Xiaomi Mi 11 im Test: Guter Allrounder mit Aha-Effekt

Xiaomi will mit dem neuen Smartphone Mi 11 Flaggschiff-Leistung zum fairen Preis bieten. Dennoch gibt es ungewohnte Abstriche beim sonst tollen Gerät.

Lange Jahre stand Xiaomi für zwei Dinge: Tolle Smartphones zum vergleichsweise tiefen Preis. Das Konzept ändert sich auch beim neuen Mi 11 nicht, es wird aber etwas aufgeweicht. Denn während der Preis mit 800 (8 Gigabyte Arbeitsspeicher, 128 Gigabyte interner Speicher) beziehungsweise 900 Euro (8, 256 GB) noch immer unter den Flaggschiffen von Apple, Samsung und Huawei zu finden ist, wird die Luft bei der gebotenen Leistung insgesamt knapper.

Doch der Reihe nach. Das Mi 11 zeigt sich beim Design als modern aussehendes und schmales Smartphone, dass durch seine auf allen vier Seiten abgerundeten Ränder etwas rutschig in der Hand liegt. Auch manche Fehleingabe kommt durch die starke Krümmung am Display vor, mit etwas Übung lässt sich das aber verhindern. Die Verarbeitung ist hervorragend, als Farben stehen ein mattes Schwarz und Blau mit jeweils schönen Lichteffekten bei Sonneneinstrahlung zur Verfügung.

Eines der besten Displays

Doch nicht nur die Glasrückseite gefällt, auch das Display ist 1A. Der 6,81 Zoll große AMOLED-Screen löst mit 3.200 x 1.440 Pixel extrem scharf auf und bietet eine superflüssige Bildwiederholrate von 120 Hertz auch bei höchster Auflösung. In Verbindung mit einer sehr hohen Helligkeit ist der kratzfeste Bildschirm wirklich schön anzusehen – um mit dem Akku aber etwas besser über die Runden zu kommen, kann man die Einstellungen auch etwas mehr zurückschrauben.

Im Display ist auch der Fingerabdrucksensor verbaut, der manchmal etwas zickt. Es ist kein großes Manko, bei jedem x-ten Entsperren können aber mehrere Versuche notwendig sein. Dafür soll ein Update demnächst dafür sorgen, dass der Sensor auch die Herzfrequenz messen kann. Die Selfie-Kamera ist als Punchhole in der oberen linken Bildschirmecke zu finden, sehr schmale Bildschirmränder sorgen zudem dafür, dass das Display noch riesiger wirkt als es ohnehin schon ist. 

Kommt einfach nicht ins Stottern

Mit Maßen von 164,3 x 74,6 x 8,1 Millimetern und einem Gewicht von knapp unter 200 Gramm ist das Mi 11 ein sehr schlankes und leichtes Gerät. Trotzdem wurde im Inneren so gut wie alles verbaut, was derzeit als "Highend" gilt: Ein am Papier beeindruckendes Kameramodul mit einer 108-Megapixel-Linse und 8K-Unterstützung, ein Qualcomm Snapdragon 888, 8 GB Arbeitsspeicher, ein 4.600 mAh Akku mit Schnell- und Kabellos-Ladung, 5G, Wi-Fi 6 und Android-11-Softwarebasis. Entsprechend stark zeigt sich das Mi 11 auch im Betrieb.

Egal ob 20 offene Apps, 100 geladene Browser-Tabs oder Mobile Gaming, das Smartphone gerät einfach nicht ins Stottern. Wir wirkt sich das auf den Akku aus? Der hält selbst bei höchsten Einstellungen wie maximaler Auflösung und 5G 1,5 Tage durch, was ein toller Wert ist. Muss das Mi 11 dann doch ans USB-C-Kabel, ist es mit 55 Watt Schnellladung per Kabel oder 50 Watt kabellos in 50 Minuten bzw. einer Stunde wieder voll. Kabelloses Laden von anderen Geräten mit dem Mi 11 funktioniert mit 10 Watt. Eine top Akku-Ausstattung!

