"Wirklich böse" – Experte packt über Politik aus

Martin Wolf, Chefkommentator der "Financial Times", am späten Montagabend in der ORF-"ZIB2".
Martin Wolf, Chefkommentator der "Financial Times", am späten Montagabend in der ORF-"ZIB2".Screenshot ORF
Populistische Politik kommt bei den Menschen immer besser an – nicht nur von Donald Trump. Was sie erfolgreich macht, verriet im ORF ein Experte.

Gegen den 77-jährigen Ex-US-Präsidenten Donald Trump laufen mittlerweile vier Strafverfahren. Dennoch will er bei der Präsidentenwahl im November kommenden Jahres erneut für die Republikaner antreten. Wie Experten einschätzen, könnten ihn dabei nicht einmal Verurteilungen oder Haft vor der Wiederwahl stoppen – er könnte sich wahrscheinlich sogar bei einem Wahlsieg nach einer Verurteilung auf Bundesebene selbst begnadigen. Anders aber bei einer Verurteilung auf Bundesstaats-Ebene, wo das nicht möglich sei. Doch warum stehen noch immer so viele Menschen hinter seiner populistischen Politik?

Die "Vorzeichen", dass Trump erneut zum Präsidenten gewählt werden könnte, stünden "ganz gut", analysierte Martin Wolf, der Chefkommentator der "Financial Times", am späten Montagabend in der "ZIB2" bei ORF-Moderator Armin Wolf. "Ich denke, dass er viel gelernt hat und stark weiterentwickelt hat, und das zum Schlechteren", so der Experte. Trumps Ideen in seiner ersten Amtszeit seien sehr "unschlüssig" gewesen und er habe wichtige Positionen nicht unbedingt mit Vertrauten besetzt. "So richtig radikal" sei es erst geworden, als Trump der Amtsverlust gedroht habe, so Martin Wolf.

"Ein wirklich böses politisches Programm"

Werde Trump erneut Präsident, würde er "mit vielen Menschen ins Amt" kommen, die er vorausgewählt habe und die die Demokratie aushebeln wollen würden. "Er wird die belohnen, die er belohnen will, und die bestrafen, die er bestrafen will", so der Kommentator. "Wer weiß, was er noch alles transformieren will." Man würde auf eine ganz andere zweite Amtszeit blicken, so der Experte, eine weitaus düsterere. Trump habe kein wirkliches politisches Programm, so Wolf, aber er werde von Menschen unterstützt, die "ein wirklich böses politisches Programm" hätten. So sei es auch bei den extrovertierten und psychopathischen römischen Herrschern gewesen.

Trump wolle an die Macht, was die Menschen hinter ihm wollen würden, sei ihm egal, so Wolf. Diese Politik käme so gut an, weil Arbeiter und Menschen der Mittelschicht glauben würden, dass sie "nach unten rutschen" würden und keinen Platz in der modernen Wirtschaft hätten, so der Experte. "Sie fühlen sich als Opfer des kulturellen Wandels", und das sei eine explosive Mischung, die Demagogen gut ausnutzen könnten, so Wolf. Diese Menschen würden sich eher rechten als linken Parteien zuwenden, so Wolf – weil die Linken zwar eine Hoffnung auf Verbesserung als Versprechen hätten, das Versprechen der Rechten aber immer gewesen sei, dass man seine Wut ausleben dürfe. "Und die Menschen sind wütend", so Wolf.

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