Wut-Wirt: "Ohne Schank wird es für viele unmöglich"

Wirt Sinnhuber hält sich mit Essensauslieferung über Wasser.
Wirt Sinnhuber hält sich mit Essensauslieferung über Wasser.Bild: zVg
Ab 15. Mai dürfen Wirte wieder aufsperren. Nur: Das Herz vieler Wirten, die Schank, muss zu bleiben. Für viele Gastronomen eine Existenzbedrohung.
Das schnelle Bier nach dem Feierabend, das schnelle Achterl mit Freunden am Abend - oftmals und sehr gerne wird das Getränk direkt an der Schank genommen. Aber: Getränke an der Schank dürfen nach dem Covid-Maßnahmengesetz auch ab 15. Mai nicht ausgeschenkt werden.

"Die Schank ist mein Herzstück. Wie ich ohne Schank überleben soll, ist mir ohnedies ein Rätsel", klagt etwa ein Gastronom aus dem Mostviertel.

"Sperre am 15. Mai gar nicht auf"

Andreas Sinnhuber (52), früherer Bürgermeister von Obersiebenbrunn und Wirt vom Gasthaus zur Zuckerfabrik in Leopoldsdorf (Bezirk Gänserndorf) wird am 15. Mai gar nicht aufsperren: "An dem Tag gibt es wahrscheinlich einen Run wie bei der Öffnung der Baumärkte oder McDonald's. Wir werden es ganz sachte mit 18. Mai probieren, mit einem Bruchteil der Öffnungszeiten."

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Auch das übliche Frühstücksbuffet werde der 52-Jährige vorerst nicht anbieten. "Die Frage ist, wie schaffe ich es mit so wenig Risiko wie möglich, zu öffnen, ohne, dass sich ich oder meine Mitarbeiter anstecken. Ich schlafe jeden Tag extrem schlecht, weil ich nicht weiß, ob es funktioniert." Auch auf das traditionelle Marchfelder Oktoberfest werde er heuer aus Sicherheitsgründen verzichten.

Wochenlang habe er sich den Kopf darüber zerbrochen, wie er seinen Betrieb öffnen kann: "Die Schank etwa ist sehr wichtig für Gastronomen. Schutzelemente an der Schank, wie eine 80 Zentimeter hohe Wand, würden mich mindestens 2.500 Euro kosten", sagt der Gastronom.

"Einige werden wohl gar nicht aufsperren"

Doch jetzt würden die Regelungen einen Schankbetrieb doch nicht vorsehen, was vor allem zu Lasten der kleinen Gasthäuser gehe: "Die leben zum Großteil von Stammkunden, die an der Schank sitzen. Die Kleinen sind zu zwei Drittel massiv betroffen, wenn das Bargeschäft wegbricht. Einige können wohl gar nicht aufsperren. In Wahrheit schreiten wir durch einen luftleeren Raum und die Kosten müssen wir selber tragen."

"Der einzige Schutz, den wir hätten, wäre das Epidemiegesetz einzuführen und nicht auszuhebeln, wie es geschehen ist. Wenn sie das reparieren, wäre alles gut", so der 52-Jährige.

Sinnhuber hat aber auch Hoffnung: "Ich bin ein positiv denkender Mensch, halte mich derzeit mit Essensauslieferungen in der Umgebung über Wasser. Und ein Kind als Lehrling und die Gattin arbeiten im Betrieb mit."



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