Ungewohnte Stolperer bei der Kamera

Eines der hervorstechendsten Merkmale des Mi 11 ist das hervorstehende, quadratische Kameramodul auf der Rückseite. In diesem wurden eine 108 MP Weitwinkelkamera, eine 13 MP Ultra-Weitwinkelkamera und eine 5 MP Telemakrokamera untergebracht. Xiaomi, für Spitzen-Kameraleistungen bekannt, liefert auch bei  Mi 11 auf den ersten Blick irre gute Fotos ab. Erst auf den zweiten Blick gibt es dann Schnitzer, die man so eigentlich gar nicht vom Unternehmen kennt. Eine Auswahl an Bildern mit dem Xiaomi Mi 11:

Wohl am auffälligsten: Zoom-Aufnahmen wollen so gar nicht gelingen. Das liegt vor allem am fehlenden optischen Zoom. Selbst bei hellen Lichtverhältnissen verschwimmen dadurch Fünffach-Zoom-Fotos deutlich, 30-fach-Bilder sind dann nur noch eine verwaschene Masse. Etwas weniger deutlich fällt dies bei Weitwinkelfotos auf, die zu den Rändern hin ganz leicht verwaschen. Ist die Kamera deswegen schlecht? Keinesfalls, wenn man sich zu behelfen weiß! Denn setzt man die Kamera richtig ein, gibt es scharfe, natürliche und detailreiche Aufnahmen, auch über die Selfie-Cam mit 20 Megapixel.

Auch in der Nacht etwas schwierig

Statt die Zoom-Funktion überhaupt zu nutzen, sollte man lieber auf die 108-MP-Fotofunktion umschalten und ohne Zoom-Stufe knipsen. Die liefert dann nämlich so hochauflösende und detailreiche Bilder, dass man sich den gewünschten Bildbereich einfach herausschneiden kann und dabei bis in beeindruckende Größen hinein noch knackscharfe Bilder bekommt. Nichts auszusetzen gibt es an der verlässlich funktionierenden Makro-Kamera, sehr wohl dafür wieder an Nachtaufnahmen. Bei drei geknipsten Nachtfotos sind im Test-Schnitt zwei recht schön aufgehellt, aber etwas blass, und eines verwischt zur fast unkenntlichen Masse. 

Viel der Kritik kann Xiaomi wohl mit Software-Updates ausbügeln – und um uns nicht falsch zu verstehen: Insgesamt zählt die Kamera zum oberen Viertel der Smartphone-Liga, wenn es alleine um die Kamera geht. Dennoch sind die Schnitzer auffällig, wenn man die bisherige Xiaomi-Qualität kennt – und wenn man die tollen Video-Möglichkeiten als Vergleich hernimmt. 8K ist zwar in der Praxis (noch) viel zu viel, Videos mit geringeren Auflösungen und stabiler Bildrate sehen aber nicht nur toll aus, sondern können auch mit Dutzenden Zeitraffer-, Zeitlupe- und Bild-Effekten gedreht werden.

Guter Allrounder mit Aha-Effekt

Bei der Ausstattung bietet das Mi 11 einen Kopfhörer-Anschluss über den USB-C-Ladeport, Harman Kardon Lautsprecher und aptX HD sowie aptX Adaptive Codecs. Eine Speichererweiterungsmöglichkeit entfällt allerdings, ebenso eine IP-Zertifizierung, die auf einen Staubschutz und Wasserdichtheit hindeuten würde. Die auf Android 11 basierende Software-Benutzeroberfläche MIUI 12 zeigt sich nah am puren Android, fällt aber mit einigen vorinstallierten und teils nicht entfernbaren Xiaomi-Apps auf. 

Das Xiaomi Mi 11 ist insgesamt ein toller Smartphone-Allrounder, der technisch bei den Stärksten mitspielt und kaum etwas an Ausstattung vermissen lässt. Zicken können allerdings sowohl der Fingerabdruckscanner, als auch die Kamera mit jeweils auffallenden Aha-Momenten. Auch eine Speichererweiterung und einen IP-Schutz würde man sich wünschen, wenn das Mi 11 im absoluten Flaggschiff-Bereich mitspielen will. Zum Glück ist man auch preislich noch von der Spitzenklasse entfernt, auch wenn dieser Unterschied immer mehr zu schrumpfen scheint.

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