Die Pandemie hat vielen Frauen graue Haare beschert – im wahrsten Sinn. Immer mehr nehmen das nun aber zum Anlass, ihre silberne Mähne mit mit Stolz zu tragen. Wahl-Burgenländerin Silvi S. wagte den Schritt heuer zu ihrem 55. Geburtstag mit gemischten Gefühlen. "Einige Freunde meinten, dass mich das zehn Jahre älter macht und rieten mir, wieder zu färben. Das hat mich ziemlich verunsichert." Heute steht die Coachin dazu und findet es "richtig praktisch und schick."
Auch Sabine aus Wien setzt auf den Grau-Effekt. Früher war sie rötlich, dann blond, aber Färben machte ihre Haare kaputt. "Ich kaufte mir das Buch 'Glückssträhnen' von Sophie Fontanel, ab diesem Zeitpunkt war es für mich klar – ich bleibe bei meiner Naturhaarfarbe – mir taugt’s", freut sich die 49-Jährige.
Auch Daniela steht zu ihrem natürlichen Aussehen: "Mein Friseur, mein Mann – alle meinten: Du bist viel zu jung für graue Haare! Aber ich Dickschädel mach sowieso, was ich will", lacht sie. Seit sie Silber trägt, "bin ich nur glücklich darüber."
Silke aus Wien bekräftigt das: "Ich stehe zu meinem Naturlametta." Angela atmet ebenfalls auf, seit sie die Farbe hinter sich ließ: "Meine Haare sind einfach viel glücklicher, seit sie sein dürfen, wie sie sind." Die psychologische Beraterin Angelika hat den Schritt ebenfalls gewagt. "Mein wahres Ich hat es nämlich satt, die Haare, die bereits mit 30 ergraut sind, zu färben. Mein wahres Ich hat keine Lust immer perfekt geschminkt, trainiert und hübsch zu sein. Mein wahres Ich findet, dass ich auch ohne äußeren Firlefanz schön bin", ließ sie ihre Follower bestärkt auf Facebook wissen.
Wienerin Petra (55) hat die graue Zeit ebenfalls hinter sich gelassen, sie ist inzwischen fast komplett Weiß. "Ich habe erst gehadert, ein bissl gefärbt, dann mit Naturtönungen rumgemacht, jetzt stehe ich dazu und es ist fast ein bisschen ein Markenzeichen geworden."
Michaela, die ebenfalls kein Grauen bei grauen Haaren verspürt, sagt sogar: "Ich habe jede Menge Komplimente bekommen, seit ich aufgehört habe, zu färben." Für die Wienerin Ju war es auch ein Aha-Erlebnis der anderen Art, als sie sich von ihrer brünetten Naturfarbe verabschiedete. "Jetzt ist mein Ziel, langes weißes Haar zu haben. Meine Friseurin begleitet mich durch diese zweifarbige Zeit. Das erste Mal mache ich auch die Erfahrung als 'Blondine', ich wusste nicht, dass es Männer gibt, die wirklich stark reagieren, ich dachte das sind nur Gerüchte", lacht sie.
Doch nicht jede Frau kann mit der Silber-Revolution etwas anfangen. "Ich färbe meine Haare, sie werden sonst gelblich-grau", gibt Loos-Bar-Chefin Marianne Kohn unumwunden zu. Christina aus Wien ist auch keine Anhängerin des neuen Farblos-Trends: "Ich finde nicht, dass das was mit Würde zu tun hat, sondern mit persönlichem Geschmack, welche Farbe man am Kopf hat." Auch Friseurin Claudia hat andere Erfahrungen mit dem Ergrauen gesammelt: "Alle Kundinnen, die es versucht haben, färben wieder. Der Trend hielt sich bei meinen Damen nicht."
Für alle, die sich von Farbe am Kopf verabschiedet haben, ist es mehr als ein Trend. Es ist die Freiheit zu sein, wer man möchte.