Fast jeder zweite Lehrling ist verunsichert. Viele fürchten um ihren Job. Sonja Zwazl, Präsidentin der Wirtschaftskammer, beruhigt im Heute-Interview: Nicht alle Betriebe, die Lehrlinge suchen, melden sich beim AMS. Wir helfen mit Lehrstellenberatern. Wichtig für junge Menschen sei vor allem rechtzeitige Berufsorientierung.
Heute: Laut Arbeiterkammer fehlen in Niederösterreich 2200 betriebliche Lehrstellen ...
Zwazl: Nein, diese Zahl stimmt nicht. Es gibt eine Liste von Betrieben, die Lehrlinge suchen. Wir haben einen Fachkräftemangel.
Aber fast jeder zweite Lehrling fürchtet um seinen Ausbildungsplatz. Was ist zu tun?
Die Angst ist übertrieben. Hören wir auf mit diesen ideologischen Zuweisungen und der Kritik an den bösen Arbeitgebern. Wir machen Pilotprojekte, haben sieben Lehrstellenberater und bieten die Potenzialanalyse an, die ist super. Wir bemühen uns, junge Leute, die keinen Lehrplatz bekommen haben, in unseren Betrieben unterzubringen. Es melden sich nicht alle Betriebe beim AMS.
Wieso?
Wenn Kleinbetriebe laufend Leute zugeteilt bekommen und auswählen müssen, sagen viele, es ist ihnen zu mühsam und suchen lieber selber.
Tauchen die Fachkräfte lieber im Pfusch unter?
Was macht den Pfusch attraktiv? Die fehlende Mehrwertsteuer. Deutschland hat den Handwerkerbonus eingeführt, das kommt gut an. Ich frage mich, warum wir dem nicht näher treten.
Was würde eine Zusammenlegung der Sozialversicherungsträger bringen?
In der Sache bringt es Null Komma Josef. Einen Generaldirektor einzusparen, macht das Kraut nicht fett. Und kleinere Einheiten kann ich besser kontrollieren. Es gibt schon Einsparmöglichkeiten ...
Welche denn?
Ehrlich: der größte Anteil sind die Ärztehonorare. Und was ich absolut nicht verstehe: Wieso werden Leute in der Arbeitslosigkeit so viel mehr krank als wenn sie arbeiten? Ich weiß es nicht, aber man muss tabulos darüber reden.
Wird es zur Abschaffung der Lustbarkeitsabgabe kommen?
Wir kämpfen weiter darum.
Elisabeth Czastka und Emanuel Lampert