Xbox Series X im Test: Eine Rückkehr ist unmöglich

"Heute" hat bereits viel Zeit mit der neuen Xbox Series X verbracht und verrät im Test, warum die neue Microsoft-Konsole so gut ist.

Am 10. November läutet Microsoft mit der Xbox Series X die neue Konsolen-Generation ein, am am 19. November folgt in Europa die PlayStation 5. Das Xbox-Flaggschiff kommt auf einen Preis von 499 Euro, die kleinere Einsteiger-Konsole Series S kommt ohne Laufwerk zum Preis von 299 Euro daher. "Heute" hat bereits ausführlich auf der Series X gezockt und verrät im Test, warum eine Rückkehr auf die Konsolen der vergangenen Generation kaum mehr möglich ist.

Kompakter Fingerabdruckmagnet

Hat man die Konsole aus der Verpackung befreit, fällt zunächst der Lookauf: Sie ist nicht gerade klein, aber wirkt trotzdem kompakt. Keine Spur von den ausladenden Dimensionen und dem extravaganten Design der PS5. Stattdessen setzt Microsoft auf ein rechteckiges, simples Design, das sich in den meisten Wohnzimmern angenehm einfügen dürfte. Die Xbox Series X kann zwar auch horizontal platziert werden, wirkt dann aber doch recht klobig unter dem Fernseher.

Das Kunststoff-Gehäuse weist an der oberen Fläche Lüftungslöcher auf, die innen auf eine Weise grün bemalt sind, dass man meinen könnte, im Inneren sei eine LED-Beleuchtung installiert. Ein netter Farbakzent für die sonst schlichte Konsole. Die Oberfläche ist matt und schwarz, scheint Fingerabdrücke aber magisch anzuziehen. Am besten einmal aufstellen und dann nicht mehr allzu oft anfassen.

Der Vollständigkeit halber: Im Lieferumfang sind zudem ein neuer Controller, Stromkabel sowie HDMI- und USB-Kabel und die Bedienungsanleitung enthalten. Wenn man – einen kompatiblen Fernseher vorausgesetzt – in den Genuss von 4K und bis zu 120 Hz kommen will, sollte man unbedingt das beigelegte HDMI-Kabel benutzen, das auf den superschnellen 2.1-Standard setzt.

Die inneren Werte

Aber bei einer Konsole zählen auch immer die inneren Werte. Und auf diesem Gebiet trumpft die Series X auf: Eine Custom Zen 2 CPU werkt mit acht Kernen (jeweils 3,8 Ghz), die Grafikkarte bietet 12 TeraFLOPS, 52 CUs (Custom RDNA 2). Der Arbeitsspeicher kommt auf 16GB GDDR6, die 1 TB große Custom NVME SSD Festplatte ist mit der neuen Velocity-Architektur von Microsoft. Diese macht einen deutlichen Unterschied bei der Schnelligkeit der Konsole.

An der Rückseite verfügt die Xbox Series X über Anschlüsse für den Strom, LAN, zwei USB 3.2-Ports und einen HDMI 2.1-Ausgang. Zudem findet sich auch ein Slot für die "Speichererweiterung". Dabei handelt es sich um optionale, proprietäre SSD-Karten, die zunächst nur von Seagate (1 TB, 239,99 Euro) erhältlich sind. ür Series X optimierte Spiele können auch gespielt werden, wenn sie auf der Speicherkarte gespeichert sind. Mit einer normalen externen SSD wäre das nicht möglich.

So sieht die Xbox Series X von innen aus.
So sieht die Xbox Series X von innen aus.Microsoft Xbox

Die Menüs als Highlight

Beim ersten Einschalten der Konsole wird – eh klar im Jahr 2020 – zuerst mal ein Update gezogen. Während das lädt, kann man aber via Xbox App auf dem Smartphone die neue Hardware einrichten. Das funktioniert schön unkompliziert, dank Cloud-Speicher werden auch die Spielstände und Einstellungen von der Xbox One bzw. Xbox One X übernommen.

Einmal im Hauptmenü angekommen, spürt man die Next-Gen eigentlich mehr, als man sie sieht – von den neuen dynamischen Hintergründen einmal abgesehen. Das neue Dashboard ist schön aufgeräumt und kann personalisiert werden, ist aber auch auf Xbox One verfügbar. Auf der Series X fühlt sich die Benutzeroberfläche aber merklich schneller an. Es gibt erstmals keine merkliche Verzögerung zwischen Eingabe und Reaktion der Menüs mehr. Sich danach wieder durch das Dashboard selbst auf der schnellen Xbox One X zu navigieren, macht einfach keinen Spaß mehr. Aufgrund der effizienteren Speicher-Architektur laufen die Downloads von Games und Downloads nun übrigens schneller.

