Wirbel wegen Jagd auf Mausschwänze

Einige Gemeinden in der Schweiz und Liechtenstein zahlen eine Schwanzprämie auf Mäuse. In manchen Kantonen wird die Jagd sogar professionell betrieben.

"Die Mäusejagd hat bei uns Tradition. Das wird schon ewig so gehandhabt und hat sich bewährt", erzählt der Sennwalder Gemeindepräsident Peter Kindler. 2016 seien in seiner Gemeinde 10.000 Schwänze abgegeben worden, für jeden gab es 1,50 Franken.

Meist seien es Jugendliche, die auf Mäusejagd gehen. Sie hätten das Handwerk von ihren Eltern oder Großeltern gelernt. "Die Alternative wäre Gift, das wäre aber auch für Vögel und andere Tiere schädlich. Deshalb ist die Jagd die natürlichste Art, die Mäuse loszuwerden", so Kindler.

Kinder bessern Taschengeld auf

Dem stimmt auch Fredy Schöb, Gemeindepräsident von Gams, zu: "Diese Art ist nicht nur ökologisch, sondern auch verhältnismäßig human." In Gams gibt es für die Mäuseschwänze pro Jahr ein Budget von 4.000 Franken, 2016 hatte es allerdings nicht ausgereicht. Laut Schöb ist die Prämie immer noch verankert.

"Wir wollten sie einst abschaffen, aber der Widerstand in der Bevölkerung war zu groß", so Schöb. Es sei eben eine Tradition und für Kinder eine Möglichkeit, ihr Taschengeld aufzubessern.

Professionelle "Feldmauser"

Auch in Liechtenstein setzen die Gemeinden auf die Mausschwanzprämie. In Triesen werden laut dem "Liechtensteiner Volksblatt" sogar 3,50 Franken, in Planken 3 Franken pro Schwanz gezahlt.

In der Gemeinde Balzers gibt es professionelle Mauser. "Die Bürgergenossenschaft Balzers lässt flächendeckend alle landwirtschaftlich genutzten Parzellen in Balzers durch die drei Feldmauser betreuen", sagt Vorstandsmitglied Bruno Foser. Sie würden jeweils pro Jahr 3.500 bis 4.800 Mäuse fangen. Mäuse können in der Landwirtschaft Schäden anrichten.

Mäuse werden gefroren und verfüttert

Einer der Feldmauser ist Jakob Bürzle. Seine Arbeit sei eigentlich ganz einfach: "Ich suche die Gänge der Mäuse, putze sie etwas heraus und platziere dort meine Falle." 20 Fallen habe er insgesamt. Dann müsse er nur noch warten, bis die Falle zuschnappt und etwa alle halbe Stunde nachsehen. Die Jagdsaison gehe von April bis November. "Die Tiere werden danach gefroren und schließlich einem Greifvogelpark abgegeben", so Bürzle. (mle)

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