schweitzer wünscht allen Wienern "spannende und warme Weihnachten".

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