Österreich

Wirbel um die Wiener Tierrettung

Heute Redaktion
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Bild: Helmut Graf

Seit Wien das TierQuarTier betreibt, ist das Verhältnis zwischen Stadt und Wiener Tierschutzverein (WTV) angespannt. Jetzt schlägt der WTV Alarm: Die Stadt habe den Tierrettungsdienst "de facto aufgegeben", heißt es am Dienstag. Stimmt nicht, heißt es von der zuständigen MA60. Alles bleibe wie bisher.

Seit Wien das TierQuarTier betreibt, ist das Verhältnis zwischen Stadt und Wiener Tierschutzverein (WTV) angespannt. Jetzt schlägt der WTV Alarm: Die Stadt habe den Tierrettungsdienst "de facto aufgegeben", heißt es am Dienstag. Stimmt nicht, heißt es von der zuständigen MA60. Alles bleibe wie bisher.
"Die Stadt Wien dürfte de facto den Rettungsdienst aufgegeben haben, ohne den WTV, der ja eigentlich ein vertraglicher Kooperationspartner ist, vorab darüber zu informieren. Denn das Tonband der Tierschutzhelpline in Wien, welches von der MA60 (Veterinäramt) betrieben wird, wurde geändert. Dort hören die Anrufer seit kurzem, dass nur noch ein „Fundservice für Haustiere“ angeboten wird", heißt es vom WTV. Auf Nachfrage bei der MA60 sei dies auch bestätigt worden. "Vögel und Wildtiere aller Art werden demnach nicht mehr betreut, das ursprünglich alle Tiere umfassende Rettungs-Service ist zerstört", sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. Sie ortet hier neben einem massiven Nachteil für notleidende Tiere auch eine Verletzung der Intentionen der Verträge von 2015.

Das bedeute, dass es in Zukunft die Finder selbst, also Privatpersonen, überlassen werde, die Tiere in Einrichtungen – wie etwa das Tierschutzhaus – zu bringen, befürchtet der Tierschutzverein. Dem WTV hätte die Beendigung des Rettungsvertrages mit der Stadt Wien mit 30 Juni 2015 enorme Kosten verursacht, so der WTV.

"Eigentlich ist dies eine unglaubliche Ungerechtigkeit an den Bürgerinnen und Bürgern Wiens, denn sie haben die Kosten für die städtische Tierrettung, wie etwa den Kauf neuer Tierrettungsfahrzeuge und dergleichen, mitgetragen. Nun sind sie, wenn sie ein verletztes Wildtier oder einen Vogel gefunden haben, auf sich allein gestellt", so Petrovic. Es bestehe keine Transparenz, so Petrovic. So habe etwa der WTV alle Daten eingegangener Tiere an die Stadt zu melden, erfahre jedoch nicht, welche Tiere im Tierheim der Stadt Wien aufgenommen worden sind.

Stadt: Neuer Name, alles wie bisher

Alles bleibe beim Alten, versucht die MA60 zu beruhigen. "Die Tierrettung der Stadt Wien wird keinesfalls eingestellt!", weist Dr. Ruth Jily, Chefin der MA 60 die heutigen Aussagen des WTV auf das Schärfste zurück. Die Tierrettung habe lediglich einen neuen Namen, nämlich "Fundservice für Haustiere". Dieser sei 24 Stunden am Tag erreichbar (01/4000-8060). "Die Versorgung aller Tiere, die menschliche Hilfe benötigen, hat weiterhin oberste Priorität für den Tierschutz in der Stadt", so Jily weiter. Der Wiener Tierschutzverein sei ein langjähriger Kooperationspartner der MA 60, der jährlich von der Stadt Wien 100.000 Euro für die Versorgung der Wiener Wildtiere und Vögel als Unterstützung erhält.

Der WTV sieht die Sache weiterhin anders. Der WTV habe nur durch Zufall von der Umbenennung der Tierrettung in "Fundservice für Haustiere" erfahren. "Wenn sich tatsächlich nichts ändert, weshalb benennt man dann ein Service von Tierrettung in "Fundservice für Haustiere" um und investiert auch noch Geld in die Aufnahme einer neuen Tonbandaufzeichnung der Tierschutzhelpline und dergleichen?", fragt Petrovic. Und: Auf der Homepage stehe seit kurzem: "Abholung von in Wien gefundenen Haustieren, herrenlosen und beschlagnahmten Tieren, kein Transport für kranke Privattiere". Wildtiere seien außerdem vom "Fundservice" ausgeschlossen.