"Wir sperren auf": Neue Drohung aus Tirol im ORF

Tirols Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser in der ORF-"ZiB 2".
Tirols Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser in der ORF-"ZiB 2".Screenshot ORF
Fast 400 bestätigte und verdächtige Fälle der südafrikanischen Corona-Variante gibt es in Tirol. Von einer Abriegelung will man aber nichts wissen.

Wenn morgen nur ansatzweise irgendetwas aus dem Gesundheitsministerium kommen sollte, dann werden sie uns am Montag richtig kennenlernen", drohte Tirols Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser bereits am Samstag dem Ministerium. Am Sonntagabend legte der ÖVP-Grande in der ORF-"ZiB 2" bei Moderator Martin Thür nach – und stellte eine Umleitung des Transitverkehrs in den Raum.

Seit Stunden wird im Gesundheitsministerium verhandelt, ob Tirol aufgrund der mutierten Coronavirus-Fälle ab Montag abgeschottet werden müsse. 165 bestätigte Infektionen mit der südafrikanischen Variante wurden in Tirol nachgewiesen, dazu kommen 118 Fälle aus Teilsequenzierungen und 112 Verdachtsfälle aus PCR-Tests. Bis am späten Sonntagabend war im Gesundheitsministerium aber noch immer keine Entscheidung zu einer möglichen Abriegelung des Bundeslands gefallen.

"Wir sperren morgen auf"

Eher unwahrscheinlich galt in der Nacht eine Komplettabriegelung Tirols wegen der Cluster, regionale Maßnahmen wie Skifahr-Verbote in stark betroffenen Regionen oder regionale Abschottungen waren allerdings durchaus denkbar. Doch Walser nahm seinerseits die Entscheidung in der "ZiB 2 " vorweg: "Wir sperren morgen auf." Man habe für die Sicherheit der Tiroler Bevölkerung gesorgt und werde die Sicherheitsmaßnahmen einhalten, so der Wirtschaftskammerpräsident.

Das Aufsperren sei allerdings nicht verantwortungslos: Verantwortungslos sei vielmehr das, was momentan "aus dem Gesundheitsministerium" komme: Laut Walser werde mit "vollkommen unterschiedlichen Zahlen" gespielt, es werde "massiv falsch informiert" oder mit falschen Zahlen agiert, so seine Kritik. Tirol war schon einst das erste Bundesland, das abgeriegelt wurde, erinnerte Walser an die Zeit der Ischgl-Affäre.

"Haben satt, dass wir uns ständig ins Rampenlicht stellen und verurteilen lassen"

Man habe es "satt, dass wir uns ständig ins Rampenlicht stellen und verurteilen lassen" müsse, so Walser. Dass derzeit acht Personen aktiv an der Mutation erkrankt seien, zeige das falsche Spiel mit den Zahlen. Seinen "Richtig kennenlernen"-Sager nahm er nicht zurück, im Gegenteil: Man fordere klare Aussagen, und da habe man "einen Ton wählen" müssen, "um gehört zu werden, und das ist uns gestern gelungen". Folgen ließ er dafür gleich die nächste Drohung.

Wenn man Tirol jetzt zumache beziehungsweise die Kritik aus dem Ausland anhören müsse, müsse man überlegen, ob der Transitverkehr nicht bald über andere Bundesländer fahre als über Tirol, so Walser. Er bestritt, dass das Bundesland aber einfach "unreguliert" aufmachen würde: "Wir unterstützen alles, was an Maßnahmen geplant ist." Zudem werde in Tirol massiv getestet und "wir fordern nur, dass wir gleich behandelt werden". Zu Polit.Wortmeldungen aus anderen Bundesländern sagte Walser: Jeder solle auf sein Bundesland schauen.

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