Zagreb nach Beben – "Stadt ist nun in Schockstarre"

Ein heftiges Beben hat die Altstadt von Zagreb schwer getroffen. Nun herrscht in der Stadt die Angst vor weiteren Corona-Ansteckungen.

Das Beben der Stärke 5,4 kam um 6 Uhr am Sonntagmorgen, als die Menschen noch schliefen. Mauern stürzten ein, Trümmer trafen Autos, Ziegel fielen von den Dächern. Die Menschen in Zagreb rannten in Panik auf die Straßen – oft nur in Schlafanzügen oder in Decken gehüllt – und froren in der Kälte.

Laut Ana Sunic (30), die das Beben in ihrer Altstadtwohnung erlebte, durften in ihrer Straße die Leute erst nach dreieinhalb Stunden in die Häuser zurück – während es teils sogar schneite. Viele müssen in womöglich einsturzgefährdeten Häusern verharren – sie dürfen wegen der Pandemie nicht mehr raus.

Stärkstes Erdbeben seit 140 Jahren

Nun ist auch die Angst da, dass sich in der Panik viele Menschen gegenseitig mit dem Coronavirus ansteckten. Die Behörden forderten die Bevölkerung zwar auf, Abstand zu halten, dies war jedoch in der Panik nicht überall möglich. "Wir sind mit zwei schweren Krisen konfrontiert, dem Erdbeben und der Epidemie", so Innenminister Davor Bozinovic. Und ein Leser-Reporter berichtet: "Jetzt machen sich die Leute vor allem Sorgen um das, was kommt. Sie befürchten eine schnellere Ausbreitung des Virus." Kroatien zählte bis gestern 204 Infizierte.

"Die Häuser hier sind alle aus dem 19. Jahrhundert. Die Statik ist jetzt vielerorts unsicher", sagt Sunic. "Bei einem Nachbarhaus lag der ganze Dachstock auf der Straße." Sie spricht von einem "apokalyptischen Anblick": "Die Stadt ist nun in Schockstarre."

Spitze von Kathedralenturm fiel auf Straße

Auch die gotische Kathedrale, das Wahrzeichen der Stadt, wurde beschädigt: Eine der Turmspitzen brach ab und stürzte über 100 Meter auf die Straße. In einer anderen Kirche fiel die ganze Decke herunter – hätte gerade ein Gottesdienst stattgefunden, wäre es zur Katastrophe gekommen.

Es war laut der Regierung das stärkste Erdbeben in Kroatien seit 140 Jahren. Nun überprüfen Experten Haus für Haus auf die Statik. Es gab auch Verschüttete und Verletzte. Ein 15-jähriger Bub ringt um sein Leben. Auch Krankenhäuser wurden evakuiert – Patienten wurden teils sogar in ihren Betten ins Freie in Sicherheit gebracht.

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