Schnelligkeit siegt

Für den Test der Konsole stand nur eine kleine Zahl an optimierten Games zur Verfügung, nämlich "Forza Horizon 4", "Gears 5", "Sea of Thieves", "The Touryst" und das erstmals auf Konsole verfügbare "Gears Tactics". Auch hier fühlt man die neue Konsolengeneration eher, als dass man sieht sieht. Die Games sehen allesamt toll aus, bieten aber eben keinen riesigen grafischen Sprung im Vergleich zu ihren Originalversionen auf Xbox One. Wohl aber laufen sie stabiler ("Forza" hat sogar einen 60fps-Modus) und können mit einer höheren Auflösung gerendert werden.

Echte Grafik-Highlights kommen hoffentlich noch, möglicherweise mit "Halo Infinite". Das Game hätte gemeinsam mit der Konsole erscheinen sollen, wurde aber auf 2021 verschoben. Besonders toll sind die verbesserten Ladezeiten in allen getesteten Spielen, auch jenen, die noch gar nicht optimiert sind und mittels Abwärtskompatibilität gespielt werden, darunter "Ori and the Will of the Wisps", "Marvel’s Avengers" oder das neue "Watch Dogs: Legion". Die verbaute SSD leistet ganze Arbeit. Einfachere Spiele wei etwa "Ori" haben praktisch keine Ladebildschirme mehr, bei Blockbustern werden sie dramatisch verkürzt.

"Ori and the Will of the Wisps" hat auf Xbox Series X praktisch keine Ladezeiten mehr.
"Ori and the Will of the Wisps" hat auf Xbox Series X praktisch keine Ladezeiten mehr.Moon Studios

Sehr bemerkenswert ist auch das neue Feature "Quick Resume". Es erlaubt das Wechseln zuwischen verschiedenen Games, die dabei aber nicht neu gestartet werden müssen. Die aktuelle Position wird gespeichert und kann nach einer Wartezeit von etwa zehn Sekunden einfach fortgesetzt werden. Somit kann man problemlos zwischen fünf Spielen hin- und herspringen. Das funktioniert auch, wenn die Konsole ausgeschaltet und wieder hochgefahren wird. Einschränkungen gibt es freiliche bei Online-Multiplayer-Titeln. Hier wird man trotz "Quick Resume" bei Inaktivität aus der Partie gekickt.

Ein toller Controller wird noch besser

Beim neuen Xbox-Controller lautet die Devise "Evolution statt Revolution". Der Formfaktor des letzten Xbox-One-Controllers wurde beibehalten, der Neue ist lediglich um einen Hauch kleiner. Größte Neuerung: Anstelle eines Steuerkreuzes  befindet sich unterhalb des linken Analogsticks nun jene Scheibe, die bereits beim Xbox One Elite Controller zum Einsatz kam. Sie fühlt sich beim Drücken deutlich weniger schwammig an als das alte Kreuz und erlaubt es besser, etwa nach links unten zu drücken.

An der Oberseite befindet sich mittig platziert zudem der neue Share-Button, mit dem Videoclips und Screenshots aufgenommen werden können. Die Unterseite ist mit einer angenehmen Textur versehen, dank der der Controller besser in der Hand liegt als je zuvor.

Der neue Xbox-Controller.
Der neue Xbox-Controller."Heute"

Fazit

Die Xbox Series X repräsentiert einen Wandel bei Microsofts Herangehensweise. 2013 fiel das Unternehmen mit der Xbox One spektakulär auf die Nase. Schwächere Hardware als bei der PlayStation 4, anfangs angedachte Online-Pflicht (vor dem Start gekippt) und beigepackte Kinect-Kamera brachen dem schwarzen Klotz, der an einen Videorekorder erinnerte, das Genick. Mittlerweile hat sich viel getan – und das gipfelt in der Series X. Viel Leistung, keine unnötigen Entertainment-Kompromisse. So muss das sein.

Einziges Manko: Es fehlen echte neue Exklusivtitel und Spiele, denen man die Power der neuen Hardware deutlich ansieht. Das kommt hoffentlich in den nächsten Jahren, Microsoft hat nicht umsonst viele bekannte Entwickler aufgekauft, zuletzt etwa Bethesda. Bis dahin muss man sich mit den Games von Drittherstellern in bestmöglicher Qualität und abwärtskompatiblen Games bis zurück zu ersten Xbox genügen. Das sind nicht die schlechtesten Aussichten für den Start in eine neue Xbox-Generation.

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