Welt

"Wir wissen bald nicht mehr, wohin mit den Toten"

Die zweite Coronawelle trifft den Kanton Wallis in der Schweiz heftig. Bestatter kommen an ihre Kapazitätsgrenzen.
20 Minuten
16.11.2020, 16:26

In den letzten sechs Wochen gab es im Kanton Wallis mehr Todesfälle als in den sechs Monaten zuvor. Allein in der vergangenen Woche sind 59 Personen an den Folgen des Coronavirus gestorben. Das bringt Bestatter im Kanton an ihre Kapazitätsgrenzen.

Bestatter völlig überfordert

"Wir sind am Anschlag sagt Bestatter Eric Pagliotti zu "Le Dimanche Matin". So komme es vor, dass Beerdigungen verschoben werden müssten. "Wir wissen bald nicht mehr, wohin mit den Toten" Patrick Quarroz, Präsident des Walliser Verbandes der Bestattungsunternehmen, bestätigt: "Wir sind völlig überfordert." 

Was die Situation für die Hinterbliebenen zusätzlich erschwert: Im Kanton Wallis sind nur 30 Personen pro Abdankung zugelassen. In dem meisten anderen Kantonen sind es 50. Aus diesem Grund können die Abdankungen auch aufgezeichnet oder im Internet übertragen werden. Die Nachfrage nach diesem Angebot sei jedoch gering.

Im Gegensatz zur ersten Welle dürfen sich die Angehörigen wieder am offenen Sarg vom Verstorbenen verabschieden. Zu Beginn der Pandemie war dies nicht möglich – die Leichen mussten in Leichensäcken aufbewahrt werden. Jetzt sei jedoch bekannt, dass das Virus nicht länger als fünf bis neun Stunden in einem toten Körper leben könne. "Wir raten den Familien jedoch weiterhin, die Verstorbenen nicht zu küssen", sagt Boris Pagliotti, der Sohn von Eric Pagliotti.

Am Freitag wurden in der Schweiz 6739 Neuinfektionen vermeldet. 97 Personen sind innerhalb von 24 Stunden gestorben – 262 wurden ins Spital eingeliefert.

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