Zahl der Hinrichtungen sinkt, aber nicht überall

Laut Amnesty International sank die Anzahl der Hinrichtungen weltweit deutlich.
Laut Amnesty International sank die Anzahl der Hinrichtungen weltweit deutlich.Unsplash
Immer weniger Länder verhängen oder vollstrecken die Todesstrafen. Für Amnesty International ist das aber kein Grund zur Entwarnung.

Die Zahl der dokumentierten Hinrichtungen weltweit ist im vergangenen Jahr um mehr als ein Viertel auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Statistik 2007 gesunken. Nach den am Mittwoch veröffentlichten Jahreszahlen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurde die Todesstrafe in 18 Ländern insgesamt mindestens 483 Mal vollstreckt – 26 Prozent weniger als 2019. Die Zahl der erfassten Todesurteile sank sogar um mehr als ein Drittel (36 Prozent) auf 1477 in 54 Ländern.

China wird in der Statistik nicht berücksichtigt, da dort die Hinrichtungen geheim gehalten werden und eine genaue Dokumentation nicht möglich ist. Amnesty schätzt die Zahl der Hinrichtungen dort auf mehrere Tausend.

Amnesty International sorgt sich um Ägypten

Es gab aber auch ein Land, in dem die Zahl der Hinrichtungen trotz Corona-Pandemie zunahm: In Ägypten wurden drei Mal so viele Menschen wie im Vorjahr hingerichtet. Außerdem haben die asiatischen Länder Indien und Taiwan sowie die Golfstaaten Katar und Oman die Vollstreckung der Todesstrafe wieder aufgenommen. Die Zahlen bewegen sich zwischen einer und vier Exekutionen pro Land. "Menschen inmitten einer weltweiten Gesundheitskrise hinzurichten, unterstreicht die Absurdität der Todesstrafe", sagte der Generalsekretär von Amnesty Deutschland, Markus Beeko.

Vier Länder waren zusammen für 88 Prozent der registrierten Hinrichtungen verantwortlich: Der Iran (mindestens 246), Ägypten (mindestens 107), der Irak (mindestens 45) und Saudi-Arabien (mindestens 27). Im Irak und Saudi-Arabien wurde allerdings ein starker Rückgang verzeichnet.

Besonders große Sorgen bereitet Amnesty im aktuellen Bericht das größte nordafrikanische Land Ägypten. Mindestens 23 Menschen seien dort im Zusammenhang mit politischer Gewalt zum Tode verurteilt worden. Einige Todesurteile hätten auf erzwungenen "Geständnissen" basiert oder seien trotz weiterer schwerer Menschenverletzungen einschließlich Folter und Verschwindenlassen ergangen.

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