"Mein Sammy ist 17 Jahre alt. Er braucht Medikamente wegen seiner Schilddrüse. Obwohl er mega verfressen ist, ist er also sehr dünn", erzählt Hannah M. Ihr Kater ist regelmäßig im Stiegenhaus in der Wiener Leopoldstadt unterwegs. Das wurde ihnen nun zum Verhängnis.
"Jeder kennt Sammy. Ich hab ihn aus dem Tierheim seit er acht ist, er wohnt seit fast zehn Jahren bei mir. Jeder weiß, dass er zu mir gehört und dass ich mich gut um ihn kümmere. Das ganze Haus ist sehr familiär, er ist auch viel im Hof unterwegs, kommt natürlich aber immer wieder nach Hause", erzählt Hannah.
Gäste einer Nachbarin kannten den Kater aber nicht. Die Leute hätten Sammy im Stiegenhaus gesehen und sich Sorgen gemacht, weil er so dünn sei. "Die Nachbarin hat ihnen erklärt, dass es ihm gut gehe und sie wisse, zum wem er gehöre", schildert die 41-Jährige. Die Besucher wollten das aber nicht hören: kurzerhand packten sie Sammy ein und brachten ihn ins Tierquartier.
Von dort bekam Hannah M. schließlich auch den Anruf. "Ich konnte Sammy erst am nächsten Tag in der Früh abholen, musste 36 Euro bezahlen, damit ich ihn wieder mitnehmen darf", so die Wienerin. Die Mitarbeiter hätten ihr versichert, dass Sammy fit aussieht. "Sie haben ihm den Spitznamen "Ka-Wum" gegeben. Er ist also gar nicht so arm oder krank, wie er wirkt", erzählt sie.
Für die Katzenbesitzerin ist die Situation dennoch ärgerlich. "Sammy bekommt Spezialnahrung. Als ich ihn abgeholt habe, hat 12 Stunden nichts gefressen und wirkte auch ein bisschen verstört. Er wurde ja bei fast 40 Grad von fremden Leuten quer durch die ganze Stadt kutschiert. Er hat sich auch danach daheim noch eine Zeit verkrochen. Auch meine Kinder haben sich extreme Sorgen gemacht. Und unsere zweite Katze war so verwirrt ohne Sammy, dass auch sie nichts fressen wollte".
Was sie allerdings am meisten stört, ist die Uneinsichtigkeit der selbsternannten Tierretter. "Die haben gemeint 'aber er hat geschnurrt, als ich ihn hochgenommen habe'. Die haben mir vorgeworfen, ich wäre eine Tierquälerin", so Hannah. Für sie unverständlich: "Wenn man wirklich so besorgt ist, hätte man sich auch durchläuten und nachfragen können".
Ähnlicher Rat kommt aus dem TierQuarTier. "In erster Linie sollte man einmal schauen, ob sich das Tier sicher verhält. Also habe ich das Gefühl, es kennt sich in seiner Umgebung aus oder ist es verloren?", erklärt TierQuarTier-Sprecherin Anna Putz. Hat man das Gefühl, das Tier ist verloren, solle man versuchen, es zu sichern und das TierQuarTier zu verständigen. Die Tierrettung werde erst hinzugezogen, wenn ein Tier wirklich verletzt ist. "Und grundsätzlich empfiehlt es sich, die Tiere chippen und registrieren zu lassen. So kann man im Falle des Falles den Besitzer wieder finden", so Putz.