Wüste Prügelei in Gericht: "Heute" hat alle Fotos

Erst Liebe, dann Hiebe: Eine Serienbetrügerin wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt. Unter Tränen gab sie ihren Kindern einen Abschiedskuss. Vor dem Saal eskalierte dann die Lage.

"Bist verrückt geworden, deine Kinder schauen zu" – mit ungewöhnlich derben Worten versuchte Anwalt Nikolaus Rast am Dienstag eine wilde Prügelei am Landesgericht zu schlichten. Schreie gellten, Taschen und Fäuste flogen – bis der Jurist energisch einschritt.

Nach dem Schuldspruch sind beim Anhang des angeklagten Paares die Wogen hochgegangen. Opfervertreter Werner Tomanek kommentierte das Treiben gewohnt launig: "Mein Opa hat immer gesagt: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich."

"In einer Phantasiewelt gelebt"

Nur Minuten davor waren Barbara N. (26) und ihr Partner Kristijan S. (30) vor den Augen ihrer weinenden Söhne verurteilt worden – nicht nach Faustrecht, sondern der Strafprozessordnung. In nur acht Monaten lockte die zierliche Slowakin Barbara N. einem Wiener Senior (80) knapp 100.000 Euro heraus – weil sie ihm immer wieder Notsituationen (Krankheiten, Begräbnis- und Spitalskosten) vorgespielt hatte.

Ihr Partner, der illegal eine Waffe besaß, stifte sie an, Golddukaten mitzunehmen. Dafür wurde er zu einer Geldstrafe von 1.200 Euro verdonnert. Richter Gerald Wagner hatte an die voll geständige Angeklagte nur eine einzige Frage: "Was haben S' mit dem Geld gemacht?" Kleinlaute Antwort: "Taufe für die Kinder, Haus renoviert – aber ich bin zu nervös, um das zu erzählen. Ich bin schuldig." Anwalt Rast brachte es auf den Punkt: "Sie hat in einer Phantasiewelt gelebt."

Nun drei Jahre Häf'n

Nun hat sie drei Jahre Zeit, um auf den Boden der Tatsachen zu finden – als zwei Mal einschlägig vorbestrafte Frau wurde sie zu einer unbedingten Haftstrafe verdonnert, ein Jahr Gefängnis war zudem noch aus einem vorhergehenden Verfahren offen. Die bedingt nachgesehene Buße wurde widerrufen.

Opfer erbost: "Bin bankrott"

Das Opfer giftete: "Das ist ja unwahrscheinlich. Ich bin bankrott und will wissen, wo das Geld hin ist. Ich komm' mir vor wie die Mutter Teresa." Anwalt Werner Tomanek: "Mein Klient hat wirklich alles verloren, es wäre – auch wegen seines doch schon recht stattlichen Alters – wichtig, dass hier bald der Schaden wieder gut gemacht wird …"

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