Woher kommt der Name Schanigarten?

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Was bei unseren deutschen Nachbarn vornehmlich der Biergarten ist, ist bei uns Wienern der Schanigarten. Rein rechtlich getrennt vom Gastgarten und eng mit der Wiener Kaffeehauskultur verknüpft, ist der Schanigarten gerade an schönen Sommertagen des Wieners liebste Örtlichkeit. Doch woher kommt der Name Schanigarten und wieso ist er eine Eselsbrücke für die Zeitumstellung?

Die erste Genehmigung für einen Schanigarten in Wien hat es rund um das Jahr 1750 gegeben. Der Italiener Giovanni "Gianni" Taroni (auch als Johann Jakob Tarone bekannt) richtete im Alter von 71 Jahren einen Gastgarten vor seinem Café am Graben ein. Dies gefiel der Wiener Bevölkerung so sehr, dass auch die Konkurrenz darauf aufmerksam wurde und die Idee Schule machte. Vor allem deshalb, weil es sich für Frauen nicht schickte ins Kaffeehaus zu gehen, sondern nur in die Konditorei. Sie konnten durch den Gastgarten nun erstmals am beliebten Kaffeehausleben teilnehmen.

Diskussion über den "Schani"

Woher der Schanigarten schlussendlich seinen Namen hat, ist dennoch bis heute nicht vollkommen geklärt. Nach der einen Idee stammt er aus "Giannis Garten". Die andere besagt, dass "der Schani" als Hilfsdiener von Kellner und Ober irgendwann einmal den Auftrag bekam: "Schani, trag' den Garten raus". Dieser brachte dann Sessel, Tische und Blumenkisten hinaus ins Freie und der Schanigarten war geboren.

Schani ist aber auch eine Silbenverkürzung von "Schau nur hin". Da die Konsumflächen zumeist frei einsehbar sind, ermunterten die Gäste mit dieser Ansprache Passanten scherzhaft, ihnen beim Essen und Trinken zuzusehen. Auch Ortsfremde wiesen mit dem Ausruf "Schau!" Mitreisende darauf hin, dass Frauen an der Kaffeehauskultur teilnehmen, was unüblich war. Da auch Alkohol konsumiert wird, wurde die Aussprache von "Schau nur hin" zu späterer Stunde zunehmend schwieriger und verkürzte sich zunächst zu: Scha-na-hi, woraus über die Jahre dann kurz Scha'n'i entstand.

Wieder andere leiten die Bezeichnung "Schanigarten" vom französischen Wort "Jean" ab, mit welchem im 19. Jahrhundert der Kellner in Wien gerufen wurde.
Für Wiener ist jeder Gastgarten ein Schanigarten

Sprachlich macht der heutige Wiener zwischen "Schanigarten" und "Gastgarten" keinen Unterschied mehr. Für ihn ist traditionell auch der Gastgarten ein Schanigarten. Ein Schanigarten bezeichnet jedenfalls vor allem im östlichen, aber auch immer öfter im südlichen Österreich einen direkt vor einem Gastronomiebetrieb auf öffentlichem Grund liegenden Bereich, in dem Tische zur Konsumation aufgestellt sind. Es handelt sich nicht um einen Garten oder Grünbereich. Meistens sind Schanigärten mit Blickschutzwänden eingezäunt, auf einem Podium errichtet oder mit Topfpflanzen geschmückt. In Deutschland wird das Gegenstück zu einem Schanigarten Freischankfläche oder vielfach auch Biergarten genannt.

Sehen und Gesehen werden

An schönen Tagen zwischen März und Oktober sind die vor einem Kaffeehaus, Wirtshaus oder einem anderen Restaurant stehenden Tische und Sessel der Schanigärten in Wien überaus beliebt und zumeist von Mittag bis in die Abendstunden knallvoll. Die Schanigärten sind Orte der Entspannung und befriedigen das Sehen und Gesehen-Werden - nicht nur bei der High Society. Gerade in den Wiener Bezirksgrätzln trifft sich im Schanigarten die Nachbarschaft zum Meinungsaustausch.

Eselsbrücke für die Zeitumstellung

Als Schanigarten-Prinzip bezeichnet man übrigens zu guter Letzt die Eselsbrücke, um sich die richtige Uhreinstellung bei der Umstellung auf die Sommerzeit zu merken:

"Wird der Schanigarten vor das Haus geräumt, so wird auch die Uhr vorgestellt. Wird der Schanigarten hineingeräumt, so wird auch die Uhr wieder zurückgestellt zur Winterzeit."

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