Österreich

Zensur für Konzert - aber Geld für Pinkel-Künstler

Heute Redaktion
14.09.2021, 16:08

Wilder Streit um ein abgesagtes Konzert der "Hinichen" im Gasometer. Der Grüne Kultursprecher Klaus Werner-Lobo stoppte den Aufritt der Prolo-Rockband, weil er ihre Texte menschenverachtend findet.

Wilder Streit um ein abgesagtes Konzert der "Hinichen" im Gasometer. Der Grüne Kultursprecher Klaus Werner-Lobo stoppte den Aufritt der Prolo-Rockband, weil er ihre Texte menschenverachtend findet.

Laut Kultursprecher Klaus Werner-Lobo von den Grünen hätte der Auftritt nicht den Subventionsbedingungen der Stadt entsprochen. Er drohte dem Veranstalter "Planet-Music Gasometer" mit Enzug der Subventionen (712.000 Euro im Jahr).

Im Visier stehen die Texte der Band, die unter anderem einschlägige bis obszöne Ausdrücke aus der Wiener Mundart verwendet. Zu Repertoire der "Hinichen" gehören etwa Lieder wie "Fut Orsch Beidl", "Der Neger am Mittelmeer" oder "Gruppensex im Altersheim". Ein Album ist mit "Wir mischen auf im Frauenhaus" betitelt.

"Das hat nichts mit Zensur zu tun", versicherte Werner-Lobo. Man könne durchaus provozieren, die Texte der Hinichen seien jedoch menschenverachtend und diskriminierend. Dass Sexismus, Homophobie oder Rassismus nicht gestattet seien, stehe in den Subventionsbedingungen der Stadt. Diese Hinweise sollen künftig noch eindeutiger formuliert werden, kündigte Werner-Lobo an.

Satire oder Sexismus?

Die Lieder würden mit "durchaus beabsichtigt derben Worten" Geschichten aus dem Leben erzählen, ohne sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen, wehrt sich die Band. Humor und Selbstironie würden jedoch nie aus den Augen verloren, wurde in der Mitteilung versichert.

Auf Twitter wird nun breit diskutiert, inwiefern Texte wie "Die Fotzen - ja die ghörn verdroschen, zuerst auf's Aug' und dann in 'd Goschn" noch satirisch sind.

Einmal mehr zeigt sich die FPÖ "entsetzt", allerdings nicht über Sexismus oder Frauenfeindlichkeit, sondern über ein angebliches "Demokratieverständnis wie in der DDR". Für Klubchef Johann Gudenus sei ein "traditionelles Konzert" untersagt worden, für das schon mehr als 400 Karten verkauft wurden.

Für Diskussionsstoff sorgt auch die Kulturpolitik der Grünen: Denn: Werner-Lobo hat nichts gegen Performances, bei denen Aktivisten in den (siehe Foto oben). Die IG Autoren spricht von Zensur wie unter Metternich.

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