In Russland hat am Sonntag ein Mann gegen die Schließung von McDonald’s protestiert. So kettete er sich mit einer Handschelle an die Eingangstür der Filiale am Moskauer Pushkin-Platz und rief: "Die Schließung ist ein feindseliger Akt gegen mich und meine Mitbürger." Er wurde schließlich von Sicherheitskräften abgeführt. Bei dem leidenschaftlichen McDonald’s-Fan handelt es sich um den Pianisten Luka Safronov. Dieser ist zudem der Sohn des bekannten Malers Nikas Safronov, dem in Russland zahlreiche Auszeichnungen verliehen wurden.
Auf Instagram hat Luka 12’800 Followerinnen und Follower, auf seinem Telegram-Kanal sind es 2500. Dort veröffentlichte er einen langen Beitrag und schrieb: "Dieses Manifest ist mein friedlicher Protest gegen die Beleidigung meiner Würde und die Verletzung meiner Freiheiten." In dem Beitrag bezeichnet sich der 270-Kilo-Mann zudem als "body positive". Auf seinem Instagram-Kanal sieht man Luka unter anderem auf internationalen Reisen und beim Konsum von westlichen Gütern. Dinge also, die für Russen wegen der Sanktionen nur noch eingeschränkt möglich sind.
Über 12’000 Menschen haben Luka Safronovs auf Telegram veröffentlichtes Manifest bereits gelesen. Dort erzählt er: "Ich bin am 31. Oktober 1990 geboren – nur neun Monate nach der Gründung des ersten McDonald’s in Russland. Mit McDonald’s kamen verschiedene Freiheiten in mein Leben. Die Freiheit, selber wählen zu können, mich frei bewegen zu können, und die Freiheit, meine eigenen Werte auszubilden und diesen zu folgen."
Safronov zeigt sich damit froh über den Fall des Eisernen Vorhangs, mit dem der "American Way of Life" auch in Russland langsam Einzug hielt. So drückt er seine Dankbarkeit an die USA aus: "Es ist nicht nur Fast Food. Die Amerikaner gaben uns eine Idee, was freies und unabhängiges Denken ist, indem sie ihre Philosophie der Toleranz und Demokratie vermarkteten."
Während seine Zeilen pro-amerikanisch und russland-kritisch sind, steht er den westlichen Sanktionen sehr feindlich gegenüber, da diese ihn als unschuldigen Bürger treffen würden. So kritisiert er: "Ich kann nicht verstehen, wieso ich persönlich bestraft werde." Anschließend geht er sogar so weit, die Sanktionen als einen "ökonomischen und psychologischen Genozid" zu bezeichnen. Schwer zu sagen, ob Safronov diese Zeilen komplett ernst meint, oder ob es sich um einen medialen Stunt handelt, der ihm möglichst viel Aufmerksamkeit einbringen soll.
Safronov gehört vermutlich zur wohlhabenden russischen Elite, die von den derzeitigen Sanktionen schwer getroffen wird und darüber verärgert ist. Zumindest öffentlich richtet sich Safronov mit seiner Kritik jedoch nicht an Putin und das russische Regime, die den Krieg in der Ukraine angezettelt haben, sondern nur an die USA und die Leitung von McDonald’s. Gleichsam könnte die Aktion nicht bloss als Kritik an den Sanktionen, sondern auch als Kritik an dem Krieg verstanden werden.
Auf jeden Fall freut Safronov sich über die Aufmerksamkeit, die ihm der öffentliche Auftritt eingebracht hat. So verkündete er am Montag auf Instagram: "Ich bin leicht davongekommen, eine Busse und ein Eintrag wegen ordnungswidrigem Verhalten. Danke an euch alle für die Tausenden Kommentare! Speziellen Dank an die Polizisten für ihre Hilfe während der Verhaftung."