8441 Menschen sind 2015 an den Folgen einer Überdosis gestorben, fast die Hälfte davon in Deutschland und Grossbritannien. Damit stieg die Zahl der Drogentoten zum dritten Mal in Folge, wie aus dem am Montag veröffentlichten Jahresbericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) hervorgeht.
Im Jahr 2014 zählte die Europäische Beobachtungsstelle 7950 Drogentote. Damit ist ein Anstieg von sechs Prozent binnen eines Jahres zu verzeichnen. 31 Prozent der Drogenopfer im Jahr 2015 stammten demnach aus Grossbritannien, 15 Prozent aus Deutschland. 80 Prozent der Opfer erlagen den Folgen von eine Überdosis Kokain oder Opioiden. Mehr als drei Viertel der Opfer waren Männer.
Derzeit leben 1,3 Millionen Menschen in Europa, die wegen ihrer schweren Sucht als besonders gefährdet gelten. 93 Millionen Europäer probierten schon einmal Drogen, 17,5 Millionen versuchten Kokain.
Anstieg synthetischer Drogen
Besorgniserregend sei vor allem, "dass junge Menschen vielen neuen und gefährlichen Drogen ausgesetzt" seien, erklärte EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos. Zwischen 2009 und 2016 wurden demnach 25 hoch potente synthetische Opioide entdeckt. Bereits kleine Mengen der Stoffe reichen aus, um unzählige Dosen zu produzieren.
Allein 2016 stiess das Europäische Frühwarnsystem (EWS) auf 66 neue psychoaktive Substanzen (NPS), im Vorjahr waren es 98. Damit standen Ende des vergangenen Jahres 620 Substanzen auf dem Radar der Beobachtungsstelle – 2013 waren es noch 350 Stoffe.
Neben morphinähnlichen Opioiden und Cannabis enthielten viele synthetische Substanzen zudem Amphetamine sowie die Psyche beeinflussende Benzodiazepine, wie sie etwa in starken Beruhigungsmitteln zum Einsatz kommen.
Kokain und Ecstasy liegen vorne
Unter besonderer Beobachtung stehen zudem sogenannte Fentanyle, die eigentlich als Schmerzmittel bei Narkosen eingesetzt werden. Sie hätten eine zum Teil "um ein vielfaches stärkere Wirkung als Heroin", heißt es in dem Drogenbericht. Durch Hautkontakt oder Einatmen könnten auch Dritte gefährdet werden. Anfang dieses Jahres untersuchte die Beobachtungsstelle demnach zwei solcher Stoffe, mit denen mehr als 50 Todesopfer in Verbindung gebracht wurden.
In Europa nimmt der Handel mit Fentanyl stark zu: 60 Prozent der entdeckten neuen psychoaktiven Substanzen waren Fentanyle. Die am meisten in Europa konsumierten Drogen bleiben laut EBDD aber Kokain und MDMA, das in Tablettenform auch als Ecstasy bekannt ist, sowie Amphetamine. 2015 beschlagnahmten die Behörden 69.4 Tonnen Kokain und damit deutlich mehr als im Vorjahr (51,5 Tonnen).
Die Beobachtungsstelle veröffentlicht jedes Jahr im Auftrag der EU-Kommission einen Drogenbericht, der die jüngsten Entwicklungen in den 28 EU-Mitgliedstaaten sowie in Norwegen und der Türkei aufzeigt. Für die Schweiz hingegen gibt es bei der EBDD keine Zahlen. (red)