Wut-Wirt: "Ich könnte den Gästen ins Glas husten"

Siegfried Dörre betreibt den Heurigen "Zum Berger".
Siegfried Dörre betreibt den Heurigen "Zum Berger".
Martina Siebenhandl
Siegfried Dörre ist Heurigen-Gastronom in Wien Döbling. Über die Corona-Maßnahmen der Regierung zeigt er sich – vorsichtig ausgedrückt — verwundert.

Seine Gäste haben Angst, sagt der Betreiber des Familienbetriebs im Gespräch mit "Heute". Immer öfter komme es vor, dass Heurigenbesucher sein Personal explizit zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auffordern, "dabei ist das Virus deutlich kleiner als die Poren der Maske", so der Wirt. Und, überhaupt: "Ich könnte den Gästen ja ins Glas husten. Da schützt sie auch eine Maske nicht."

Corona-Regeln als Todesstoß für Gastronomie?

Haufenweise Stornierungen hagle es vonseiten der Kundschaft, "Dieses Jahr haben wir ein Umsatzminus von 50% zu verzeichnen", zieht Dörre verzweifelt Zwischenbilanz. Von den nunmehrigen Verschärfungen, die die Regierung bekannt gegeben hat, hält der Gastronom wenig: "Man kennt sich nicht mehr aus", und er attestiert der Regelung, sie könne "der Todesstoß für die Branche sein". Rechtlich würden die Verordnungen zwar niemals halten, ist er sich sicher, "aber diese Erkenntnis kommt dann zu spät".

Bei Ossi Schellmann geht die Austro-Prominenz ein und aus
Bei Ossi Schellmann geht die Austro-Prominenz ein und ausPicturedesk

Promi-Wirt wünscht sich klare Ansagen

"Die Verschärfungen sind eine weitere Verwirrung für die Gastronomen", sagt Ossi Schellmann, Betreiber des Wiener Szenelokals "Summer Stage", auf "Heute"-Anfrage, und spricht von einer "dubiosen Regelung". Für viele Lokale heißen die Maßnahmen "zurück zum Start", ist sich der Promi-Wirt sicher. Auch er äußert Zweifel an der rechtlichen Grundlage: "Muss jetzt jedes Lokal einen Juristen engagieren?", fragt er. Vom Präsidenten der Wirtschaftskammer wünscht er sich klare Ansagen, und liefert auch selbst eine: "Harald Mahrer ist ein junger, fescher Bursch. Aber er sollte dafür sorgen, dass seine Mitgliedsbetriebe nachvollziehbare Regelungen bekommen".

Ungar-Grill-Wirtin Darija Kasalo
Ungar-Grill-Wirtin Darija KasaloChristian Musser

"Lasse Polizei nach Sperrstunde nicht mehr rein"

"Als Lokalbesitzer bist du von der Regelung komplett überfordert. Es kennt sich keiner aus", sagt Darija Kasalo, Chefin des legendären, nun leider geschlossenen Ungar Grills in Wien Neubau. Und sie ist sich sicher, dass sich ein Lokal "gar nicht davon erholen kann, was da an Umsatzeinbußen auf einen zukommt". Mit der Sperrstunde geht die Wirtin kreativ um: "Wenn die Polizei nach der Sperrstunde kommt, lasse ich sie nicht herein. Ich darf ja danach niemanden rein lassen", erzählt sie schmunzelnd im "Heute"-Interview. "Und wenn eine Minute vor Sperrstunde einer zehn Bier bestellt, dann darf er die auch im Lokal gemütlich austrinken", offenbart Darija Kasalo, die bereits – trotz Corona – an der Eröffnung eines neuen Lokals arbeitet.

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